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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bologna

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Bologna.

Produkte sind: die Bologneser Hündchen, die Bologneser Seide, die Bologneser Kreide (Gesso di B.) und der Bologneser Spat oder Bononische Stein (Pietra di Monte Paderno); außerdem liefert das Mineralreich Marmor, Gips, Thon, Farberde, Kupfer und Braunkohle. Hauptnahrungszweige der Bewohner sind: Feldbau, Viehzucht (besonders Ziegen- und Schweinezucht), ergiebige Bienenzucht, Flußfischerei, sehr mannigfaltige Industrie (Seidenzeuge, Hanfleinwand, Seilerwaren, Tuch, geräucherte Fleischwaren) und Handel.

Die gleichnamige Hauptstadt ist eine der ältesten, größten und reichsten Städte Italiens, die wegen der Fruchtbarkeit ihrer Umgebung la grassa ("die Fette") genannt wird. Darin hat man wohl den ersten Grund ihrer Anlage und Entwickelung zu suchen. Aber die Stadt lag auch für den Verkehr günstig; wie ehemals alle Landstraßen, so vereinigen sich jetzt alle Straßen und Eisenbahnen, welche vom Simplon bis Triest die Alpen überschreiten, in B. und gehen von da weiter über den Apennin, der im Renothal wie im Futapaß hier leicht gangbar ist, nach Toscana oder an der Ostküste entlang nach Brindisi und Tarent. Deshalb haben hier die Römer gleichzeitig mit Placentia und Cremona eine Militärkolonie gegründet und zuweilen die Kaiser hier residiert; aus demselben Grund wird B. in neuester Zeit zu einer der stärksten Festungen Italiens mit Arsenal und befestigtem Lager umgeschaffen. B. liegt auf der durch die alte Ämilische Straße bezeichneten Linie des Übergangs des Apennin in die Ebene, an einem schiffbaren, in der Stadt zum Teil überbauten Kanal des westlich vorbeifließenden Reno, der durch sein furchtbares Anschwellen und seine Geröllmassen eine beständige Bedrohung der Stadt ist. Sie bildet, noch von alten Mauern und Gräben umgeben, ein unregelmäßiges Sechseck mit im Innern häufig krummen und engen, aber reinlichen Straßen, von denen die wichtigsten doch ziemlich gerade radienförmig vom innersten, ältesten Kern der Stadt zur Peripherie leiten. Die Häuser sind meist drei Stockwerke hoch, gut gebaut, ja palastartig und mit Arkaden versehen. Unter den Plätzen sind besonders die Piazza Vittorio Emmanuele, der eigentliche Mittelpunkt der Stadt, von Palästen umgeben, und der angrenzende Neptunsplatz mit dem berühmten Neptunsbrunnen, 1566 ausgeführt und mit der Neptunstatue von Giovanni Bologna geschmückt, zu nennen. Hier steht der Palazzo del Podesta, in welchem König Enzio 23 Jahre gefangen gehalten wurde, 1201-64 erbaut, mit großem Turm, aber unvollendeter Fassade, das reiche Stadtarchiv enthaltend; an der Ostseite der Portico dei Banchi mit schönen Magazinen; an der Westseite der Palazzo Pubblico, der Sitz der Staats- und Stadtbehörden, aus dem 13. Jahrh., mit einer Bronzestatue Gregors XIII. und einem Thonrelief der Madonna an der Fassade; an der Südseite die Kirche San Petronio, die größte der 75 Kirchen der Stadt, 1390 nach dem Plan des Vincenzi im italienisch-gotischen Stil begonnen, aber nur bis zum Querschiff vollendet, mit schönen Skulpturen an der gleichfalls unvollendeten Fassade und an den Portalen, im Innern mit Gemälden und Denkmälern reich ausgestattet, mit Angabe des hier 1653 bestimmten Meridians. Der größte Platz ist der an der Nordseite gelegene ehemalige Mercato, jetzt Piazza d'Armi, an den sich die Montagnola, ein großer öffentlicher Garten, anschließt. Andre merkwürdige Kirchen sind: die Kathedrale San Pietro (1620 begonnen); San Domenico, die Wiege des Dominikanerordens (in dem anstoßenden Kloster lebte und starb der heil. Dominikus), den reichgeschmückten Sarkophag (arca) des Heiligen mit herrlichen Skulpturen von Nicola Pisano und Michelangelo enthaltend; ferner Santo Stefano, ein Komplex von sieben Bauwerken verschiedenen Alters, Basiliken, Rundkirchen und Klosterhöfen; die dreischiffige San Martino Maggiore; Santa Maria dei Servi mit schönem Säulenvorhof und Hauptaltar; San Giacomo Maggiore (1267-1497 erbaut) mit großem Tonnengewölbe, reicher, aus 34 Bogen bestehender Säulenhalle, schönem Glockenturm und berühmtem Altarblatt von Francia, u. a., sämtlich noch im Besitz reicher Kunstschätze. Nahe dem Mittelpunkt der Stadt stehen die beiden berühmten schiefen Türme, der eine 1109 von Asinelli begonnen und nach ihm benannt, 83 m hoch mit 1 m Abweichung, der andre (von 1110) nach seinem Erbauer die Garisenda (auch Mozza) benannt, 42 m hoch und mit 2,5 m südlicher Abweichung von der Senkrechten. Südlich davon erhebt sich die Loggia dei Mercanti (Mercanzia), Sitz der alten Börse, ein schöner Bau aus dem 14. Jahrh. B. hat ferner eine große Zahl glänzender architektonischer und im Innern an Kunstwerken reicher Paläste, meist mit offenen Arkadenhallen im Untergeschoß, schönen Fassaden und Höfen (darunter die Palazzi Bevilacqua, Fava, Buoncompagni, Pepoli, Sampieri, Fantuzzi, das Collegio di Spagna). Die Stadt zählt (1881) 103,998 Einw., die sich durch Handels- und Gewerbfleiß auszeichnen. In großem Ruf stehen die bolognesischen Makkaroni, Mortadellas, Liköre, eingemachten Früchte, künstlichen Blumen und wohlriechenden Seifen; außerdem treibt man Seidenspinnerei und Seidenweberei, Hanf- und Tuchindustrie, Tabak-, Glas- und Papierfabrikation und Strohhutflechterei. B. ist Sitz einer Universität, der ältesten Europas, 1119 gestiftet, die ihr im Mittelalter, wo sie oft von 12,000 Studenten aus ganz Europa besucht wurde und fast alle Nationen dort eigne Kollegien hatten, den größten Ruhm und den zweiten Beinamen "la dotta" verschaffte. Namentlich bedeutend war ihre Rechtsschule. Auch später ist die Universität von B. bedeutend geblieben; dort wurde die erste Leiche zergliedert und der Galvanismus entdeckt, und noch heute blüht sie (1882: 119 Dozenten und 795 Studenten). Dort haben Irnerius (im 12. Jahrh.), Gratian, Malpighi, Cassini u. a., namentlich auch zahlreiche weibliche Dozenten gelehrt. Noch heute ist die Universität besser mit Instituten versehen als die meisten andern italienischen Hochschulen, sie hat namentlich eine reiche Bibliothek von 200,000 Bänden und 6000 Manuskripten. Es besteht ferner hier, nachdem eine große Zahl andrer phantastischer Akademien wieder eingegangen, eine Accademia delle belle arti oder Accademia Clementina, von Clemens III., einem gebornen Bologneser, gestiftet, welche im Besitz der schönsten Werke der im 16. Jahrh. von den Caracci, Guido Reni, Domenichino, Albani und Guercino gestifteten sogen. bolognesischen Schule und andrer Meister ist. In dieser Sammlung finden sich unter anderm Raffaels heil. Cäcilia, Guido Renis Madonna della Pietà und der Gekreuzigte, ein Altarbild von Giotto, Madonnenbilder von Francia und Perugino etc. sowie eine Waffensammlung. Von sonstigen Bildungsanstalten sind zu nennen: ein Lyceum, ein städtisches Gymnasium, das Arciginnasio antico mit großer Bibliothek (Civica-Magnani, mit 102,800 Bänden), ein Gewerbeinstitut, eine technische Schule, zwei Normalschulen für Lehrer und eine berühmte, 1805 gegründete Musikschule (Liceo filarmonico, an welcher Rossini studierte), das Museo Civico (1871 gegründet)