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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boltenhagen; Bolton; Boltraffio; Boltz; Bölük; Bolus

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Boltenhagen - Bolus.

"Visitenbuch eines deutschen Arztes in London" (Berl. 1852), dem "Eine deutsche Palette in London" (das. 1853), "Eine gute Versorgung" (Hamb. 1856), "Das Forsthaus" (Prag 1854), "Liebe und Ehe", Erzählungen (Hamb. 1857, 3 Bde.), u. a. folgten, welche Werke vorzugsweise Schilderungen aus dem Leben der englischen Aristokratie, freilich mit greller Farbenauftragung, enthalten. Später wandte sie sich dem biographischen Roman zu, worin sie zur künstlerischen Gestaltung sowenig wie andre durchdrang, und sank auch in ihren Schilderungen aus dem modernen Leben zum Niveau der bessern Leihbibliothekenromane herab. Wir nennen von ihren Werken dieser Art: "Frau von Staël" (Prag 1859); "Juliane von Krüdener und Kaiser Alexander" (Berl. 1861); "Winckelmann" (das. 1862); "Vittorio Alfieri" (das. 1862); "Franziska von Hohenheim" (Hannov. 1863); "Die Welfenbraut" (Jena 1867); "Prinzessin Wilhelmine von Preußen" (das. 1868). Außerdem veröffentlichte sie ein "Frauenbrevier" (4. Aufl., Wien 1866) und "Neues Frauenbrevier" (2. Aufl., Leipz. 1877), "Moderne Charakterköpfe" (Wien 1863, 3 Bde.) sowie neuerdings die zum Teil der Frauenfrage gewidmeten Romane: "Weiter und weiter" (Jena 1867); "Die Sonnenblume" (Leipz. 1869); "Elisabeth, oder die deutsche Jane Eyre" (Wien 1872); "Die Tochter des Obersten" (das. 1872); "Wohin führt es?" (das. 1878) u. a.

Boltenhagen, Dorf in Mecklenburg-Schwerin, an der Ostsee, 17 km nördlich von der Eisenbahnstation Grevesmühlen, mit 120 Einw. und einem 1845 gegründeten, stark besuchten Seebad.

Bolton (spr. bohlt'n), eine der blühendsten Städte Lancashires (England), am Flüßchen Croach, inmitten malerischer Moorstrecken, hat (1881) 105,414 Einw., unter denen wohl noch Nachkommen der Vlämen, Pfälzer und Hugenotten sind, die hier gegen religiöse Verfolgung Schutz fanden. In jüngster Zeit ist die Stadt bedeutend verschönert worden, und Stadthaus, Markthalle, städtische Bibliothek und Museum, Kranken- und Waisenhaus sind sämtlich stattliche Gebäude. Schon im 14. Jahrh. führten hier Vlämen die Tuchfabrikation ein, und zur Zeit Heinrichs VIII. war Boltoner Tuch hochgeschätzt. Später trat die Baumwollindustrie mehr in den Vordergrund und herrscht jetzt ganz vor. B. liefert Baumwollgarne, Schirting, Pikee, Kammertuch und Musselin, ferner Maschinen, feuerfeste Schränke und Schlösser; es hat große Bleichen, in der Umgegend bedeutende Kohlenwerke. Dem Erfinder der Mulemaschine, Crompton, wurde hier 1862 ein Denkmal errichtet. Graf Derby belagerte B. während des Bürgerkriegs, aber in der Schlacht von Worcester zum Gefangenen gemacht, wurde er 1651 in die Stadt gebracht und hingerichtet.

Boltraffio (auch Beltraffio), Giovanni Antonio, ital. Maler von vornehmer Herkunft, geb. 1467 zu Mailand, wurde Schüler von Leonardo da Vinci und malte Altarbilder und Porträte von inniger Auffassung und lebendiger Charakteristik. Seine Werke sind sehr selten. Die hervorragendsten sind: die Madonna der Familie Casio, von zwei Heiligen und zwei Mitgliedern der Familie verehrt (Paris, Louvre), Madonna mit dem Kind (Bergamo, Museum), Madonna (London, Nationalgalerie) und heil. Barbara (Berlin, Museum). Er starb 1516.

Boltz, August, Linguist, geb. 26. Sept. 1819 zu Breslau, widmete sich dem Kaufmannsstand, betrieb nebenbei eifrig Sprachstudien, wurde mit 19 Jahren Unterlehrer an der Handelsakademie zu Hamburg, später Hauslehrer in einer aristokratischen Familie Petersburgs, in welcher Stellung er fast ganz Europa bereiste, und trat darauf als Lehrer an den Militärerziehungsanstalten in den russischen Staatsdienst. Nach seiner Rückkehr in die Heimat erhielt er 1852 eine Anstellung an der Kriegsakademie zu Berlin, wurde 1862 zum Professor ernannt, legte aber nach zwei Jahren aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nieder und lebt seit 1878 in Bonn. B. hat sich besonders bekannt gemacht durch seinen "Neuen Lehrgang der russischen Sprache nach der Robertsonschen Methode" (5. Aufl., Berl. 1880), welchem sich nach derselben Methode Grammatiken der englischen, französischen, italienischen und spanischen Sprache anschlossen, die er später, noch vermehrt um ein Lehrbuch des Deutschen und Neugriechischen, auch in russischer Sprache bearbeitete. Außerdem veröffentlichte er: "Handbuch der englischen Litteratur" (mit H. Franz, Berl. 1852, 2 Bde.); "Das Lied vom Heereszug Igors gegen die Polowzer" (Urtext mit Kommentar und Übersetzung, das. 1854); "Beiträge zur Völkerkunde aus Wort und Lied" (das. 1868); "Die Sprache und ihr Leben" (Leipz. 1868); "Vorschule des Sanskrit in lateinischer Umschrift" (Oppenheim 1868); eine Übersetzung der "Lieder des hellenischen Mirza Schaffy, Athanasios Christopulos" (Leipz. 1880); "Die hellenische oder neugriechische Sprache" (Darmst. 1881) sowie Übersetzungen russischer Romane u. a. Eine metrische Übertragung des altindischen Fabelschatzes, des "Hitopadesa", ist zum Druck vorbereitet.

Bölük (türk.), Kompanie; B.-Baschi, Kompaniechef, Hauptmann.

Bolus (Bol, lemnische Erde, Sphragid), früherer Name von Thonen, die zu medizinischen Zwecken und als braune und rote Farben benutzt wurden. Ihre Anwendung bei verschiedenen Krankheiten reicht bis ins Altertum hinauf. Besonders stand die lemnische Erde als Heilmittel in hohem Ruf, während die von Sinope mehr als Malerfarbe im Gebrauch war. Erstere kam schon im Altertum wie noch gegenwärtig mit aufgedrücktem Siegel in den Handel (Siegelerde, Sphragid, Terra sigillata). Seit 1508 war die lichtbraune Siegelerde von Striegau, später die bläulichgraue sächsische Siegel- oder Wundererde von Stolpen wie schon vorher eine weiße von Malta im Gebrauch. Hiernach werden unter dem Namen B. Thone von wesentlich verschiedener Beschaffenheit und Zusammensetzung begriffen. Die Mineralogie beschränkt den Namen auf die mehr oder weniger fettig anzufühlenden, schwach fettglänzenden, auf dem Strich glänzendern, in muschelige, scharfkantige Stücke brechenden Thone, welche, ins Wasser geworfen, unter Zerknistern in eckige Stücke und endlich in eine feinerdige, plastische Masse zerfallen. Ihre Farbe ist isabellgelb bis kastanienbraun und wird zumeist durch Brennen rot, bei Mangangehalt braun (cyprische Umbra). Ihre Härte ist 1-2, ihr spez. Gew. 2,2-2,5. Ihrer chemischen Zusammensetzung nach bestehen sie aus 41-42 Proz. Kieselerde, 20-25 Proz. Thonerde, 24-25 Proz. Wasser, 0-12 Proz. Eisenoxyd, auch Manganoxyd (cyprischer B.) nebst kleinen Mengen von Kali, Magnesia und Kalkerde. Am häufigsten finden sie sich in Klüften und eingesprengt im Basalt, in basaltischer Wacke, basaltischem Tuff und im Phonolith; so zu Striegau, Steinhau und Goldberg in Schlesien, bei Göttingen, im Habichtswald in Kurhessen, bei Seidenberg im Königreich Sachsen, in der Rhön, in Böhmen, am Kaiserstuhl, besonders auch bei Siena (Terra di Siena, kastanienbraun) in Toscana, ebenso in ältern Trappgesteinen zu Sinope und auf Cypern. Weit seltener