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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bonington; Bonininseln; Bonis avibus; Bonis zedieren; Bonität; Bonite; Bonitho; Bonitierung

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Bonington - Bonitierung.

pularität gewann. Nach Entlassung des Ministeriums trat er in sein früheres Amt in der Provinz Sachsen zurück, wo er die Politik des Ministeriums Brandenburg unterstützte, wie auch später als Mitglied der Ersten Kammer. 1851 zum Oberpräsidenten der Provinz Posen ernannt, richtete er sein Streben vornehmlich auf die Aussöhnung der so lange verfeindeten Nationalitäten. Im Mai 1851 mußte er die Stelle niederlegen, weil er nicht bei der Wiederherstellung der Kreis- und Provinzialstände sich beteiligen wollte, und war nun außer Aktivität, bis er 1859 unter dem Ministerium Schwerin in sein früheres Amt als Oberpräsident der Provinz Posen wieder eintrat. Während des Aufstandes im russischen Polen nahm er aufs neue seine Entlassung, weil er sich nicht zu den Repressivmaßregeln verstehen wollte, die das Ministerium Bismarck für nötig hielt. Er lebte seitdem auf seinem Rittergut Brettin bei Genthin und war ein eifriges und hochangesehenes Mitglied des Abgeordnetenhauses und des deutschen Reichstags, in dem er zur altliberalen Partei gehörte. Hervorragend war seine Thätigkeit im preußischen Abgeordnetenhaus bei der Beratung des Schulaufsichtsgesetzes im Februar 1872. Er starb 2. Dez. 1878.

3) Adolf von, preuß. General, geb. 11. Nov. 1803, trat 1821 als Sekondeleutnant in das 2. Garderegiment zu Fuß und wurde 1838 noch als Premierleutnant zum Flügeladjutanten des Königs ernannt. Er durchlief rasch die militärische Laufbahn, wurde 1851 Oberst, 1854 Generalmajor, 1858 Generalleutnant und Generaladjutant des Königs, 1863 kommandierender General des 1. Armeekorps und 1864 General der Infanterie. Im Krieg von 1866 war er bei seinem Angriff auf Gablenz bei Trautenau 27. Juni nicht glücklich, wirkte dann aber durch rechtzeitiges Eintreffen auf dem Schlachtfeld zum Sieg von Königgrätz mit. Nach Herstellung des Friedens wurde er als Oberkommandierender der preußischen Truppen in das Königreich Sachsen gesendet. Während des deutsch-französischen Kriegs war er Generalgouverneur von Lothringen (August 1870 bis März 1871) und trat dann in sein früheres Verhältnis als dienstthuender Generaladjutant des Königs und Präses der Generalordenskommission zurück. Er starb 16. April 1872 in Berlin.

Bonington (spr. bonningt'n), Richard Parkes, engl. Maler, geb. 25. Okt. 1801 im Dorf Arnow bei Nottingham, bildete sich seit 1816 in Gros' Schule und dann im Umgang mit Delacroix in Paris, studierte die niederländischen und venezianischen Meister, bereiste später Italien und starb 23. Sept. 1828 in London. Seine geschätztesten Bilder sind: eine Ansicht des Dogenpalastes und andres von Venedig; mehrere nordische Landschaften mit (Kathedrale von Rouen) und ohne Architektur, worin er namentlich als der bahnbrechende Künstler auf dem Gebiet naiver Naturauffassung und eines frischen, durch die Niederländer beeinflußten Kolorits erscheint; im historischen Genre glänzende Gruppen aus dem häuslichen Leben der Fürsten der Renaissancezeit, so: Franz I. mit seiner Schwester am Fenster, Karl V. und die Herzogin von Etampes, Heinrich III. den spanischen Gesandten empfangend, für welch letzteres Bild 1860: 49,500 Frank bezahlt wurden. Prächtige Kostüme im vollen Lichtschimmer bilden oft den Hauptwert dieser Werke. Durch seine Landschaften hat er einen bedeutenden Einfluß auf die französische Schule geübt.

Bonininseln, eine Inselgruppe östlich von Japan, zuerst von spanischen Seefahrern gesehen und Arzobispo benannt; zuverlässig entdeckt von den Holländern Quast und Tasman 1639, die sie mit dem Namen Gracht belegten. Es sind drei durch tiefe Kanäle getrennte kleine Gruppen, 84 qkm (1,5 QM.) groß mit (1881) 151 Einw. Die Inseln sind nur klein, voll nicht hoher, aber sehr steiler Berge von vulkanischen Gesteinen, der Boden ist in den Thälern sehr fruchtbar und gut bewässert. Fauna und Flora zeigen große Übereinstimmung mit der der indischen Inselwelt. Ursprünglich waren diese Inseln unbewohnt; 1830 entstand zu Port Lloyd auf der Peelsinsel eine kleine Niederlassung von europäischen Seeleuten und Eingebornen von Hawai, hauptsächlich zur Versorgung der Walfischfänger mit Lebensmitteln. Seit 1876 zogen die Japaner die Verwaltung der Inseln, welche jetzt die Provinz Ogasawarajima bilden, an sich, um hier eine Strafkolonie anzulegen.

Bonis avibus (lat.), "mit gnädigen Vögeln", d. h. unter günstigen Vorbedeutungen, in Beziehung auf die Augurien der Römer (s. Augurn).

Bonis zedieren (lat.), sein (überschuldetes) Vermögen (an die Gläubiger) abtreten (s. Cessio bonorum).

Bonität (lat.), Güte, gute Beschaffenheit.

Bonitho, Bischof, s. Bonizo.

Bonite, s. Thunfisch.

Bonitierung (lat., Bodenschätzung), die Wertschätzung von Landgütern oder einzelnen Grundstücken durch Privatpersonen, durch besondere Kommissionen oder durch amtlich bestellte Taxatoren oder Boniteure. Die B. ist der schwierigste Teil der Geschäfte eines Landwirts und erfordert neben den umfassendsten Kenntnissen auch die Fertigkeit, die Objekte mit allen auf ihren Ertrag einflußreichen Verhältnissen richtig beurteilen zu können. Eine überall anwendbare, auch für minder Geübte leicht zu erlernende und klar zu durchschauende, möglichst sichere und mit möglichst geringem Kostenaufwand auszuführende Taxationsmethode gibt es nicht. Die empfohlenen und gebräuchlichen Methoden sind nur für lokale Verhältnisse anwendbar; das praktische Geschick des Boniteurs muß das Beste dabei thun. Bei der B. ganzer Landgüter muß man die Größe des dazu gehörenden Areals (auf Grund genauer Flurkarten und Vermessungen), die Baulichkeiten, das gesamte tote und lebende Inventar, die etwa vorhandenen Gerechtsame oder auf dem Gut haftenden Dienstbarkeiten, die dazu gehörenden Pertinenzien, vorhandene Schulden und Forderungen, die bisherigen Erträge, die Häufigkeit klimatischer Störungen (Frost, Hagelschlag u. dgl.), die Beschaffenheit des Bodens mit Lage und Umgebung, die gesamten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse des betreffenden Landes, die Marktorte und deren Entfernung, die Arbeiterverhältnisse, kurz alle nur irgend auf die Höhe des Ertrags einwirkenden Umstände genau prüfen und möglichst in Geldwert festzustellen suchen. Dies geschieht durch die Fertigung eines Ertragsanschlags (s. d.). Bisher ging man von dem Gedanken aus, die Grundstücke nach dem bei ihrer Bewirtschaftung zu erwartenden Reinertrag zu bonitieren. Da aber auf diesen die persönliche Befähigung des Bewirtschafters, dessen Fleiß, Kapitalkraft und vieles andre vom wesentlichsten Einfluß sind, so kann diese Methode nicht empfohlen werden. Bei den bisherigen Bonitierungen legte man einen Durchschnittsmaßstab für den Betrieb zu Grunde, die Dreifelderwirtschaft in einfachster Form, und berechnete danach in bestimmt vorgeschriebener Schablone den zu erwartenden Ertrag. Obwohl diese Wirtschaftsform längst nicht mehr existiert, so beruht doch