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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bordeauxweine; Bordelais; Bordell; Bördelmaschine

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Bordeauxweine - Bördelmaschine.

ter. Die Stadt besitzt auch ein Irren-, ein Waisen- und Findelhaus, mehrere Hospitäler, Kranken- und Wohlthätigkeitsanstalten etc. B. ist der Sitz des Präfekten, des Generalkommandos des 18. Armeekorps, eines Erzbischofs, eines protestantischen Konsistoriums, eines Appellhofs, eines Tribunals erster Instanz und der übrigen Departementsbehörden sowie eines Handelsgerichts und zahlreicher Konsulate fremder Staaten (darunter auch eines deutschen Konsulats). In B. sind geboren: Richard II. von England, der römische Dichter Ausonius, die Malerin Rosa Bonheur, die Staatsmänner Gensonnet, Ducos, Cabarrus u. a.

Geschichte. B. war als Burdigala Hauptort der Bituriges Vivisci, seit Augustus Hauptstadt der Provinz Aquitania II., nach des hier gebornen Dichters Ausonius Beschreibung eine schöne, feste Stadt, Mittelpunkt mehrerer Straßen, das wichtigste Emporium im südwestlichen Gallien, mit einer berühmten Hochschule, und Residenz mehrerer Kaiser. Noch jetzt sind Überreste aus der spätrömischen Zeit vorhanden. Die christliche Zeit von B. datiert vom J. 272. Als Hauptstadt Aquitaniens teilte es dessen Schicksale. 407 verbrannten die Vandalen, Alanen etc. die Stadt; 412 kam sie in die Gewalt der Goten, 507 in die des Frankenkönigs Chlodwig; 732 wurde sie von den spanischen Arabern unter Abd ur Rahmân erstürmt und geplündert, 735 aber von Karl Martell wiedererobert. Karl d. Gr. ernannte 778 einen Grafen von B. Im 9. Jahrh. wurde B. von den Normannen wiederholt geplündert und um 900 unter Karl dem Einfältigen wieder aufgebaut. Aber erst, als mit des letzten Herzogs von Aquitanien, Wilhelms IX., Erbtochter Eleonore das Land an Heinrich von Anjou und so 1154 an England kam, begann sich B. zu heben. Schon Heinrich II. erweiterte die Stadt und gab ihr große Privilegien, die 1236 von Heinrich III. bestätigt wurden. Als der Schwarze Prinz, Eduards III. Sohn, Guienne als Fürstentum erhielt, ward B. Sitz eines glänzenden Hofs. Unter Richard II. trat B. 1379 gegen die Angriffe der Franzosen an die Spitze eines Bündnisses der Städte von Bordelais, mußte jedoch 23. Juni 1451 mit Karl VII. kapitulieren und 1453, weil es im Oktober 1452 den Engländern die Thore wieder geöffnet, auf seine Privilegien verzichten, die es aber meist zurückerhielt. Als sich 1548 die Stadt wegen Einführung der Salztaxe empörte, wobei der Gouverneur de Morems ermordet wurde, nahm der Connetable Montmorency blutige Rache an ihr. Der Gouverneur Montferrand wiederholte 3.-5. Okt. 1572 in B. die Greuelszenen der Bartholomäusnacht, die 2500 Menschen das Leben kosteten. 1650, während der Fronde, machte B. einen Aufstand, der nur mit Mühe unterdrückt wurde. Während der Revolution war B. Hauptsitz der Girondisten, weshalb es von den Schreckensmännern verheert wurde. Weil die Stadt im Frühjahr 1814 sich von allen Städten zuerst für die Bourbonen erklärt hatte, legte Ludwig XVIII. dem Sohn des Herzogs von Berri, dem spätern Grafen von Chambord, den Titel eines Herzogs von B. bei. Im Dezember 1870 wurde B. Sitz der Delegation der Regierung der nationalen Verteidigung (Gambetta, Crémieux, Glais-Bizoin und Fourichon), und 15. Febr. 1871 trat hier die Nationalversammlung zusammen, welche den Frieden mit Deutschland genehmigte und dann nach Versailles übersiedelte. Konzile (Burdigalensia concilia) wurden vier hier gehalten: 384 gegen die Priscillianisten, 678 zur Wiederherstellung des Friedens und zur Verbesserung der Kirchenzucht, 1080, wo Berengar von Tours seinen Glauben abschwor, und 1255. Vgl. O'Reilly, Histoire complète de B. (2. Aufl., Bordeaux 1863, 6 Bde.); Michel, Histoire du commerce et de la navigation à B. (Par. 1874, 2 Bde.).

Bordeauxweine, die auf beiden Seiten des Girondestroms, den die Vereinigung der Garonne und Dordogne unterhalb der Stadt Bordeaux bildet, wachsenden Weine. Auf diesem Gebiet, dem eigentlichen Médoc, unterscheidet man nach dem Standort drei Arten der Gewächse, von: Côtes (Hügeln), Palus (humoser Lehmboden der Flußniederungen), Graves (Kies, Gerölle, Sand), Terres fortes (Niederungen ohne Sand) und Entre deux mers zwischen Garonne und Dordogne, und bringt jede Art wieder in Unterabteilungen: erster, zweiter bis fünfter Palus etc. Das Médoc bebaut etwa 20,000 Hektar Weinland und produziert 40,000 Ton. Wein, von welchem aber nur 9000 T. oder 82,000 Hektar edle Weine sind.

Die B. zeichnen sich aus durch ein hervortretendes, höchst angenehmes Boukett, viel Mark, Stärke und Geistreichtum ohne Vehemenz und durch leichte, milde Herbigkeit, die nur ihnen eigentümlich ist. Sie stärken den Magen, ohne den Kopf einzunehmen, und können in größerer Menge getrunken werden, ohne üble Folgen zu hinterlassen. Die besten Sorten (premiers crus) sind: Lafitte (Gemeinde Pauillac), leicht, fein und sanft (Ertrag 120-150 T. à 912 Lit.); Latour (Gemeinde Pauillac), mit mehr Körper und weniger fein und sanft (Ertrag 70-90 T.); Château-Margaux (Gemeinde Margaux), leicht, fein, sehr sanft, mit viel Blume (Ertrag 100-110 T.); Haut-Brion (Gemeinde Pessac), mit mehr Körper und Herbe, geringerer Blume (Ertrag 100-120 T.). Zu den Weinen zweiten Ranges (deuxièmes crus) gehören: Mouton (Pauillac), Rauzan (Margaux), Léoville (St.-Julien), Vivens-Durfort (Margaux), Gruau-Laroze (St.-Julien), Lascombe (Margaux), Branne (Cantenac), Pichon-Longueville (Pauillac), Ducru-Beaucaillon (St.-Julien), Cos-Destournel (St.-Estèphe), Montrose (St.-Estèphe). Von den weißen Weinen ist der vorzüglichste der Château d'Yquem (Gemeinde Sauternes, Ertrag 140-180 T.), der beste Weißwein Frankreichs, fein, geistig, in guten Jahren sehr süß und doch gewürzig, ausgezeichnet durch Schmelz und Vollheit; andre weiße B. ersten Ranges sind: La Tour blanche, Peyraguey und Vigneau (Gemeinde Bommes), Suduirant (Preignac), Coutet und Climenz (Barsac), Bayle und Rieusec (Sauternes), Rabaut (Bommes). In England heißt aller Bordeauxwein Claret; in Deutschland trank man ihn im 18. Jahrh. allgemein unter dem Namen Pontak. Vgl. W. Franck, Traité sur les vins du Médoc (1824; 7. Aufl., Bordeaux 1871); Cocks und Feret, Bordeaux et ses vins (4. Aufl., das. 1881; englische Bearbeitung 1883); Hamm, Das Weinbuch (2. Aufl., Leipz. 1874).

Bordelais (spr. bord'lah), Landschaft in Frankreich, zum ehemaligen Herzogtum Guienne (Unterguienne) gehörig, mit der Hauptstadt Bordeaux.

Bordell, s. Prostitution.

Bördelmaschine (Seckenmaschine, Gesimswalzwerk), Vorrichtung zum Anbringen von vertieften Rinnen oder lang gezogenen Erhabenheiten (Seckenzügen) in Blech, besteht in zwei frei stehenden Walzen oder Scheiben, deren eine an ihrer Peripherie eine Nute von dem Profil der Rinne, deren andre dasselbe Profil erhaben gearbeitet trägt. Während entgegengesetzter Drehung der Walzen wird das Blechstück zwischen ihnen hindurchgezogen und ihm längs einer Linie das gewünschte Profil gegeben, in-^[folgende Seite]