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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bördeln - Bordun.

dem an jeder Stelle die beiden Walzen wie zwei aufeinander passende Stempel wirken.

Bördeln, das rechtwinkelige Aufbiegen des Randes runder, ovaler etc. Scheiben mittels des Bördeleisens, d. h. eines Werkzeugs, welches einem aufrecht stehenden, breiten, krummen Meißel gleicht, aber keine Schneide, sondern eine abgerundete Kante hat.

Bordelumer Rotte, eine nach dem schleswigschen Ort Bordelum benannte Separatistensekte, 1737 von den Kandidaten Borsenius und David Bär gestiftet, wurde 1739 gewaltsam unterdrückt. Die Mitglieder derselben schafften Kirche, Predigtamt, Sakramente ab und führten, als durch den Glauben Selige, Güter- und Weibergemeinschaft bei sich ein.

Bordentown (spr. -taun), Stadt im nordamerikan. Staat New Jersey, Grafschaft Burlington, am Delaware, 8 km unterhalb Trenton, mit Werkstätten für den Bau von Waggons und Lokomotiven und (1880) 4258 Einw. Dabei Landhaus, in welchem Joseph Bonaparte, Exkönig von Spanien, wohnte.

Bordereau (franz., spr. bord'roh), Verzeichnis, Sortenzettel; B. de compte, eine kurze Rechnung oder Rechnungsauszug (im Deutschen gewöhnlich Note genannt), dann auch ein kleines Handbuch, in welchem der Handlungsreisende empfangene Geldposten und deren Sorten vermerkt, im Bankverkehr eine Liste von zum Diskont, zum Inkasso oder zur Gutschrift eingesandten Wechseln (Diskontnota) oder von eingereichten Effekten, Geldsorten etc. In Frankreich auch der Schlußzettel (s. d.) des Maklers (B. de courtier).

Bordesholm, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Schleswig, Kreis Kiel, in schöner Lage am gleichnamigen See und an der Altona-Kieler Eisenbahn, mit Amtsgericht, schöner Kirche eines 1565 aufgehobenen Augustinerklosters und (1880) 516 Einw.

Bordiamanten, s. Bor.

Bordieren (franz.), s. Borte.

Bordighera, Städtchen in der ital. Provinz Porto Maurizio (Ligurien), Kreis San Remo, auf einem Vorgebirge am Meer und an der Eisenbahn von Marseille nach Genua gelegen, ist wegen seines ausgezeichneten Klimas ein beliebter Winterkurort (Wintertemperatur 11-12° C.), hat schöne Villen, berühmte Palmenwäldchen, deren Wedel zur Osterzeit in Menge nach Rom verkauft werden, und (1881) 2556 Einw., welche Öl- und Südfrüchtebau treiben.

Bording (niederdeutsch), in den Ostseehäfen s. v. w. Lichterfahrzeug (s. d.).

Bording, Anders, dän. Dichter, geb. 1619 zu Ribe, wurde Lektor der Theologie an der Schule seiner Vaterstadt, siedelte indessen 1666 nach Kopenhagen über, wo König Friedrich III. ihm die Herausgabe der ersten dänischen politischen Zeitung übertrug, welche 1666-77 jeden Monat in Reimen erschien: "Den danske Merkurius". Bereits vorher war er durch seine Lieder bekannt geworden. Er starb 1677. Seine Gedichte waren ohne ästhetischen Wert, allein seine Zeitgenossen bewunderten dieselben mit Recht wegen ihrer ungewöhnlichen Gefälligkeit. Man sah hier zum erstenmal (und dadurch erhielt B. seine eigentliche Bedeutung in der Geschichte der dänischen Dichtkunst), daß die Sprache sich vorzüglich zu fließenden Reimen eigne.

Bordö, dänische Insel, s. Borö.

Bordogni (spr. -donnji), Marco, Opernsänger (Tenor) und Gesanglehrer, geb. 1788 bei Bergamo, machte seine Studien daselbst unter Simon Mayer, debütierte 1813 zu Mailand in Rossinis "Tancred" und kam, nachdem er noch in einigen andern Städten Italiens mit Erfolg aufgetreten war, nach Paris, wo er 1819 als erster Tenor der Italienischen Oper, im folgenden Jahr auch als Gesanglehrer am Konservatorium angestellt wurde. Im J. 1833 verließ er die Bühne, um sich ausschließlich dem Lehrfach zu widmen. Die große Zahl tüchtiger Sänger, welche er bis zu seinem Tod (31. Juli 1856) ausgebildet hat, spricht für seine außerordentlichen pädagogischen Fähigkeiten und ebenso die von ihm veröffentlichten Unterrichtswerke, darunter namentlich "36 Vokalisen für Sopran oder Tenor" und "36 Vokalisen für Baß", die in verschiedenen Ausgaben zu Paris, Mailand, Berlin und Leipzig erschienen sind.

Bordone, 1) Paris, Maler der venezianischen Schule, geboren um 1500 zu Treviso, Schüler Tizians, wurde 1538 von Franz I. nach Frankreich berufen, wo er den König und die vornehmsten Herren und Damen malte. Mit Ehren überhäuft, ging er 1540 über Augsburg nach Venedig zurück, wo er 19. Jan. 1570 starb. Er war auch in Treviso, Vicenza, Crema, Genua und Turin thätig gewesen. In seinen zahlreichen Porträten, von denen die weiblichen besonders gelungen sind, weiß er durch die Pracht und den Reichtum des Kolorits eine bezaubernde Wirkung hervorzubringen, während er in großen Historienbildern oft bunt und hart ist. Doch hat er auch hier in der Überreichung des Ringes durch den Fischer an den Dogen (Akademie in Venedig) ein Werk geschaffen, welches in der Komposition und dem satten Glanz des Kolorits zu den ersten Meisterwerken der venezianischen Schule gehört. In seinen idealen Frauengestalten schließt er sich an die Eleganz und Zartheit Palmas des ältern an. Auch hat er Sittenbilder (Frauenbad in Wien), Allegorien und mythologische Gemälde geschaffen. Hauptbilder von ihm besitzen die Uffizien und Pal. Pitti in Florenz, Treviso (Anbetung der Hirten), Genua, Mailand, Paris, Wien, Dresden und Berlin.

2) Philipp Toussaint Joseph, franz. General, geb. 1. Nov. 1821 zu Avignon, von italienischer Abstammung, aber von Geburt Franzose, studierte Medizin in Montpellier, trat als Schiffschirurg in die französische Marine, machte die Bekanntschaft Garibaldis und nahm 1860 an dessen Expedition nach Sizilien und Neapel teil. Nach dem 4. Sept. 1870 bestimmte er Garibaldi, der französischen Republik seine Dienste anzubieten, kam mit demselben 8. Okt. in Tours an und wurde, obgleich seine militärischen Studien und Kenntnisse ihn gar nicht dazu befähigten, zum General und Chef des Generalstabs bei der zu organisierenden Vogesenarmee ernannt. Er leitete den Feldzug mit großem Ungeschick und erbitterte die französischen Behörden und Offiziere durch seine brutale Anmaßung und seine Eigenmächtigkeit. Er wurde daher nach dem Krieg in mehrere Prozesse verwickelt, in denen sich ergab, daß er sich früher verschiedene grobe Betrügereien hatte zu schulden kommen lassen, um derentwillen er dreimal vom Gericht verurteilt worden war. Er schrieb zu seiner Verteidigung und zur Verherrlichung der Thaten der Garibaldianer: "Garibaldi et l'armée des Vosges. Récit officiel de la campagne" (4. Aufl., Par. 1874) sowie eine Biographie Garibaldis (das. 1878) u. a.

Bordoni, Faustina, ital. Sängerin, Gattin des Komponisten Joh. Adolf Hasse (s. d.).

Bordun (franz. Bourdon, spr. burdóng, "Hummel"; ital. Bordone, "Brummbaß"; korrumpiert Barduen, Perduna, Portune), gebräuchliche Bezeichnung des 16-Fußgedackts (Grobgedackts) der Orgel, auch der Baßquinte des Dudelsacks. Das Wort bordunus kommt schon im 13. Jahrh. vor als Name der neben dem Griffbrett der Viole (viella) liegenden