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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Borkhausen; Borku; Borkum; Bormann; Bormida; Bormio

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Borkhausen - Bormio.

Steller in der Beringsstraße in der Nähe der amerikanischen Küste 1741 entdeckt, es lebte damals herdenweise im Meer und fraß Meergras oder Tang. Wegen ihrer Schwerfälligkeit unfähig, sich den Verfolgungen der Menschen zu entziehen, wurden diese Tiere mit großen eisernen Widerhaken, woran Seile befestigt waren, gefangen. Die Kamtschadalen und Tschuktschen machten Kähne aus der Haut und benutzten das Fett, welches angenehm roch und schmeckte, zu ihren Speisen und als Leuchtmaterial. Das Fleisch war zwar gröber als Rindfleisch, aber, besonders das der Kälber, von gutem Geschmack. Angelockt durch Stellers Bericht über das B., strömten die Walfänger nach der Beringssee und richteten derartige Schlächtereien unter den Tieren an, daß sich die Zahl derselben schon 1757 sehr vermindert hatte. Das letzte Exemplar ward 1768 gesehen. Vgl. Brandt, Über den Zahnbau der Stellerschen Seekuh (Petersb. 1833); Derselbe, Symbolae sirenologicae (das. 1845-68); Derselbe, Über Verbreitung und Vertilgung der Stellerschen Seekuh (6 Abhandlungen, das. u. Mosk. 1865-68).

Borkhausen, Moritz Balthasar, Forstmann und Naturforscher, geb. 3. Dez. 1760 zu Gießen, studierte daselbst Jura und Cameralia, beschäftigte sich aber auch viel mit Naturwissenschaft und bearbeitete 1793 als Assessor der Landesökonomiedeputation zu Darmstadt eine Naturgeschichte Hessens. 1796 wurde er Assessor beim Oberforstamt, 1800 Kammerrat und 1804 Rat im Oberforstkollegium. Er starb 30. Nov. 1806. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Naturgeschichte der europäischen Schmetterlinge nach systematischer Ordnung" (Frankf. 1788-94, 5 Bde.); "Versuch einer Erklärung der zoologischen Terminologie" (das. 1790); "Versuch einer forstbotanischen Beschreibung der in Hessen-Darmstädter Landen im Freien wachsenden Holzarten" (das. 1790); "Tentamen dispositionis plantarum Germaniae seminiferarum secundum novum methodum a staminum situ et proportione" (1792); "Botanisches Wörterbuch" (Gießen 1797, 2 Bde.); "Theoretisch-praktisches Handbuch der Forstbotanik und Forsttechnologie" (das. 1800-1803, 2 Bde.); "Deutsche Ornithologie oder Naturgeschichte aller Vögel Deutschlands" (Frankf. 1810).

Borku (Borgu), nächst den Tibesti der bedeutendste, aber auf einen weit kleinern Raum beschränkte Stamm der Tibbu (s. d.), dessen Gebiet zwischen Fezzan und Wadai unter 17-18° nördl. Br. und 18½-20½° östl. L. v. Gr. liegt, im nördlichen Teil gebirgig, im südlichen eben und nur aus einer Anzahl kleiner Oasen bewohnbar ist, deren Datteln den Bewohnern neben der Zucht von Kamelen und Ziegen die einzigen Existenzmittel bieten. Hauptstadt ist Jin, der Knotenpunkt der Karawanenstraßen nach Fezzan, Wadai und Kanem; ein andrer wichtiger Punkt ist Egai, im SW. von Jin. Die seßhafte Bevölkerung des Landes beträgt nach Nachtigal, dem ersten Europäer, welcher dasselbe 1870 besuchte, nur etwa 5000 Seelen, die Gesamtbevölkerung mit Einschluß der zur Zeit der Dattelernte anwesenden Nomaden aus Tibesti, Wadai, Kanem etc. 10-12,000 Seelen.

Borkum, die westlichste der ostfriesischen Inseln, vor der Mündung der Ems gelegen und zum preuß. Regierungsbezirk Aurich gehörend, hat einen Umfang von 25-30 km, einen 65 m hohen Leuchtturm und (1880) 684 Einw. Sie zerfällt in zwei durch eine Dünenkette verbundene Teile, das Ost- und Westland, und wird außer im O. von Dünen umschlossen. B. (das Fabaria des Drusus und Burchana des Plinius) war ursprünglich ca. 1000 qkm groß, wurde aber 1170 durch eine Sturmflut in vier Teile zerrissen, von denen außer B. selbst die Insel Juist noch übrig ist. Seit 1856 ist es zum Seebad eingerichtet und zählt jährlich über 2000 Badegäste. Es besitzt Dampferverbindung mit Emden. Vgl. "Die Nordseeinsel B." (8. Aufl., Emden 1883).

Bormann, Karl, preuß. Schulmann, geb. 26. Juni 1802 zu Potsdam, studierte in Berlin 1823-26 Theologie, ward 1827 Rektor in Charlottenburg, dann Oberlehrer am Berliner Seminar für Stadtschulen, das er 1829-30 bis zum Eintreffen Diesterwegs leitete, übernahm daneben 1832 die Leitung der mit einem Lehrerinnenseminar verbundenen Augustaschule, deren Direktor er 1841 wurde, nachdem er 1839 beim Lehrerseminar ausgetreten war. 1849 wurde B. als Provinzialschulrat in das Schulkollegium für die Provinz Brandenburg befördert und blieb in dieser Stellung, später mit dem Charakter eines Geheimen Regierungsrats, bis 1872, wo er in den Ruhestand trat. Er starb 31. Aug. 1882 in Berlin. Von seinen Schriften hat besonders die "Schulkunde" (Berl. 1855, 17. Aufl. 1872), nach den Stiehlschen Regulativen von 1854 bearbeitet, große Verbreitung gefunden; doch mißlang der Versuch Bormanns, dem Buch durch Anlehnung an die "Allgemeinen Bestimmungen" Falks von 1872 sein Absatzgebiet zu erhalten. Lange Zeit war B. auch Herausgeber des "Brandenburger Schulblattes", in welchem er neben andern Arbeiten eine große Reihe pädagogischer "Sendschreiben" veröffentlichte.

Bormida, Alpenfluß in Piemont, dessen Quellflüsse als B. di Millesimo am Monte Linco und als B. di Spigno am Monte Settepani in den Seealpen entspringen, empfängt nach seiner Vereinigung rechts den Erro und die Orba und mündet, 146 km lang, bei Alessandria von S. her in den Tanaro.

Bormio (deutsch Worms), Stadt und Badeort in der oberital. Provinz Sondrio, unterhalb des Stilfser Joches im Veltlin gelegen, an der Einmündung des Fradolfo (Val Forba) in die Adda, von hohen Felsmassen umgeben, 1255 m ü. M., mit alten Türmen, einer sehenswerten Pfarrkirche (mit trefflichen Fresken), Gymnasium und (1881) 1744 Einw., welche Vieh- und Bienenzucht treiben. Die Mineralquellen von B., acht an der Zahl und schon im Altertum bekannt, entspringen nahe am Abhang des Monte Brauglio aus Kalk- und Dolomitfelsen und sind die heißesten (34-41° C.) im ganzen plutonischen Gebiet der italienischen Alpen, dazu von außerordentlichem Wasserreichtum (an 1200 Lit. in der Minute). Sie enthalten als wichtigste Bestandteile Bittersalz, Gips, Glaubersalz und kohlensauren Kalk und werden vorzugsweise gegen Gicht und Rheumatismen, chronische Hautleiden, Skrofeln, Leberleiden und sexuelle Krankheiten angewandt. Die Martinstherme enthält in 1 Lit. 0,98 g feste Bestandteile und 26 ccm Kohlensäure. Die Saison ist auf die Monate Juli und August beschränkt. Ihre erste Fassung fanden die Thermen im "alten Bad" (Bagni di San Martino), das burgähnlich auf einer 60 m hohen Felswand liegt; seit 1861 ist das 70 m tiefer gelegene "neue Bad", ein großartiges, elegant eingerichtetes Kurhaus, vorhanden. An B. vorüber führt die Straße über das Stilfser Joch nach Tirol. Vgl. Theobald und Weilenmann, Die Bäder von B. (St. Gallen 1868); Meyer-Ahrens, Die Thermen von B. (Zürich 1869). - Die Wormser Landschaft, im Mittelalter eine Grafschaft (das Städt-^[folgende Seite]