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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Borthwick; Bortniansky; Borussia; Bory; Bory de Saint-Vincent; Boryslaw; Borysthenes; Bos; Bosa; Bosau

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Borthwick - Bosau.

Leitseilen besteht die Kette aus Bindfaden, während die Figur durch den seidenen oder wollenen Einschuß auf beiden Seiten gleich gebildet wird. Wagen- und Livreeborten unterscheiden sich von den genannten Borten dadurch, daß sie, wie der aufgeschnittene Samt, auf der Oberfläche mit einem Flor von kleinen stehenden Ringen und Maschen bedeckt sind, daher Samt- oder Noppenborten genannt. Einige, bei denen nur die zum Dessin bestimmten Stellen mit Samt bedeckt sind, haben einen glatten, meist atlasartigen Grund; bei andern, deren ganze rechte Seite eine Samtfläche ist, wird das Dessin durch die Farbenunterschiede der Samtmaschen (Noppen) gebildet. Noppenborten, deren Grundgewebe stellenweise sichtbar ist, verfertigt man ganz aus Seide; doch nimmt man nicht selten auch Zwirn oder Leinengarn zu Grundkette und Einschuß und fertigt den Flor aus Seide oder Wolle.

Borthwick, Dorf mit (1881) 1741 Einw., 15 km südöstlich von Edinburg, mit Schloß, in welchem Maria Stuart nach ihrer Heirat mit Bothwell wohnte.

Bortniansky, Dimitri, russ. Komponist, geb. 1751 in dem Städtchen Gluchow (Gouvernement Tschernigow), erhielt seine musikalische Ausbildung in Moskau und später in Italien, hier namentlich in Venedig unter Leitung Galuppis. Im J. 1779 nach Rußland zurückgekehrt, erhielt er bald einen Ruf als Direktor der kaiserlichen Sängerkapelle in Petersburg, und dieser widmete er bis zu seinem Tode, 28. Sept. (9. Okt.) 1825, seine ganze Thätigkeit. Die von ihm hinterlassenen zahlreichen Vokalwerke für die Kirche, von denen einige auch in die Konzertprogramme des Berliner Domchors sowie in die daselbst erschienene Sammlung "Musica sacra" aufgenommen sind, lassen nicht nur den gediegenen Tonsetzer erkennen, sondern auch eine originelle und reiche Erfindung, in welcher der Geist der slawischen Tonkunst mit dem der altitalienischen auf Grundlage des griechisch-katholischen Kirchengesangs zu selbständiger Neubildung vereinigt ist. In diesem Sinn darf B. mit Recht als Reformator des russischen Kirchengesangs gelten, wenn er auch den während seiner letzten Lebensjahre unternommenen äußern Ausbau dieser Reform seinem Nachfolger Alexei Lwow hat überlassen müssen.

Borussia (neulat.), Preußen; Borussomanie, übertriebenes Eingenommensein für alles Preußische, Preußensucht; Borussophobie, Preußenfurcht.

Bory, bei botan. Namen Abkürzung für J. B. M. ^[Jean Baptiste Georges Geneviève Marcellin] Bory de Saint-Vincent (s. d.).

Bory de Saint-Vincent (spr. d'ssäng-wäng-ssáng), Jean Baptiste Marcellin, Baron, Reisender und Naturforscher, geb. 1780 zu Agen, begleitete 1798 den Kapitän Baudin auf seiner Entdeckungsfahrt nach Australien, trennte sich aber unterwegs von diesem und durchforschte bis 1802 die meisten der afrikanischen Inseln. Das Ergebnis dieser Reisen publizierte er in: "Essai sur les Iles fortunées et l'antique Atlantide, ou précis de l'histoire générale de l'archipel des Canaries" (Par. 1803) und in seiner "Voyage dans les quatre principales îles des mers d'Afrique" (das. 1804, 3 Bde.). Er trat nach seiner Heimkehr in die französische Armee, focht bei Ulm und Austerlitz und seit 1808 in Spanien, wo er Militärintendant beim Generalstab des Marschalls Soult ward. Das königliche Dekret vom 17. Jan. 1816 vertrieb auch ihn aus Frankreich. Er ging nach Aachen, dann nach Halberstadt und Brüssel, wo er mit van Mons die "Annales des sciences physiques" (1819-21, 8 Bde.) herausgab und seine "Voyage souterrain" (Par. 1821) schrieb, worin er die merkwürdigen Steinbrüche in dem Kalkgebirge bei Maastricht wissenschaftlich und malerisch schildert. Im J. 1820 kehrte er nach Paris zurück und wurde Mitarbeiter an Courtins "Encyclopédie" und mehreren liberalen Journalen. 1829 trat er an die Spitze der wissenschaftlichen Expedition, welche die französische Regierung nach Morea und den Cykladen sandte, redigierte die "Expédition scientifique de Morée" (Par. u. Straßb. 1832) und bearbeitete für dieselbe die botanische Sektion. Mit Chaubard schrieb er "Nouvelle flore du Péloponnèse et des Cyclades" (Par. 1838). 1830 kam er als Chef der historischen Sektion in das Kriegsministerium, und 1840 ging er als Chef der wissenschaftlichen Kommission nach Algerien. Für das große offizielle Werk "Exploration scientifique de l'Algérie" bearbeitete er mit Cosson und Durieu de Maisonneuve den botanischen Teil. Er starb in Paris als Oberst vom Generalstab 22. Dez. 1846. Viele originelle Ansichten enthält sein umfassendes Werk "L'homme, essai zoologique sur le genre humain" (2. Aufl., Par. 1827, 2 Bde.). Für Duperreys "Voyage autour du monde" bearbeitete er die Kryptogamen (1828, mit 39 Kupfern). Aus letzterm Werk erschien die "Histoire des hydrophytes" (1829, mit 24 farbigen Kupfertafeln) besonders. Auch leitete er die Redaktion des "Dictionnaire classique de l'histoire naturelle".

Boryslaw, Stadt in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Drohobycz, an der Zweigbahn Drohobycz-B. der Dnjestrbahn, am Fuß der Karpathen, mit (1880) 9318 Einw. (davon 7494 Juden), wichtig durch seinen Reichtum an Erdwachs und Bergöl, die hier in jüngern, die salzführenden Schichten begleitenden Tertiärbildungen am Nordrand des Gebirges vorkommen. Das Ölfeld ist von Tausenden von Schächten (großenteils nur 40 m tief eingetrieben) durchlöchert und liefert jährlich ca. 300,000 metr. Ztr. Naphtha und Paraffin.

Borysthenes (auch Olbia, Olbiopolis und Miletopolis), im Altertum eine große, durch Getreidehandel reiche Stadt unfern der Mündung des Flusses B. (Dnjepr), 655 v. Chr. von Milesiern gegründet, Mitte des 3. Jahrh. durch die Goten zerstört. Ruinen 22 km südlich von Nikolajew bei Kudak.

Bos, Rind.

Bos, Lambert, holländ. Philolog, geb. 23. Nov. 1670 zu Workum in Westfriesland, studierte zu Franeker, wurde daselbst 1697 Lektor, 1704 Professor und starb 6. Jan. 1717. Er machte sich besonders um das Studium des Griechischen verdient. Wir nennen von seinen Werken: "Ellipses graecae" (Franeker 1702; oft ediert, zuletzt von G. H. Schäfer, Leipz. 1808); "Antiquitatum graecarum, praecipue atticarum, descriptio brevis" (Franeker 1714; vielfach ediert und kommentiert, zuletzt von J. K. ^[Johann Karl] Zeune, Leipz. 1787; englisch herausgegeben von Barker, Lond. 1839); "Vetus Testamentum ex versione LXX interpretum cum variis lectionibus etc." (Franeker 1709; Oxford 1805, 5 Bde.), besonders wegen des Reichtums und der Übersichtlichkeit der Lesarten verdienstlich; "Animadversiones ad scriptores quosdam graecos" (Franeker 1715).

Bosa, befestigte Stadt auf der Insel Sardinien, Provinz Cagliari, Kreis Oristano, an der Mündung des Flusses B. (oder Temo) in das Meer, ist Bischofsitz, mit Kathedrale, einem Gymnasium, einem Hafen und (1881) 6696 Einw., die Wein- und Ölbau sowie Korallenfischerei treiben.

Bosau (ehemals Bossow, Buzoe), Kirchdorf im oldenburg. Fürstentum Lübeck, am Plöner See, sehr