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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bostrichus; Boswell; Boswellia; Bosworth

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Bostrichus - Bosworth.

Fuß des Hauran, im Alten Testament unter den Namen Astharoth (Residenz des Königs Og von Basan) und Beesthra vorkommend, ein alter Kultusmittelpunkt der Göttin Astarte, blühte besonders unter Trajan, der es als Nova Trajana Bostra zur Hauptstadt der Provinz Arabia erhob, daher die sogen. Bostranische Ära mit 105 n. Chr. beginnt. Unter Alexander Severus (222-235) wurde B. römische Kolonie, später Sitz eines Bistums, dann eines Erzbistums, unter welchem über 20 syrisch-arabische Bistümer standen. Hier fand 244 eine Kirchenversammlung statt, auf welcher Origenes den ketzerischen Bischof Beryll von B. bekehrte. Noch im Mittelalter war B. als Markt und Festung ein wichtiger Ort, den die Kreuzfahrer unter Balduin III. (1147) und Balduin IV. (1182) vergeblich zu erobern suchten. Jetzt Busra oder Bosra, die schwach bevölkerte Hauptstadt der ostjordanischen Landschaft Hauran, mit ausgedehnten und großartigen Ruinen.

Bostrichus, Borkenkäfer; Bostrichidae, Familie aus der Ordnung der Käfer; s. Borkenkäfer.

Boswell, 1) James, engl. Schriftsteller, geb. 29. Okt. 1740 zu Edinburg, war von seinem Vater, Richter am schottischen Obertribunal, für den Advokatenstand bestimmt, studierte anfangs in Edinburg und Glasgow, begab sich dann nach London, wo er 1763 mit Samuel Johnson bekannt wurde, und hierauf nach Holland, um zu Utrecht seine Studien fortzusetzen. Im J. 1764 unternahm er eine Reise durch Deutschland, die Schweiz und Italien, auf der er auch Corsica besuchte, um den von ihm glühend verehrten Paoli kennen zu lernen, und veröffentlichte nach seiner Rückkehr einen "Account of Corsica" (Glasg. 1768; neue Ausgabe in "Boswell's correspondence with the Hon. Andrew Erskine", Lond. 1879), der auch ins Deutsche (Leipz. 1769) und in mehrere andre Sprachen übersetzt wurde. Nach seiner Verheiratung ließ sich B. zu London nieder, wo er 1773 in den von Johnson errichteten litterarischen Klub trat. Er begleitete Johnson auf seiner Reise nach Schottland und den Hebriden, deren Beschreibung das "Journal of a tour to the Hebrides with Johnson" (Lond. 1774, neue Ausg. 1860; deutsch, Lübeck 1786) enthält, und beschäftigte sich seit dem Tod seines berühmten Freundes (1784) mit der Abfassung einer Biographie desselben. Dies "Life of Samuel Johnson" (zuerst Lond. 1791, 2 Bde.; oft aufgelegt; beste Ausg. von Croker, das. 1876; deutsch, Königsb. 1797) ist voll von Bewunderung für den Helden und überliefert viel Unverbürgtes neben brauchbaren litterarischen Daten und charakteristischen Einzelheiten. Seine "Letters to W. J. ^[William Johnson] Temple" erschienen zu London 1856. Er starb 19. Mai 1795. Vgl. Rogers, Boswelliana (Lond. 1876).

2) Sir Alexander, engl. Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 1775, ward 1821 Baronet und starb infolge eines Duells, zu welchem er durch einige beißende Pamphlete Veranlassung gegeben, 26. März 1822. Seine im Volkston gehaltenen schottischen Lieder zeichnen sich durch Popularität und derben Humor aus und erschienen gesammelt in den "Songs chiefly in the Scottish dialect" (Edinb. 1803). Sein "Edinburgh, or the ancient royalty" (Edinb. 1810) ist ein schottisches Sittengemälde in dialogischer Form; hierauf erschien "Clan Alpin's Vow" (das. 1811). Er gab auch mehrere Denkmäler der ältern Litteratur seines Vaterlandes heraus, z. B. die Ballade "Spirit of Tintor" (Edinb. 1803) u. a. Eine Gesamtausgabe seiner "Poetical works" besorgte Smith (Lond. 1873). - Sein jüngerer Bruder, James B., geb. 1779, gab Malones Shakespeare neu heraus (Lond. 1821, 21 Bde.) und wirkte litterarisch als Mitglied des Roxburghe Club; starb 1822.

Boswellia Colebr., Gattung aus der Familie der Burseraceen, ostindische und afrikan. Balsambäume mit häufig papierartiger Rinde, unpaarig gefiederten Blättern, traubig oder rispig angeordneten Blüten und dreikantigen Früchten mit dreifächerigem Steinkern und häutig gerandeten Samen. Fünf in Nordostafrika, Arabien und Ostindien heimische Arten. B. Carterii Birdw. (B. sacra Flück.), kleiner Baum mit weichhaarigen oder filzigen Zweigen, wellig gekerbten, beiderseits weichhaarigen Fiederblättchen und einfachen Blütentrauben, wächst in den Gebirgen der Somalküste und in den Gebirgen von Hadramaut und liefert Weihrauch. Dieser stammt aber auch von B. Bhau-Dajiana Birdw. in den Gebirgen der Somalküste und von B. neglecta Le Moore im Ahlgebirge des nördlichen Somallandes. B. papyrifera Hochst. (B. floribunda Royle), ein starker Baum mit brauner, in dünnen, festen Blättern leicht abziehbarer Rinde und rispenartigen Blütenständen, rutenförmigen, wenig beblätterten Zweigen, wächst in Nordostafrika von der Somalküste bis Kordofan, bisweilen mit Mimosen ganze Wälder bildend, und liefert ein ätherisches Öl enthaltendes Harz. B. glabra Roxb., ein hoher, starker Baum auf den Molukken, dessen hartes Holz oft zu Masten gebraucht wird, schwitzt ein sehr wohlriechendes Harz aus, welches als Weihrauch, Pech, auch zu Fackeln und zum Ausfüllen indischer Goldwaren angewendet wird. B. serrata Roxb., ein großer Baum in Ostindien, mit spitz-ovalen, gezahnten und flaumigen Blättern und einfachen Achseltrauben, liefert ein aromatisches Harz, welches in Indien unsern Weihrauch ersetzt, aber nicht in den europäischen Handel gelangt.

Bosworth, Flecken in der engl. Grafschaft Leicester, auf einer Anhöhe, 18 km westlich von Leicester, mit 1000 Einw., berühmt durch das nahegelegene Schlachtfeld Redmore (Bosworth Field), eine weite Ebene, wo 22. Aug. 1485 König Richard III. gegen den Grafen von Richmond, nachmals König Heinrich VII., den ersten der Tudors, Thron und Leben verlor.

Bosworth, Joseph, engl. Philolog, geb. 1790 in Derbyshire, studierte zu Aberdeen und Cambridge Theologie, wurde 1814 zum Diakonus ordiniert und hatte dann mehrere Pfarren nacheinander inne. Später war er britischer Kaplan zu Amsterdam und Rotterdam, erhielt 1839 an der Universität zu Cambridge den Grad eines Doktors der Theologie und ward 1857 Mitglied des Christ Church College und Professor des Angelsächsischen in Oxford, wo er 27. Mai 1876 starb. Von seinen sprachwissenschaftlichen, hauptsächlich das Angelsächsische betreffenden Werken und sonstigen Schriften sind zu nennen: "Elements of Anglo-Saxon grammar" (Lond. 1823); "Compendious grammar of the primitive English" (1826); "Origin of the Dutch language" (1836); "Dictionary of the Anglo-Saxon language" (1838); "Essentials of Anglo-Saxon grammar" (1841); "Introduction to Latin construing" (6. Aufl. 1846); "Compendious Anglo-Saxon and English dictionary" (neueste Ausg. 1868); "Origin of the Scandinavian language" (1848); "King Alfred 's Anglo-Saxon version of the historian Orosius", mit englischer Übersetzung (1855); "Description of Europe and the voyage of Ohthere and Wulfstan", angelsächsisch mit englischer Übersetzung (1855); "The Gospels in Gothic of 360 and in Anglo-Saxon of 995" (mit Wiclefs und Tyndales englischer Übersetzung, 2. Aufl.