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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bott; Botta; Böttcher

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Bott - Böttcher.

Bott, Jean Joseph, Violinvirtuose und Komponist, geb. 9. März 1826 zu Kassel, als erster Stipendiat der Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M. im Violinspiel von Spohr, in der Komposition von Hauptmann ausgebildet, wurde 1849 Hofkonzertmeister der kurfürstlichen Kapelle zu Kassel, 1852 zweiter Kapellmeister daselbst und 1857 Hofkapellmeister zu Meiningen. Von dort ward er 1865 als Konzertmeister der Hofkapelle nach Hannover berufen und blieb in dieser Stellung bis 1873, wo er zum Kapellmeister ernannt wurde. 1877 pensioniert, zog er sich nach Magdeburg zurück, entsagte jedoch noch nicht der künstlerischen Thätigkeit, sondern übernahm die Leitung der dortigen Musikschule. Gegenwärtig lebt er in Wolfenbüttel. Als Geiger nimmt B. eine geachtete Stellung in der Kunstwelt ein. Seine Kompositionen bestehen in Konzert- und Salonstücken für Violine, Klavierkompositionen, Liedern und zwei mit Beifall aufgeführten Opern: "Die Unbekannte" und "Aktäa" (1862).

Botta (ital.), Hohlmaß, s. v. w. Bota.

Botta, 1) Carlo Giuseppe Guglielmo, ital. Dichter und Geschichtschreiber, geb. 6. Nov. 1766 zu San Giorgio del Canavese in Piemont, studierte zu Turin Naturwissenschaften, ward nach dem Ausbruch der französischen Revolution einer der eifrigsten Vertreter ihrer Ideen, ging 1794, mehrfach verfolgt, nach Frankreich, wurde Militärarzt und kehrte mit dem französischen Heer in sein Vaterland zurück. 1797 ward er Mitglied der von Bonaparte nach den Ionischen Inseln geschickten Expedition, dann neben Carlo Aurelio de Bossi und Carlo Giulio Mitglied der provisorischen Regierung von Piemont. Nach der Vereinigung Piemonts mit Frankreich 1803 lebte B. in Frankreich, ward Mitglied des Gesetzgebenden Körpers, opponierte gegen die Willkürlichkeiten Napoleons, stimmte auch 1814 für dessen Absetzung. Unter der Restauration wurde er Rektor der Akademie zu Nancy, dann zu Rouen, zog sich aber nach einiger Zeit ins Privatleben zurück und starb 10. Aug. 1837 in Paris. Die Rückkehr nach Piemont war ihm erst 1831 vom König Karl Albert gestattet worden, der ihm auch einen Jahresgehalt von 4000 Lire aussetzte. Nach mehreren kleinern durch ihren Stil ausgezeichneten, französisch geschriebenen Schriften (Beschreibung der Insel Korfu, 1799; Reise-Erinnerungen aus Dalmatien, 1802, u. a.) schrieb er die "Istoria della guerra dell' independenza degli stati uniti d'America" (Par. 1809), durch die er einen historischen Kunststil für die neueste Geschichte schuf. Sein größtes Werk ist die "Storia d'Italia dal 1789 al 1814" (Par. 1824, 10 Bde.; 2. Aufl., Turin 1869, 4 Bde.; deutsch von Förster, Quedlinb. 1827-31, 8 Bde.), für das er den fünffachen Preis der Akademie della Crusca von 1000 Scudi erhielt. In der "Histoire des peuples d'Italie" (Par. 1825, 3 Bde.) sprach er dem Christentum und der Philosophie das Verdienst ab, Europa zivilisiert zu haben, was er allein der Wiederherstellung der Wissenschaften beimaß. Die "Storia d'Italia dal 1490 al 1814" (Par. 1832, 20 Bde.) umfaßt Guicciardinis "Italien von 1490 bis 1534" (6 Bde.), Bottas Fortsetzung von 1535 bis 1789 (10 Bde.) und die oben genannte "Storia d'Italia". Wenig poetischen Wert hat Bottas Epos "Il Camillo, o Vejo conquistata" (Par. 1806). Vgl. Dionisotti, Vita di Carlo B. (Turin 1868); Pavesio, Carlo B. e le sue opere storiche (Flor. 1874).

2) Paul Emile, Archäolog und Reisender, Sohn des vorigen, geb. 6. Dez. 1802 zu Turin, studierte Medizin und Naturwissenschaften, machte noch jung eine Reise um die Welt mit und hielt sich längere Zeit auf der Nordwestküste Amerikas auf, wo er bedeutende naturhistorische Schätze sammelte. 1830 begab er sich nach Ägypten und trat als Arzt in die Dienste Mehemed Alis, der ihn der ägyptischen Expedition nach Senaar beigab. Von dort nach drei Jahren mit einer Sammlung von 10-12,000 Insekten und gegen 1000 Häuten von Vögeln und vierfüßigen Tieren nach Kairo zurückgekehrt, wurde er 1833 zum französischen Konsul in Alexandria ernannt und unternahm im Auftrag des Pariser Museums eine Reise nach Arabien, deren Resultate er in dem Werk "Relation d'un voyage dans l'Yémen" (Par. 1841) niederlegte. Bald darauf zum französischen Konsularagenten in Mosul ernannt, unternahm er hier 1843-46 in den Schutthaufen längs des Tigris Nachgrabungen, wodurch er die Ruinen von Ninive auffand - sein bleibendes Verdienst. Seine dabei angestellten Untersuchungen über assyrische Keilschrift erschienen unter dem Titel: "Mémoire de l'écriture cunéiforme assyrienne" (Par. 1848). Die französische Regierung nahm sich der Sache mit Wärme an; Eugène Flandin ward hingeschickt, um die aus leicht zerfallendem Alabaster bestehenden Skulpturen zu zeichnen, und eine aus Raoul Rochette, Letronne, Lenormant, Mohl, Burnouf, Layard, Guigniaut, Ingres und Lebas zusammengesetzte Kommission beauftragt, die Herausgabe eines archäologischen Prachtwerks vorzubereiten, das bald darauf unter Bottas spezieller Fürsorge unter dem Titel: "Monuments de Ninive, découverts et décrits par B., mesurés et dessinés par E. Flandin" (Par. 1847-50, 5 Bde.) erschien. Die beiden ersten Bände des Werks enthalten die Tafeln über Architektur und Skulptur, der dritte und vierte die Inschriften, der fünfte den Text. Die "Inscriptions découvertes à Khorsabad" (Par. 1848) sind ein billigerer Abdruck der 220 Inschriftentafeln des 1800 Frank kostenden größern Werks. Die geretteten Monumente wurden im Louvre aufgestellt. In der Fülle der Resultate wurde B. zwar später durch Layard überflügelt; doch bleibt ihm der Ruhm, die assyrische Archäologie begründet zu haben. B. ging 1846 als französischer Generalkonsul nach Jerusalem, 1857 in gleicher Stellung nach Tripolis, wo er bis 1868 blieb. Aus Gesundheitsrücksichten nach Frankreich zurückgekehrt, starb er 18. April 1870 in Achères bei Poissy.

Böttcher (Schäffler), Handwerker, welche Fässer und Bottiche anfertigen und entweder Groß (Schwarz-) Binder sind, in Weinländern Küfer genannt, welche nur große Fässer und Bottiche aus Eichenholz machen und sich zugleich auf die Behandlung des Weinkellers verstehen, oder Faßbinder (Weiß-, Rot-, Kleinbinder, Büttner, Fäßler, Küper, Kübler), welche in der Regel nur kleinere Fässer, Gelten, Eimer, Butten etc. verfertigen. Über Böttcherarbeit s. Faß.

Böttcher, Christian, Genremaler, geb. 9. Dez. 1818 zu Imgenbroich im preuß. Regierungsbezirk Aachen, erlernte in Stuttgart die Lithographie, lithographierte und illuminierte dann für die Verlagshandlung von G. Ebner, zeichnete Bildnisse und besuchte zugleich die Kunstschule. 1838 kam er nach Düsseldorf wo er noch eine Zeitlang als Lithograph thätig war. 1844 bezog er die Düsseldorfer Akademie, wo er sich bis 1849 unter Leitung Hildebrands und Schadows zu einem hervorragenden Genremaler ausbildete. B. strebt hauptsächlich danach, Wahrheit der Charakteristik mit Schönheit der Formen zu vereinigen, und daß ihm dieses in vorzüglicher Weise gelingt, beweisen namentlich seine zahlreichen Bilder