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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Botticelli; Bötticher; Bottichsteuer; Böttiger

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Botticelli - Böttiger.

lung seiner lyrischen "Gedichte" (Leipz. 1846, 7. Aufl. 1851; neue Sammlung 1854) schließen sich die "Johanneslieder" (das. 1847), die Lieder "Auf der Wartburg" (das. 1848) und die Sammlungen: "Heilige Tage" (Wien 1865) und "Neue Lieder und Dichtungen" (Troppau 1868) an. Außerdem sind noch folgende Dichtungen sehr verschiedener Art, aber von gleicher Formvollendung hervorzuheben: "Till Eulenspiegel" (Leipz. 1850); "Kameen" (das. 1856, 2. Aufl. 1861); "Buch der Sachsen" (das. 1858), ein Versuch, die Geschichte der alten sächsischen Kurlande und ihrer Bewohner poetisch zu verherrlichen; die "Historien der Liebe" (das. 1860) und "Goethes Jugendliebe" (das. 1861, 3. Aufl. 1870). Eine Gesamtausgabe seiner "Poetischen Werke" erschien in 6 Bänden (Leipz. 1864 bis 1866).

Botticelli (spr. -tschelli), Sandro, eigentlich Alessandro di Mariano Filipepi, ital. Maler, geb. 1446 zu Florenz, lernte zuerst bei einem Goldschmied B. (daher sein gewöhnlicher Name) und widmete sich dann der Malerei bei Filippo Lippi. Sein Stil bildete sich unter dem Einfluß der Pollajuoli und des Verrocchio aus. 1478 erhielt er den Auftrag, die Bildnisse der Teilnehmer an der Verschwörung der Pazzi an den Wänden des Palazzo Pubblico zu malen, und 1480 führte er einen heil. Augustin al fresco in den Ognissanti aus. Um dieselbe Zeit wurde er von Papst Sixtus IV. nach Rom berufen, wo er bis 1484 drei Fresken in der Sixtinischen Kapelle malte. Schon vor der Reise hatte er die Illustration einer Dante-Handschrift für Lorenzo von Medici, gen. Popolani, in Angriff genommen, in welche er sich derart vertiefte, daß er nach der Angabe Vasaris in Not geriet, wozu auch seine spätere Parteinahme für Savonarola und seine träumerische, zu mystischen Spekulationen geneigte Natur beitrugen. Ein Teil dieser Zeichnungen wurde frei benutzt zu den angeblich von Baccio Baldini herrührenden Stichen einer Florentiner Dante-Ausgabe von 1481. Der Originalkodex selbst mit 84 Federzeichnungen, welche die Phantasie und die Anmutsfülle Botticellis, seine Neigung für schwebende Figuren und fliegende Gewänder von der besten Seite zeigen, ist in das Berliner Kupferstichkabinett gekommen. Von seinen Altar- und Tafelbildern sind noch zu nennen: runde Madonnenbilder in den Uffizien und im Palazzo Pitti in Florenz, in Turin und im Berliner Museum, die Madonna zwischen den beiden Johannes ebenda, Madonna mit sechs Heiligen in der Akademie und die Anbetung der Könige in den Uffizien in Florenz, Pietà in München, die Stärke, die Venus Anadyomene und die Verleumdung des Apelles in den Uffizien in Florenz, die Venus und das Porträt Giulianos von Medici in Berlin. B. starb 17. Mai 1510 in Florenz. Tiefe der Empfindung und eine aus dem Herzen geschöpfte, echt religiöse Auffassung sind die Vorzüge seiner Andachtsbilder.

Bötticher, 1) Karl, Archäolog, geb. 29. Mai 1806 zu Nordhausen, widmete sich dem Baufach und bezog 1827 die Bauakademie zu Berlin, wo er 1831 von Beuth, in dessen Auftrag er eine Sammlung von Zeichnungen zu Kirchengewändern geliefert hatte, als Lehrer an der Dessinateurschule des Gewerbeinstituts angestellt wurde. Als solcher veröffentlichte er seine "Dessinateurschule" (Berl. 1839), neben welcher er noch die beiden Werke: "Die Holzarchitektur des Mittelalters" (das. 1835-41) und das "Ornamentenbuch" (das. 1834-44) herausgab. 1832 ward er zum Lehrer an der Akademie der Künste, 1834 an der allgemeinen Bauschule, 1844 zum Professor und 1849 zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt; 1854 wurde er Direktorialassistent der Skulpturengalerie des Berliner Museums, 1868 Direktor derselben und trat 1876 in den Ruhestand. Böttichers Hauptwerk und für die Kenntnis der griechischen Baukunst epochemachend ist die "Tektonik der Hellenen" (Potsd. 1844-52; 2. Aufl., Berl. 1869 ff.). Die Resultate einer Reise nach Griechenland 1862 legte er in seinem "Bericht über die Untersuchungen auf der Akropolis in Athen" (Berl. 1863) nieder. Von seinen spätern Schriften sind hervorzuheben: "Der Baumkultus der Hellenen" (Berl. 1857); "Der Zophoros am Parthenon, hinsichtlich der Streitfrage über seinen Inhalt und dessen Beziehung auf das Gebäude" (das. 1875) und "Die Thymele der Athena Nike auf der Akropolis von Athen" (das. 1880), das Ergebnis einer zweiten Reise nach Athen.

2) Karl Heinrich von, preuß. Staatsminister und Staatssekretär des deutschen Reichsamts des Innern, geb. 6. Jan. 1833 zu Stettin, trat, nachdem er die Rechte studiert hatte, in den Staatsverwaltungsdienst ein, ward 1862-65 nacheinander an den Regierungen in Gumbinnen, Danzig, Stralsund und Potsdam als Justitiarius angestellt, trat 1865 als Hilfsarbeiter in das Handelsministerium, 1869 in das Ministerium des Innern ein und ward 1872 zum Geheimen Regierungsrat und vortragenden Rat in demselben ernannt. 1873 ging er als Landdrost nach Hannover, und 1876 erfolgte seine Ernennung zum Regierungspräsidenten in Schleswig; 1879 wurde er Nachfolger Scheel-Plessens als Oberpräsident von Schleswig-Holstein. Nachdem er 1867-70 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses gewesen, ward er 1878 im zweiten schleswig-holsteinischen Wahlkreis zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Er schloß sich der deutschen Reichspartei an und nahm an den Verhandlungen über die Zollreform sowohl in der Kommission wie im Plenum als Vertreter gemäßigter Schutzzölle und der Agrarzölle hervorragenden Anteil; dies brachte ihn in nähere Beziehungen zum Reichskanzler, der im September 1880 seine Ernennung zum preußischen Staatsminister und Staatssekretär des Reichsamts des Innern (an Hofmanns Stelle) veranlaßte. B. vertrat die Reichsregierung im Reichstag mit Geschick und Mäßigung. Nach Zustandekommen des Unfallversicherungsgesetzes wurde B. zum Domherrn von Naumburg ernannt.

Bottichsteuer, s. Biersteuer.

Böttiger, 1) Karl August, Archäolog, geb. 8. Juni 1760 zu Reichenbach im sächsischen Vogtland, studierte, aus Schulpforta vorgebildet, zu Leipzig Philologie, ward 1784 Rektor in Guben, 1790 in Bautzen und 1791 Konsistorialrat und Direktor des Gymnasiums in Weimar. Im J. 1804 ward er als Studiendirektor der kurfürstlichen Pagen nach Dresden berufen, wo er 1814-21 als solcher bei der königlichen Ritterakademie wirkte und seit 1814 mit der Oberinspektion über die königlichen Museen der Antiken und der Mengsschen Gipsabgüsse betraut war. Er starb 17. Nov. 1835. Böttigers zahlreiche Schriften sind veraltet und nur noch des gesammelten Materials wegen brauchbar. Hervorzuheben sind: "Sabina, oder Morgenszenen im Putzzimmer einer reichen Römerin" (Leipz. 1803; 3. Ausg. von Fischer, M.-Gladb. 1878); "Die Aldobrandinische Hochzeit" (Leipz. 1810); "Vorlesungen und Aufsätze zur Altertumskunde" (Altenb. u. Leipz. 1817); "Amalthea, oder Museum der Kunstmythologie und bildenden Altertumskunde" (Leipz. 1820-25, 3 Bde.) und Fortsetzung davon unter dem Titel: "Archäologie der