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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bouillon; Bouillondraht; Bouillons; Bouillontafeln; Bouillotte; Bouilly; Bouin; Boukanieren; Boukett

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Bouillon - Boukett.

Wiener Kongreß dem Fürsten Rohan-Guemenée auf Grund alter Verwandtschaftsrechte als Standesherrschaft unter Oberhoheit des Königs der Niederlande als Großherzogs von Luxemburg zugesprochen, wurde es von demselben 1821 an die Niederlande käuflich abgetreten. Seit 1830 gehört es zu Belgien. - Die Stadt B. (deutsch Beulen) der Stammsitz der alten Herzöge von B. und frühere Hauptstadt des Herzogtums, an der Semoy, 15 km von Sedan, auf einem bewaldeten Hügel, mit 2765 Einw., welche Eisen, Nägel u. a. fabrizieren, und dem Stammschloß Gottfrieds von B. auf hohem Felsen.

Bouillon, 1) Führer des ersten Kreuzzugs, s. Gottfried von Bouillon.

2) Robert von der Mark, Marschall von, s. Mark.

Bouillondraht, s. Kantillen.

Bouillons, s. Abzeichen, militärische.

Bouillontafeln (Suppentafeln, Tafel- oder Taschenbouillon), Fabrikate verschiedener Art zur schnellen Bereitung von Bouillon. Man stellt sie aus einer Fleischsorte oder aus einer Mischung mehrerer Fleischsorten dar, indem man z. B. 6 kg mageres Rindfleisch, 3 kg Kalbfleisch, 3-4 alte Hühner, 4 Kalbsfüße, 1 Ochsenfuß und 1 kg magern rohen Schinken hackt und mit 17 Lit. Wasser 8-10 Stunden kocht, die Brühe durchseiht, absetzen läßt, nach Beseitigung des Fettes zur Sirupskonsistenz verdampft und in flache Gefäße dünn ausgießt. Die nach dem Erkalten gelatinierte Masse zerschneidet man in kleine Täfelchen, die man auf Papier oder auf einem Netz aus dünnen Fäden an einem kühlen Ort völlig trocknen läßt. Man erhält ungefähr 500 g B., von denen 8 g zu einem Teller Suppe genügen. Zur Bereitung derselben läßt man die B. im Wasser zergehen, setzt die üblichen Suppenkräuter hinzu und läßt einmal aufwallen. Auch Saucen kann man auf diese Weise aus B. darstellen. Die B. sind sehr in Mißkredit gekommen, weil sie häufig aus fast nichts als Leim bestanden, parfümiert mit dem Brataroma des Fleisches. Gute B. geben an Weingeist reichlich 80 Proz. lösliche Stoffe, schlechte B. kaum 5-6 Proz. ab. Durch das jetzt in hinreichender Menge aus mehreren Fabriken in den Handel kommende Fleischextrakt sind die B. so gut wie vollständig verdrängt worden; auch Fleischzwieback (s. d.) wird jetzt häufiger angewandt.

Bouillotte (spr. bujott), Hasardspiel, s. Brelan.

Bouilly (spr. buji), Jean Nicolas, franz. Schriftsteller, geb. 24. Jan. 1763 zu La Coudraye bei Tours, studierte die Rechte, widmete sich aber dann ganz den schönen Wissenschaften. Unter der Revolution bekleidete er verschiedene Ämter, in denen er sich um die Volksbildung wohlverdient machte, zog sich dann zurück und bewahrte seine Unabhängigkeit bis an seinen Tod 14. April 1842. B. zeigte sich in seinen Dramen und Jugendschriften als ein edler, reiner Charakter und von einer Sentimentalität, daß man ihn den "poète lacrymal" genannt hat; sein Stil ist oft weitschweifig, seine Bilder gesucht. Trotzdem haben seine Schriften viel Beifall gefunden und sind oft, namentlich ins Deutsche, übersetzt worden. Unter seinen dramatischen Werken verdienen Erwähnung: die komische Oper "Pierre le Grand" (1790), wozu Grétry die Musik lieferte, sein erster Versuch; "Le jeune Henri" (1791); "L'Abbé de l'Épée" (1795; deutsch von Kotzebue, Leipz. 1800); "Les deux journées" (1800; deutsch: "Der Wasserträger", von Cherubini komponiert); "Fanchon" (1803, komponiert von Himmel); "Une folie" (1803); "Madame de Sévigné" (1805; deutsch von Iffland, Berl. 1809) etc.; unter seinen Jugendschriften: "Contes à ma fille" (Par. 1809, 2 Bde.) und "Conseils à ma fille" (das. 1811, 2 Bde.; deutsch von Hain, 2. Aufl., Leipz. 1823), beide oft wieder aufgelegt; "Les jeunes femmes" (1819; deutsch, das. 1829, 2 Bde.); "Les mères de famille" (1823) u. a. Den Tugendpreis erhielt er für "Contes offerts aux enfants de France" (1823).

Bouin (spr. buang), französische, mit dem Festland durch einen Damm verbundene Insel an der Küste der Vendée, in der Bai von Bourgneuf, ursprünglich nur ein Kalkfelsen von 60 Hektar Fläche, jetzt durch Zurücktreten des Meers aus 3000 Hektar sehr produktiven Landes vergrößert, mit 2900 Einw., welche sich mit Seesalzgewinnung, Austernfang und Kabeljaufischerei beschäftigen. Vgl. Luneau und Gallet, Documents sur l'île de B. (Nantes 1874).

Boukanieren (franz.), Fleisch über gelindem Feuer langsam rösten und räuchern. Dieses Verfahren fanden die Europäer in Nord- und Südamerika, Kamtschatka, Afrika, im Indischen Archipel und auf den Polarinseln im Gebrauch, und es liefert ein Produkt, welches sich selbst in den Tropen sehr gut hält. Der Name kommt von boucan, mit welchem Wort brasilische Indianer den hölzernen Rost bezeichneten, auf welchen das Fleisch gelegt wird. Die französischen Jäger von Santo Domingo, die sich desselben Verfahrens bedienten, erhielten daher den Namen Boucaniers, der allmählich die Bedeutung eines unstet umherschweifenden Jägers und Räubers bekam und endlich spezielle Benennung der Seeräuber in den westindischen Gewässern wurde (s. Bukanier).

Boukett, künstlerisch geordneter Blumenstrauß von verschiedener Form und Größe je nach dem Zweck, welchem er dient. Zum Tragen in der Hand sind tellerförmige, leicht gewölbte Bouketts, zum Schmücken der Tafel kegelförmige, zum Aufstellen an der Wand halbkegelförmige mit platter Rückseite gebräuchlich. Die Bouketts zum Tragen erhalten eine Manschette aus gepreßtem und durchlochtem Papier, welches Spitzen imitiert, oft aber auch mit echten Spitzen und Atlas zusammengestellt ist. Am beliebtesten sind die Italiener Manschetten mit herabhängenden, bogig geschnittenen Spitzen. Beim Binden des Bouketts hielt man früher für notwendig, daß jeder Pflanzenzweig und jede Blüte mit ihrem Stiel bis in den Stiel des Bouketts reiche, um sie durch Einstellen in Wasser einige Zeit konservieren zu können. Gegenwärtig aber schneidet man die Blüten kurz ab, heftet sie an Bindedraht und gewinnt dadurch eine viel größere Freiheit in der Anordnung des Materials. Letztere ist wesentlich abhängig vom Geschmack des Binders, der auf Farbe, Form, Kontrastwirkung und darauf zu sehen hat, daß jede einzelne Blüte zur Geltung kommt und sich möglichst in natürlicher Haltung präsentiert. Dazu ist erforderlich, daß geeignetes Zwischenmaterial, zarte Farnblätter, grünes Moos etc., benutzt werde, welches die Farben voneinander trennt und die Form der Blüten hervorhebt. Häufig gibt man dem B. einen Rand aus weißen, roten, blauen Blüten; doch ist nicht ratsam, in der regelmäßigen Anordnung weiter zu gehen, und eine in strengen Linien sich bewegende Anordnung ist ebenso geschmacklos wie ein planloses Durcheinander. Sehr häufig werden auch Bouketts aus getrocknetem Material gebunden; man versteht zahlreiche Blumen unter guter Erhaltung von Farbe und Form zu trocknen, färbt und bleicht sie aber auch und gewinnt dadurch ein unerschöpfliches Material, welches einen bedeutenden Handelsartikel bildet. Grasbouketts bestehen aus ge-^[folgende Seite]