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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boukett; Boulainvilliers; Boulanger; Boulay de la Meurthe

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Boukett - Boulay de la Meurthe.

trockneten und vielfach auch gebleichten Gräsern, mit welchen gebleichte Palmwedel, Rohrkolben (Typha) und ähnliches Material kombiniert werden. Hierher gehören die Makartbouketts mit Pampasgras (Gynerium argenteum), zahlreichen andern Gräsern, Palmenwedeln und Rohrkolben, die Augustabouketts aus Nebelgras (Agrostis nebulosa) mit künstlichen Kornblumen, Feuermohn, Adonisröschen etc., die Viktoriabouketts, ausschließlich aus gebleichten Gräsern (besonders Agrostis nebulosa und A. pulchella) bestehend.

Die Sitte, natürliche Blumen zu Sträußen oder Bouketts in künstlerischem Arrangement zu vereinigen, ist neuern Ursprungs. Die alten Völker (Ägypter, Griechen, Römer) banden die Blumen nur lose zu Kränzen zusammen, welche bei Opfern, beim Totenkult, bei Trinkgelagen etc. Verwendung fanden. Die abgeschnittene natürliche Blume gewann erst seit dem allgemeinen Wiedererwachen des Naturgefühls im Beginn des 15. Jahrh. für den Schmuck des Zimmers an Bedeutung, indem man einzelne abgeschnittene Blumen in wertvollen, mit Wasser gefüllten Gefäßen aufbewahrte, was man besonders auf niederländischen und deutschen Gemälden dieser Epoche vorfindet. Mit der höhern Ausbildung der Gartenkunst entwickelte sich auch, besonders in den Niederlanden, die Zucht von einheimischen, meist aber fremden Zierblumen, welche so reichlich erzeugt wurden, daß große Sträuße abgeschnittener Blumen bald den charakteristischen Schmuck niederländischer Wohnräume bildeten. Aus dieser Sitte entwickelte sich seit dem Ende des 16. Jahrh. die Blumenmalerei (s. d.). Einzelne abgeschnittenen Blumen, wie Lilien, Rosen etc., wurden in Deutschland von Frauen und Jungfrauen, ursprünglich wohl in symbolischer Absicht, im 16. Jahrh. in der Hand getragen. Es dauerte sehr lange, ehe man zu größern Blumensträußen überging. Erst das Interesse an der Schäferpoesie hat zu Anfang des 18. Jahrh. in Frankreich auch die Freude an Kränzen und Bouketts aus natürlichen Blumen erweckt, welche an Stäben, Hüten und am Hals der Damen befestigt, seltener in der Hand getragen wurden. Das B. als Geschenk bei Hochzeiten, Geburtsfesten etc., als Schmuck der Tafel ist erst in unserm Jahrhundert zu allgemeiner, auch über den Süden Europas verbreiteter Geltung gekommen. Das Binden und Arrangieren von Bouketts ist allmählich zu einer Kunst geworden, welche vornehmlich in Paris, Berlin, Erfurt, Wien und in verschiedenen Städten Oberitaliens mit großer Virtuosität betrieben wird.

Boukett (Bouquet, franz.), das Aroma der verschiedenen Weine (s. Blume und Wein). S. auch Parfümerie.

Boulainvilliers (spr. bulängwilie), Henri, Graf de, franz. Geschichtschreiber, geb. 11. Okt. 1658 zu St.-Saire (Normandie), wollte sich zuerst dem Militärdienst widmen, fühlte aber infolge von Nachforschungen über den Stammbaum seiner hochadligen Familie eine mächtige Neigung zu geschichtlichen Studien in sich erwachen, deren Resultate er in zahllosen, großenteils Manuskript gebliebenen Werken niederlegte. Diese sind durchweg durchdrungen von der Schwärmerei für die Herrlichkeit des alten Feudalwesens, welches er für die höchste Hervorbringung des menschlichen Geistes und das freieste Regierungssystem hielt. Trotz dieser und andrer Paradoxien und Liebhabereien für Magie, Nekromantie, Astrologie finden sich in B.' Schriften unzweifelhaft eine Menge geistreicher Ideen und genialer Anschauungen. B. selbst hat nie etwas herausgegeben, sondern begnügte sich mit der schriftlichen Aufzeichnung; den Druck der erschienenen Werke verdankt man seinen Freunden. Er starb 23. Jan. 1722. Von seinen Schriften sind hauptsächlich zu nennen: "Histoire de l'ancien gouvernement de France" (Haag 1727, 3 Bde.); "Etat de la France" (1727); "Abrégé chronologique de l'histoire de France" (1733, 3 Bde.); "Histoire des Arabes" (Amsterd. 1731); "Vie de Mahomet" (Lond. 1730); "Histoire de la pairie de France et du parlement de Paris" (das. 1753, 2 Bde.).

Boulanger (spr. bulaugscheh), 1) Louis, franz. Maler, geb. 11. März 1807 zu Vercelli (Piemont) von französischen Eltern. Als Schüler Guillon-Lethières und Devérias gehörte er der romantischen Schule an. Mit Victor Hugo befreundet, schuf er eine Reihe von Illustrationen zu dessen Werken und entnahm auch die Motive zu mehreren Gemälden seinen und Chateaubriands Gedichten (Lucrezia Borgia und Velledas Träumereien), wie umgekehrt Victor Hugo ihm zahlreiche Gedichte widmete. Die bekanntesten seiner Werke sind außer den genannten: Mazeppa (1828), der Triumph des Petrarca (1836), Macbeth (1859), der Hexensabbat (1861). Er starb 7. März 1867 in Dijon, wo er Direktor der Akademie war.

2) Gustave Rodolphe, franz. Maler, geb. 25. April 1824 zu Paris, Schüler von P. Delaroche und Jollivet. 1856 von seinem Studienaufenthalt in Italien zurückgekehrt, wo er sich durch einen Cäsar am Rubico bekannt gemacht hatte, glänzte er im Salon 1857 mit Maestro Palestrina, später mit dem Araber (1861), den Kabylen (1863), den Reitern der Sahara (1864), besonders aber mit seinen dem klassischen Altertum entlehnten Werken, wie Lucretia, Lesbia, der pompejanischen Kränzehändlerin etc., welche auch die Veranlassung wurden, daß Prinz Napoleon ihm die Ausmalung des Atriums seines ehemaligen pompejanischen Hauses in Paris übertrug. Sein Kunstcharakter ist dem Gérômes verwandt, nur noch weichlicher und sinnlicher und namentlich im Gebiet des klassischen häuslichen Lebens anziehend, packender freilich in Darstellungen orientalischen Lebens.

Boulay de la Meurthe (spr. buläh d'lä mört), 1) Antoine Jacques Claude Joseph, Graf, franz. Staatsmann, geb. 19. Febr. 1761 zu Chaumouzey (Vogesen) als Sohn eines wohlhabenden Bauern, wurde 1783 Parlamentsadvokat zu Nancy, später zu Paris. Der Revolution schloß er sich entschieden an, machte als Freiwilliger den Feldzug von 1792 mit, ward dann in Nancy Richter, mußte aber als Gemäßigter fliehen. Nach dem 9. Thermidor kehrte er nach Nancy zurück, wurde Präsident am Ziviltribunal, dann öffentlicher Ankläger daselbst und 1797 Mitglied des Rats der Fünfhundert, wo er als Führer der sogen. konstitutionellen Mittelpartei, um eine bessere Verfassung an die Stelle der vom Jahr III zu setzen, den 18. Brumaire begünstigte; in diesem Sinn schrieb er 1799 seinen "Essai sur les causes qui en 1649 amenèrent en Angleterre l'établissement de la république". Unter Napoleon I. wurde er Präsident der legislativen Sektion im Staatsrat und war an der Redaktion des Code civil wesentlich beteiligt. 1810 ward er zum Mitglied des Geheimen Rats, 1813 des Regentschaftsrats und zum Grafen ernannt. Während der Hundert Tage 1815 trat er als Staatsminister wieder in den Staatsrat, verwaltete mit Cambacérès die Justiz und redigierte die Additionalakte. Nach der Schlacht bei Waterloo betrieb er als Abgeordneter der Meurthe im Gesetzgebenden Körper vergeblich die Anerkennung Napoleons II. Nach der