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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bourbon, Ile - Bourg.

nig Anhänger und besaß auch in der Ligue neben Mayenne wenig Macht, weswegen er seinen Neffen Heinrich IV. anerkannte. Er starb schon 9. Mai 1590 zu Fontenay in Poitou.

3) Ludwig Heinrich, Herzog von, und Ludwig Heinrich Joseph, Herzog von B. und Prinz von Condé, s. Condé.

4) Luis Maria von, Infant von Spanien, Kardinal und Erzbischof von Toledo, geb. 22. Mai 1777, Sohn des Infanten Luis, jüngsten Bruders des spanischen Königs Karl III., ward während der französischen Invasion Präsident der Regentschaft von Cadiz und sanktionierte 1812 die Dekrete der konstituierenden Versammlung der Cortes. 1814 empfing er den zurückkehrenden König zu Valencia, fiel bald in Ungnade und ward in seine Diözese verbannt und der Verwaltung und der Einkünfte des Bistums Toledo beraubt. Doch ernannte ihn der König nach der Revolution vom März 1820 zum Präsidenten der spanischen Regierungsjunta. Nach vollständiger Organisation der konstitutionellen Regierung kam er in den Staatsrat, starb aber schon 19. März 1823.

5) Adelaide Eugène von, s. Adelheid 2).

Bourbon, Ile, Insel, s. Réunion.

Bourbonischer Hausvertrag, ein zwischen den bourbonischen Häusern in Frankreich und Spanien durch die Minister Choiseul und Grimaldi zu Paris 15. Aug. 1761 abgeschlossener Familienpakt, kraft dessen beide Zweige des bourbonischen Hauses, mit Einschluß der spanischen Bourbonen in Parma und Neapel, einander ihre Besitzungen garantierten und sich im Fall eines Kriegs gegenseitig Hilfe versprachen.

Bourbonnais (spr. burbönäh), ehemalige Provinz des mittlern Frankreich, am linken Ufer der Loire, von den Landschaften Nivernais, Berry, Marche, Auvergne, Forez und Burgund begrenzt, mit dem Hauptort Moulins, jetzt hauptsächlich dem Departement Allier, der Rest den Departements Puy de Dôme, Creuse und Cher zugeteilt, umfaßte 8039 qkm (146 QM.) mit 285,000 Einw. Früher Besitztum eigner Dynasten, kam das Land später an die Krone und wurde 1327 zu gunsten der Nachkommen eines jüngern Sohns Ludwigs IX. von Frankreich zum Herzogtum erhoben. Von den beiden Söhnen des ersten Herzogs, Jakob und Peter, stammen beide Linien des Hauses Bourbon (s. d.) ab. Infolge der Felonie des Herzogs Karl von B. (s. Bourbon 1) wurde das Herzogtum unter König Franz I. (1523) durch Ausspruch des Parlaments eingezogen und mit der Krone vereinigt, 1651 aber der Nebenlinie Bourbon-Condé verliehen, welche es bis zur Revolution besaß. Vgl. Coiffier-Demoret, Histoire du B. et des Bourbons (Par. 1828, 2 Bde.).

Bourbonne les Bains (spr. burbonn läh bäng), Stadt und berühmter Badeort im franz. Departement Obermarne, Arrondissement Langres, am Südostabhang des Plateaus von Langres und an der Ostbahn, mit römischem Aquädukt, großem Militärhospital und (1876) 3705 Einw., welche Wollzeuge und feine Messer fabrizieren. Die Heilquellen (drei an der Zahl, mit einer Temperatur von 50-59° C.) gehören zu den einfachen Kochsalzthermen, wirken stark reizend und werden besonders gegen alte Schußwunden, Gicht und chronische Leiden der Verdauungswerkzeuge gebraucht. Vgl. Causard, B. et ses eaux minérales (3. Aufl. 1884).

Bourbonthee, s. Angraecum.

Bourboule (spr. burbuhl), Badeort im franz. Departement Puy de Dôme, Arrondissement Clermont, an der Dordogne, mit Mineralquellen von 31-54° C., welche gegen Skrofeln, Rheumatismus und Anämie mit Erfolg angewandt werden.

Bourbourg (spr. burbuhr), Stadt im franz. Departement Nord, Arrondissement Dünkirchen, am gleichnamigen nach Dünkirchen führenden Kanal und an der Nordbahn, mit (1876) 2448 Einw., Dampfmühlen, Bierbrauereien, Maschinenfabriken und berühmten Pferdemärkten.

Bourdaloue (spr. burdaluh), Louis, berühmter franz. Kanzelredner, geb. 20. Aug. 1632 zu Bourges, trat, 16 Jahre alt, in den Jesuitenorden, ward vom König, vor dem er seit 1670 öfters predigte, 1686 nach Languedoc gesandt, um durch seine Predigten die Protestanten dem katholischen Glauben wiederzugewinnen. Der Vorzug seiner Reden besteht in der Klarheit der Darstellung und der Kraft der dialektischen Beweisführung. In den letzten Jahren seines Lebens zog er sich von der Kanzel zurück und widmete seine Thätigkeit den Hospitälern, Gefängnissen und frommen Anstalten; er starb 13. Mai 1704 in Paris. Seine Werke wurden am besten herausgegeben von Bretonneau (Par. 1704-37, 16 Bde.); die neueste Ausgabe erschien zu Lille 1882 in 6 Bänden, eine deutsche Übersetzung in 14 Bänden (Regensb. 1847-69). Vgl. Feugère, B., sa prédication et son temps (2. Aufl., Par. 1875); Lauras, B., sa vie es ses oeuvres (das. 1881).

Bourdon, Pflanze, s. Raphia.

Bourdon (spr. burdóng), s. Bordun.

Bourdon (spr. burdóng), Sébastien, franz. Maler, geb. 1616 zu Montpellier, geriet, nachdem er lange unstet in den Provinzen umhergewandert war, unter die Soldaten und ging später nach Rom, wo Claude Lorrain ihm vorwärts half. Im J. 1643 kam er nach Paris zurück und malte die Kreuzigung des heil. Petrus für die Notre Dame-Kirche (jetzt im Louvre) und kurz nachher Simon den Zauberer. Fruchtbare Einbildungskraft und Leichtigkeit in der Darstellung verlockten ihn zur Schnellmalerei. Wegen der Bürgerkriege ging er nach Schweden, wurde 1652 Hofmaler der Königin Christine, nach deren Abdankung er nach Paris zurückkehrte, ward hier Mitbegründer und zuletzt Rektor der Akademie der Malerei und starb 1671. Seine Radierungen sind von den Sammlern gesucht und in guten Drucken selten und teuer.

Bourdonnet (franz., spr. burdöna; Wieke, Scharpiemeißel), s. Scharpiepfropfen.

Bourette (Seidenwerg), noch spinnbare Abgänge vom Kämmen der Florettseide. Die Verarbeitung der B. datiert aus den letzten 50 Jahren, wird vorzugsweise in der Schweiz betrieben und gleicht im wesentlichen der der Baumwolle. Die Garne werden auf Maschinen geputzt, um die noch reichlich vorhandenen Unreinigkeiten (20-35 Proz.) zu entfernen, gesengt und nachmals (mit der Hand) geputzt.

Bourg (spr. bür od. burk, "Flecken"), Name zahlreicher Ortschaften in Frankreich. Am bedeutendsten:

1) B. du Péage, Stadt im Departement Drôme, Arrondissement Valence, durch die Isère von Romans getrennt, mit (1876) 4151 Einw., Fabrikation von Hüten, Leder, Seilen, Teigwaren und Färberei. -

2) B. en Bresse (spr. burk-ang-bräß), Hauptstadt des Departements Ain, in der Landschaft Bresse, an der Reyssouze schön gelegen, Kreuzungspunkt von fünf Eisenbahnen, mit einer schönen Kirche, neuem Präfekturgebäude, einem Lyceum, Normalschule für Lehrer und Lehrerinnen, Taubstummeninstitut, einer Bibliothek (25,000 Bde.), einem Museum und Naturalienkabinett und (1881) 15,957 Einw., die besonders Fabrikation von künstlichen Mineralwässern, Töpferwaren und beträcht-^[folgende Seite]