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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boysalz; Boz; Boza; Bözberg; Bozdech; Bozeman; Bozen

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Boysalz - Bozen.

tenteils sein Werk, weshalb ihn der Kaiser bei dem Krönungsfest in Bologna 1530 eigenhändig zum Ritter schlug. Danach zeichnete er sich bei der Eroberung von Florenz 1530, gegen die Türken 1532 sowie in dem Treffen bei Laufen am Neckar gegen den Herzog Ulrich von Württemberg 1534 aus und erhielt bei dem Sturm auf St.-Pol in Nordfrankreich 1537 eine schwere Verwundung. Seit 1540 im Dienste der Herzöge von Bayern und zum Pfleger in Friedburg ernannt, kämpfte er wiederholt gegen Türken und Franzosen, eroberte 1544 Vitry und Meaux, nahm am Schmalkaldischen Krieg teil und that sich insbesondere in dem Feldzug Karls V. gegen Frankreich 1552 bis 1554 hervor. Die letzte Schlacht, welcher er beiwohnte, war die von St.-Quentin 1557. Er starb 29. Juni 1567 in Schelklingen; aus seiner Kriegsbeute hatte er sich einen bedeutenden Grundbesitz in Schwaben erworben. Seiner Verdienste wegen erhob Kaiser Maximilian II. noch 1571 seine Nachkommen in den Reichsfreiherrenstand. Vgl. Solger, Konrad von Bemelberg (Nördling. 1870).

2) Johann Christian von, namhafter Diplomat, geb. 12. April 1622 zu Eisenach, ward hessischer Gesandter am schwedischen Hof, später Geheimrat und 1650 erster Minister in kurmainzischem Dienst. 1656 trat er zur katholischen Kirche über. Er ward zu allen wichtigern Verhandlungen zugezogen, wie er namentlich auch bei der Wahl des Kaisers Leopold thätig war. Von den Jesuiten verdächtigt, wurde er 1664 auf Befehl des Kurfürsten verhaftet; bald wieder freigelassen, lebte er fortan ohne Amt teils zu Mainz, teils zu Frankfurt und beschäftigte sich mit Versuchen, die religiöse Einheit in Deutschland herzustellen, sowie mit den Wissenschaften. Er bewog Leibniz, nach Frankfurt überzusiedeln und 1670 in mainzische Dienste zu treten. Er starb 8. Dez. 1672 zu Mainz. Seine Korrespondenz mit vielen Gelehrten seiner Zeit ist mehrfach (zuletzt von Gruber, Hannov. u. Götting. 1715) herausgegeben worden.

3) Philipp Wilhelm von, Sohn des vorigen, geb. 21. Nov. 1656 zu Mainz, hatte Leibniz zum Lehrer und Führer auf seinen Reisen durch Frankreich, Italien, die Schweiz und Deutschland, widmete sich dem geistlichen Stand, betrat dann die diplomatische Laufbahn und gewann als mainzischer Gesandter in Wien Kaiser Leopolds Gunst, der ihn zum Reichshofrat und Kämmerer ernannte. Als ihn aber 1690 der Kurfürst von Mainz zum Reichsvizekanzler vorschlug, erhob sich gegen ihn eine engherzige Politik, worauf er freiwillig resignierte und als kaiserlicher Gesandter nach Frankfurt ging. Die Wahl zum Koadjutor des Kurfürsten von Mainz schlug er 1695 aus, nahm dagegen 1702 die Stelle eines Statthalters von Erfurt an, das er zur blühenden Stadt erhob. Er starb 23. Febr. 1717.

Boysalz, s. v. w. Baisalz.

Boz (spr. bos'), Pseudonym von Ch. Dickens (s. d.).

Boza (türk.), ein aus Hirse bereitetes, mit Honig gemischtes Getränk, das aus dem Nomadenleben der Osmanen stammt und heute in den Straßen türkischer Städte feilgeboten wird.

Bözberg, Jurapaß in Aargau, über welchen in 574 m Höhe eine Fahrstraße, seit 1875 auch eine Eisenbahn mit 2,5 km langem Tunnel (463 m ü. M.) von Basel nach Zürich führt.

Bozdech (spr. bosdjech), Emanuel, tschech. dramatischer Schriftsteller, geb. 21. Juli 1841 zu Prag, studierte hier die Rechte und war später einige Zeit Erzieher. Sein erstes Lustspiel: "Z doby Cotilonuv", wurde 1867 auf dem Prager Landestheater aufgeführt und günstig aufgenommen. Ein Jahr später trat er mit dem Trauerspiel "Baron Goertz" hervor, welches mit glänzendem Erfolg zur Aufführung gelangte. 1869 wurde B. zum Dramaturgen des böhmischen Theaters ernannt; seitdem erschienen seine Lustspiele: "Sveta pan v zupanu" ("Der Herr der Welt im Schlafrock", mit Erfolg im Dresdener Hoftheater und auf andern deutschen Bühnen aufgeführt), "Dobrodruzi" ("Die Abenteurer", aus den Zeiten Kaiser Rudolfs) und "Zkouska statnikova" ("Die Probe des Staatsmanns", nämlich des Fürsten Kaunitz). B. nimmt unter den tschechischen Dramatikern der neuesten Zeit, namentlich als Lustspieldichter, unbestritten die erste Stelle ein; seine Stücke zeichnen sich durch vollendete Technik, Witz und eleganten Stil aus. B. schrieb auch Novellen in deutscher Sprache. Vgl. E. Lipnicki, Przeglad polski (1882).

Bozeman (spr. bohs'män), Bergwerkstadt im nordamerikan. Territorium Montana, westlich von B. Paß, unter dem die Nord-Pacificbahn in 800 m langem Tunnel durchgeht, mit (1883) 3000 Einw.

Bozen (ital. Bolzano), Stadt in Tirol, liegt 262 m ü. M. in einer herrlichen, in südlicher Vegetationsfülle prangenden Thalebene (s. Kärtchen), rechts am Eisack, welcher hier den aus dem Sarnthal kommenden Talferbach aufnimmt und sich unterhalb der Stadt mit der Etsch vereinigt; Station der von Innsbruck nach Verona führenden Eisenbahn, von welcher hier die Bahn nach Meran ausgeht. Die Straßen der eigentlichen Stadt sind eng, ungerade und zum Teil abschüssig, die alten Häuser nach italienischer Art gebaut, von beträchtlicher Höhe, mit vorspringenden Dächern, sogen. Dachhauben, versehen und stechen seltsam von den eleganten Neubauten außerhalb der alten Stadt ab. Schöne Plätze sind der Musterplatz, der Obstplatz und der Johannplatz. Auf letzterm steht die gotische Hauptkirche (aus dem 13. Jahrh.), dreischiffig, mit schöner Kanzel und durchbrochenem, 1519 von J. ^[Johannes] Lutz erbautem Turm; hinter der Kirche befindet sich der Friedhof mit schönen Grabdenkmälern. B. hat auch ein Kollegiatstift, ein Kapuziner- und ein Franziskanerkloster. Sonstige imposante Gebäude sind: das Merkantilgebäude, der Palast des Erzherzogs Heinrich (welcher außerhalb der Stadt auch herrliche Ziergärten besitzt), das Deutschordenshaus. Gegen die häufigen Überschwemmungen des Talfer ist die Stadt durch einen großen Damm geschützt, welcher zugleich als Promenade dient. B. zählt (1880) 10,641 kath. Einwohner, welche regen Obst- und Weinbau, Handel mit diesen Produkten (der Export an Obst, worunter die berühmten Bozener Rosmarinäpfel, erreicht einen Jahreswert von 400,000, der Weinexport einen solchen von 2 Mill. Fl.) sowie mit Getreide, Holz, Häuten und Fellen, dann Fabrikation von konservierten Früchten und Gemüsen, Essig, Zigarrenstroh, Baumwollspinnerei und -Weberei betreiben. B. hat ein Obergymnasium, eine Unterrealschule, Lehrerbildungsanstalt, ein Privatgymnasium der Franziskaner, einen Wein- und Obstgärtnerkurs, eine Gewerbe- und Handelsschule, eine Sparkasse (3,9 Mill. Fl. Einlagen) und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts und einer Handels- und Gewerbekammer. Die Vororte von B. (darunter der Winterkurort Gries, s. d.) ziehen sich noch weit den Eisack und Talfer sowie die nördlichen Gebirgshalden hinauf fort, so daß die letzten Sommerfrischhäuser von Oberbozen 850 m über der Stadt liegen. Das ganze Bergland ringsum ist mit Weinreben, Kastanienwäldern, Schlössern und Burgen (darunter