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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bra; Brabanconne; Brabancons; Brabant

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Bra - Brabant.

Bra, Théophile, franz. Bildhauer, geb. 1797 zu Douai, Schüler von Story und Bridan, lebte in der ersten Hälfte seines Lebens meist zu Paris und ward später Direktor der Kunstschule seiner Vaterstadt. Von statuarischen Arbeiten sind zu nennen: St. Petrus und Paulus in der Kirche St.-Louis, die Statue des Herzogs von Berri zu Lille und die (in der Julirevolution verstümmelte) Statue des Herzogs von Angoulême; von seinen Reliefs zwei Allegorien auf die französische Infanterie und Artillerie am Arc de l'Etoile in Paris und das Giebelrelief des Hospitals zu Douai. Seine Werke sind durch eine gewisse Frische wie durch solide Ausführung gleich ausgezeichnet. Er starb 1863.

Brabanconne (franz., spr. -bangssonn), das belg. Revolutions- und Freiheitslied von 1830, von Jenneval, einem Schauspieler am Theater zu Brüssel, der bei Berchem gegen die Holländer fiel, verfaßt, von Campenhout komponiert.

Brabancons (franz., spr. -bangssóng), eigentlich Brabanter, Söldnertruppen des 12. Jahrh., meist unruhige und verarmte Ritter aus Brabant, zu welchen sich dann Krieger niedern Standes und allerlei Vagabunden gesellten. Ihr berühmtester Führer war Wilhelm von Ypern. Sie dienten den Königen Stephan und Heinrich II. von England u. a. und waren wegen ihrer Zügellosigkeit und ihrer Räubereien allgemein gefürchtet.

Brabant, Landschaft in der Mitte des holländisch-belg. Tieflandes, war ehemals ein deutsches Herzogtum, bildete dann seit 1815 die erste Provinz des Königreichs der Niederlande und wurde bei Errichtung des Königreichs Belgien in zwei Teile getrennt. Die holländische Provinz Nordbrabant (s. Karte "Niederlande"), zwischen Limburg, Geldern, Holland, Zeeland und Belgien gelegen, enthält 5127,73 qkm (93,19 QM.). Das Land ist im W. und NW. eben, niedrig, abwechselnd mit fruchtbaren Gegenden, Heiden und Sumpf, wie z. B. der Peel im östlichen Teil, der 36 km lang und 4-10 km breit ist. Die Maas bildet hier den Biesbosch, die Hollandsdiep und Volkerak; im Innern fließen: Aa, Dommel (nach beider Vereinigung Diese genannt), Mark, in ihrem Unterlauf Dintel; unter den vielen Kanälen verdienen der Kanal von Breda und der Süd-Wilhelmskanal Erwähnung. Das Klima ist gemäßigt, zwar feucht, doch gesund. Die Einwohner (1883: 480,996 Seelen), meist katholisch, zeichnen sich aus durch Mäßigkeit, Anhänglichkeit an alte Sitten und Gebräuche, Einfachheit in Tracht und Lebensart, sind aber in geistiger Bildung zurückgeblieben. In den kulturfähigen Landstrichen baut man Weizen, Roggen, Gerste, Buchweizen, Flachs, Hanf, Hopfen etc. Ausgedehnt ist die Zucht von Schafen, Schweinen und Gänsen, nicht minder die von Bienen und Seidenwürmern, für deren Erhaltung große Anpflanzungen von Maulbeerbäumen bestehen. Trotz zahlreicher Laubwälder herrscht Holzmangel, wobei jedoch die reichen Torflager zu statten kommen. Die Industrie steht in hoher Blüte; es gibt Fabriken für Tuch (Tilburg), Leinwand (Eindhoven und die Umgegend von Herzogenbusch), baumwollene Zeuge, Hüte, Leder, Kattundruckereien, Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Töpfereien etc. Die Provinz ist eingeteilt in 3 Bezirke und 21 Kantone, die Hauptstadt ist Herzogenbusch (Bois le Duc, 's Hertogenbosch). Die belgische Provinz B. (s. Karte "Belgien") grenzt im W. an Ostflandern, im S. an Hennegau und Namur, im O. an Lüttich und Limburg, im N. an Antwerpen und enthält 3283 qkm (59,6 QM.). Nur im S. und O. sind unbedeutende Hügel; sonst ist das Land eben, äußerst fruchtbar und sehr dicht bevölkert. Es wird durch zahlreiche kleine Flüsse bewässert, von denen nur Dyle und Senne kahnbar sind, und durch drei Hauptkanäle. Das Klima ist gemäßigt und gesund. Die Bevölkerung zählte 1884: 1,031,319 Seelen. Die Dichtigkeit betrug 314 Einw. auf 1 qkm, die jährliche Zunahme seit 1832: 1,6 Proz., seit 1872: 1,3 Proz. im Durchschnitt. Die Einwohner, meist katholisch, sprechen im nördlichen Teil vlämisch, im südlichen wallonisch. Sie sind sehr betriebsam; neben dem sorgfältig gepflegten Landbau und der Viehzucht blühen Fabriken für Spitzen, Leinwand, baumwollene Zeuge, Leder, Hüte, Tuch, Tapeten, Tabak, Stärke, Papier, Fayence, Seife, metallurgische und chemische Fabriken, Brauereien, Brennereien etc. Die Provinz ist mit einem dichten Netz von Eisenbahnen bedeckt, dessen Zentren Brüssel und Löwen sind. Eingeteilt ist sie in drei Arrondissements: Brüssel, Löwen, Nivelles. Der von Charleroi über Brüssel zur Rupel führende Kanal durchzieht B. in der Richtung von S. nach N. Hauptstadt ist Brüssel.

Geschichte. B. war zur Zeit der Römer von Menapiern bewohnt, nach deren Unterwerfung durch die Römer es zur Provinz Gallia Belgica gehörte. Im 5. Jahrh. bemächtigten sich die Franken Brabants; 870 kam es als Teil Lothringens zu Deutschland und bildete seit 959 einen Gau des Herzogtums Niederlothringen, der von den Grafen von Löwen beherrscht wurde. Graf Gottfried V. erhielt 1106 das Herzogtum Niederlothringen; sein Urenkel Heinrich I. nahm 1190 den Titel eines Herzogs von B. an. Die Herzöge gelangten bald zu Macht und Selbständigkeit, wurden aber mit den Nachbarn in vielfache Fehden verwickelt und schwankten zwischen der Hinneigung zu Deutschland und Frankreich. Von ihnen sind besonders merkwürdig: Johann I., der durch den Sieg bei Worringen (1288) Limburg mit B. vereinigte und auch als Minnesänger bekannt ist; sein Sohn Johann II., welcher 1312 den Grund zu einer ständischen Verfassung legte, die später in der Joyeuse entrée geregelt wurde, und Johann III., welcher die Bestimmungen erweiterte durch die sogen. Brabanter Goldene Bulle 1349, wonach die Brabanter nur von einheimischen Gerichten nach Brabanter Recht gerichtet werden durften, was Kaiser Karl IV. bestätigte. Nach Johanns III. Tod 1355 vereinigte der Gemahl seiner Tochter Johanna, Wenzel von Luxemburg, Bruder Kaiser Karls IV., B. mit seinem Erbland; unter ihm aber kam das Land in große Verwirrung. Nach Wenzels Tod 1383 setzte seine Witwe Johanna ihre Nichte Margarete von Flandern und deren Gemahl, Herzog Philipp den Kühnen von Burgund, als Erben ein; die Regierung übernahm zunächst Philipps zweiter Sohn, Anton, 1404, welcher auch Luxemburg mit B. vereinigte. Anton fiel 1415 bei Azincourt, seine zwei Söhne und Nachfolger starben kinderlos, und so fielen B., Limburg und Luxemburg 1430 völlig an Philipp den Guten von Burgund, dann durch die Vermählung Marias von Burgund mit dem Erzherzog Maximilian 1477 mit den übrigen niederländischen Provinzen an das Haus Österreich. B. war das Hauptland des niederländischen Staats, Brüssel dessen Hauptstadt.

Durch den Aufstand der Niederlande ward der nördliche Teil (Herzogenbusch) losgerissen und 1648 unter dem Namen der Generalitätslande der niederländischen Union einverleibt, während Südbrabant bis 1714 der spanisch-österreichischen Linie verblieb. Nach dem österreichischen Erbfolgekrieg fiel B. mit den übrigen südlichen Provinzen der Niederlande an das