Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

296

Brabanter Goldene Bulle - Brache.

deutsch-österreichische Kaiserhaus zurück. Als unter Joseph II. sich ein heftiger Streit über die provinziellen Rechte Brabants, welche es in der Joyeuse entrée besaß, entspann, sagten sich die Stände Brabants 1790 von dem Haus Österreich los, fügten sich aber wieder, als Leopold II. ihnen die verlangten Rechte zurückgab. 1794 ward B. von den Franzosen erobert und im Frieden zu Campo Formio 1797 mit Frankreich vereinigt. Das nördliche B. wurde das Departement der beiden Nethes, mit der Hauptstadt Antwerpen, das südliche das Departement Dyle, mit der Hauptstadt Brüssel, genannt. Als Napoleon I. 1810 auch das holländische B. mit dem französischen Reich vereinigte, ward aus demselben nebst einem Teil von Geldern das Departement Rheinmündungen gebildet. Infolge des Pariser Friedens von 1814 und der Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde B. ein Hauptteil des Königreichs der Niederlande und bildete die drei Provinzen Nordbrabant, Antwerpen und Südbrabant. Letztere mit der Hauptstadt Brabants, Brüssel, ward 1830 der Herd des belgischen Aufstandes und die Hauptprovinz des neuen Königreichs Belgien, während Nordbrabant Holland verblieb.

Brabanter Goldene Bulle, s. Brabant.

Brabanter Myrte, s. Myrica.

Brabanter Thaler, s. v. w. Albertusthaler (s. d.); vgl. Kronenthaler.

Brabeuten (griech.), im Altertum die Anordner der Kampfspiele und Verteiler der Siegespreise. Dann überhaupt s. v. w. Kampf- oder Preisrichter, daher ehedem auf Universitäten auch Name der Vorsitzenden bei Disputationen.

Braca (portug., span. braza, "Arm"), Längenmaß, in Lissabon 2,2 m, in Spanien 1,672 m, in Valencia 2,138 m.

Bracara, Stadt, s. Braga.

Bracciano (spr. bratschano), Stadt in der ital. Provinz Rom, an der Via Claudia am Westufer des gleichnamigen Sees gelegen, mit Eisenwerk, gewaltigem, aus einem Felsen thronendem Baronialpalast, einem riesigen Fünfeck, 1480 von Napoleone Orsini erbaut, jetzt im Besitz der Odescalchi, die von B. den Herzogstitel führen, und (1881) 2178 Einw. Der kreisrunde See von B. (Lacus Sabatinus), mit einem Umfang von 27 km und einer Tiefe bis 250 m, ist der eingestürzte Krater eines ausgebrannten Vulkans. Seine Wasserfläche liegt aber nur 151 m ü. M. Er ist sehr fischreich, hat einen Abfluß durch den Arrone und speist die von Papst Paul V. nach Rom geführte Wasserleitung (Acqua Paola). Am Ufer des Sees liegen außer B. die Orte Anguillara, Trevignano und der Badeort Vicarello (s. d.).

Braccio (ital., spr. brattscho, "Arm"), Ellenmaß in Italien, der italienischen Schweiz und auf den Ionischen Inseln; neuerlich durch das Meter verdrängt.

Bracciolini (spr. brattscho-), Francesco, ital. Dichter, geb. 26. Nov. 1566 zu Pistoja, trat, schon 40 Jahre alt, in den geistlichen Stand, wurde Sekretär des Kardinals Maffeo Barberini, nachmaligen Papstes Urban VIII., den er auf seiner Gesandtschaftsreise nach Paris begleitete, lebte dann in seiner Vaterstadt unabhängig seiner Muse. Nachdem Urban 1623 den päpstlichen Stuhl bestiegen, rief er B. zu sich nach Rom und verlieh ihm den Beinamen dalle api ("von den Bienen") sowie das Recht, die drei Bienen des Hauses Barberini im Wappen zu führen. Nach Urbans Tod zog sich B. wieder nach Pistoja zurück, wo er 31. Aug. 1646 starb. Von seinen Gedichten, welche teils ernster, teils komischer Gattung sind, ist das komische Epos "Lo scherno degli Dei" (zuerst Flor. 1618; am besten Mail. 1828, 2 Bde.), eine Verspottung der antiken Götterwelt, am berühmtesten geworden. Großes Glück machte seiner Zeit auch sein ernstes Heldengedicht: "La croce racquistata", in 35 Gesängen (zuerst Flor. 1618 u. öfter), dem früher von manchen Kritikern sogar ein Platz unmittelbar hinter Tassos "Gerusalemme" angewiesen wurde. Außerdem hat man von B. noch einige vortreffliche Eklogen und eine Anzahl vermischte "Poesi giocose" (am vollständigsten Flor. 1826, 2 Bde.).

Brace (engl., spr. brehs), Hosenträger.

Brace (spr. brehs), Charles Loving, amerikan. Philanthrop und Schriftsteller, geb. 1826 zu Litchfield in Connecticut, studierte Theologie zu New York, widmete aber in der Folge ohne Anstellung alle seine Zeit der materiellen, intellektuellen und moralischen Hebung der Armen und Elenden in den Armenhäusern, Hospitälern und Gefängnissen. Nachdem er 1850 bis 1851 Europa bereist hatte, gründete er 1853 die Children's Aid Society für Aufnahme obdachloser und vagabundierender Kinder in Schulen, Familien etc., als deren Sekretär B. noch gegenwärtig wirkt. Diese Gesellschaft, deren Jahreseinnahme jetzt ca. 225,000 Doll. beträgt, hat bis 1883: 60,000 Kinder im Land untergebracht. Während seiner Mußezeit hat er noch zahlreiche Reisen unternommen. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Hungary in 1851" (1852); "Home life in Germany" (1853); "The Norse-folk, or a visit to the homes of Norway and Sweden" (1857); "The races of the old world. a manual of ethnology" (2. Aufl. 1869); "Short sermons to newsboys" (1865); "The new West, or California in 1867-68" (1869); "The dangerous classes of New York" (1872); "Gesta Christi, or a history of human progress" (1882).

Bracelet (franz., spr. brassla), Armband.

Brachdistel, s. Eryngium.

Brache (Dreesch), das zeitweise Ruhenlassen des Ackerlandes zum Zweck tüchtiger Bearbeitung mit darauf folgender Durchdüngung. Früher glaubte man durch die B. den Boden im eigentlichsten Sinn bereichern zu können; die Wirkung derselben besteht aber nur darin, daß vermöge der bessern Bearbeitung der Mineralbestand des Bodens erschlossen, also der Vorrat an assimilationsfähiger Nahrung auf Kosten der Nachhaltigkeit vermehrt wird. Die grüne B., bei welcher man den Boden dicht mit Unkräutern sich überziehen läßt, bewirkt insofern eine Bereicherung der Krume, als die Pflanzen aus Untergrund, Wasser und Luft Nährstoffe sammeln, welche bei der Verwesung nach dem Unterackern in der Krume verteilt bleiben. Die B. gewährt außerdem den Vorteil einer gründlichern Reinigung, Pulverung und Lockerung des Bodens etc. und, da poröser Boden mehr Nährstoffe aus der Lust anzuziehen vermag als der fest daliegende, insofern auch eine direkte Bereicherung, aber nur mit solchen Nährstoffen, welche der Luft entstammen. Die Hauptsache bleibt die mechanische Verbesserung, die Vermehrung der assimilationsfähigen Nahrung und die Reinigung des Bodens. Dünger wird nicht entbehrlich, vielmehr gerade zur B. in starker Quantität gegeben. Diesen Vorteilen steht der Verlust des Ertrags während der Brachzeit gegenüber, so daß man gegenwärtig die B. soweit wie möglich beschränkt und sie nur noch auf ganz schweren, verunkrauteten, noch nicht drainierten und vertieften Grundstücken oder nur zu bestimmten Pflanzen, besonders den Ölfrüchten, gibt. Den besten Erfolg sichert die schwarze B., bei welcher man das keimende Un-^[folgende Seite]