Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bragadino; Braganza; Bragg; Bragget

304

Bragadino - Bragget.

zipien. Diese litterarhistorischen Studien führten ihn zu einer Reihe kritischer Ausgaben hervorragender portugiesischer Autoren, so des Christovam Falcao, des Camoens (3 Bde.), des João Vaz, des Bocage (7 Bde.), sowie zur Veröffentlichung des portugiesischen "Cancioneiro" der Vaticana (1867-69, 5 Bde.). Auch auf pädagogischem Gebiet begegnen wir B. Portugal verdankt ihm eine kleine portugiesische Grammatik, ein Handbuch der portugiesischen Litteraturgeschichte, zwei sehr hübsche Anthologien: "Antologia portugueza" und "Parnaso portuguez moderno" (1877), u. a. Seine "Historia da poesia popular portugueza", der "Cancioneiro popular", der "Romanceiro geral", die "Cantos populares do Archipelago açoriano", die "Floresta de romances", die "Estudos da edade media" sind geschätzte Sammlungen und Abhandlungen. B. veröffentlichte außerdem juristische und rechtsgeschichtliche Abhandlungen, z. B. eine "Historia do direito portuguez" (1868), "Caracteristicas dos actos commerciães", "Espirito do direito civil moderno" (1871) u. a. Auch an zahlreichen journalistischen Unternehmungen in Portugal wie im Ausland (auch Deutschland) nimmt B. wirksamen Anteil. In letzterer Zeit hat er mit seiner "Historia universal" heftigen Widerspruch und die scharfe Kritik da Cunha Seixas' in einer Reihe von Artikeln des "Commercio de Lisboa" erfahren. Überhaupt hat B. wegen seiner extrem demokratischen und positivistischen Anschauungen in dem monarchisch-aristokratischen Portugal einen schweren Stand, und seine Teilnahme an der neugegründeten Zeitschrift "O Positivismo" hat ihm viele neue Gegner geschaffen. Zum 300jährigen Todestag Camoens' (1880) veröffentlichte er eine sehr verdienstliche Sammlung aller über Camoens erschienenen Arbeiten: "Bibliographia Camoniana". Ferner erschienen von ihm: "Historia do romantismo em Portugal" (1880), eine Darlegung der leitenden Ideen des Romantismus unter Garret, Herculano und Castilho, und "Theoria da historia da litteratura portugueza" (1881). Seit 1880 gibt er mit Coelho die "Revista das tradicões portuguesas" heraus.

Bragadino, Marco Antonio, venezian. Held, geb. 1525, Nobile und Senator, war 1570 Gouverneur der festen Seestadt Famagusta auf Cypern, die er aus Mangel an Lebensmitteln nach heldenmütiger Gegenwehr gegen freien Abzug der türkischen Übermacht unter Mustafa übergab. Gegen die Kapitulation wurde B. entsetzlich verstümmelt und 18. Aug. 1571 auf dem Markt von Famagusta lebendig geschunden; seine Haut ließ Mustafa ausstopfen und in das Zeughaus von Konstantinopel bringen, von wo sie durch Bragadinos Söhne zurückgekauft wurde.

Braganza (Braganca), Hauptstadt der portug. Provinz Traz os Montes, auf einer baumarmen, an Wiesen und Feldern reichen Hochebene (812 m ü. M.), 15 km von der spanischen Grenze, besteht aus einer obern, ummauerten Villa mit dem stark befestigten Kastell, der Stammburg der regierenden Dynastie, und der tiefern Cidade. Sie hat (1878) 5495 Einw., welche Seidenbau, Seidenzwirnerei und Seidenweberei treiben, und ist Sitz des Bischofs von B. und Miranda. B. ward 1442 zu einem Herzogtum erhoben, zu dem 50 Villas gehören.

Braganza, Stammname der in Portugal und Brasilien regierenden Dynastie, genannt nach der Stadt B. Ihr Stammvater ist Alfons von Portugal, Herzog von B. (gest. 1461), natürlicher Sohn Johanns I. von Portugal und seiner Geliebten Agnes Perez. So der herrschenden Dynastie verwandt, obwohl von dieser mit Mißtrauen behandelt, stieg das Haus, zumal es im Besitz großer Reichtümer war, zu großem Ansehen, so daß der dritte Herzog, Fernando II., sich 1483 an der Spitze des Adels gegen König Johann II. aufzulehnen wagte, sein Unternehmen aber mit dem Tod büßte. Dennoch blieb das Haus mächtig und angesehen, so daß 1580 beim Aussterben der Königsfamilie Herzog Johann von B. Anspruch auf den portugiesischen Thron erhob, welcher indes durch Philipp II. von Spanien in Besitz genommen wurde. Erst nach der Losreißung Portugals 1640 bestieg das Haus B. mit Johann IV. den Thron von Portugal, welcher aber unter der neuen Dynastie mehr und mehr zur Schwäche und Bedeutungslosigkeit herabsank. Napoleon I. erklärte 15. Nov. 1807 das Haus B. des Throns verlustig, weshalb König Johann VI. nach Brasilien flüchtete; doch wurde nach dem Sturz Napoleons 1814 der Thron der B. in Portugal hergestellt. Als König Johann VI. 1821 nach Portugal zurückkehrte, ließ er in Brasilien seinen ältesten Sohn, Dom Pedro, zurück, der 12. Okt. 1822 zum selbständigen Kaiser von Brasilien ausgerufen wurde. So spaltete sich das Haus B. in zwei Linien, die portugiesische und die brasilische. Nach dem Tod Johanns VI. 1826 verzichtete Dom Pedro 2. Mai auf den portugiesischen Thron zu gunsten seiner Tochter Maria da Gloria. Dieselbe bestieg nach dem Sturz des Infanten Dom Miguel, zweiten Sohns von Johann VI., der 29. Mai 1834 auf seine Thronansprüche verzichtete, den Thron von Portugal 23. Sept. 1833 und vermählte sich 26. Jan. 1835 mit dem Herzog August von Leuchtenberg und nach dessen schon 28. März d. J. erfolgtem Tod mit dem Prinzen Ferdinand von Sachsen-Koburg. Mit ihrem Tod (15. Nov. 1853) erlosch das Haus B. in Portugal, und es folgte mit Pedro V. das Haus Koburg. Doch hinterließ Dom Miguel (s. d.) einen Sohn, Prinz Miguel (geb. 19. Sept. 1853), welcher Haupt einer Seitenlinie des Hauses B. ist und zu Heubach in Bayern residiert. In Brasilien folgte auf Dom Pedro, der 7. April 1831 abdizierte und 24. Sept. 1834 starb, sein Sohn Dom Pedro II. (geb. 2. Dez. 1825), dem, da er keine männlichen Erben hinterläßt, seine mit dem Grafen von Eu, Prinzen von Orléans, vermählte Tochter Isabella und später also das Haus Orléans folgen wird.

Bragg, Braxton, General der Südstaaten in Nordamerika, geb. 1815 in der Grafschaft Warren (Nordcarolina), ward aus der Akademie zu West Point erzogen, trat 1857 als Leutnant der Artillerie in die Unionsarmee und zeichnete sich im Kriege gegen Mexiko bei der Verteidigung des Forts Brown, bei Monterey und Buena Vista so aus, daß er zum Oberstleutnant befördert wurde. 1856 zog er sich auf seine Plantage Thibodeaux in Louisiana zurück. Nach Beginn des Bürgerkriegs trat er als Generalmajor in die Armee der Südstaaten und erhielt ein Armeekorps am Mississippi. Da er sich in der Schlacht bei Shiloh auszeichnete (April 1862), ward er an Beauregards Stelle zum Oberbefehlshaber der Südarmee ernannt, aber nach seinem Einfall in Kentucky bei Perrysville (9. Okt.) geschlagen und behielt bloß den Befehl in Tennessee. Hier unterlag er Rosecrans 30. Dez. bei Murfreesborough, siegte zwar im September 1863 bei Chickamanga ^[richtig: Chickamauga], wurde aber von Grant 23.-25. Nov. bei Chattanooga besiegt und zum Rückzug nach Georgia genötigt. Er ward darauf zum Befehlshaber von Nordcarolina ernannt. B. starb 27. Sept. 1876.

Bragget (engl.), in Lancashire aus Malz, Wasser, Honig und Gewürz bereitetes metartiges Getränk.