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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brahmaputra; Brahmo Samadsch; Brahms

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Brahmaputra - Brahms.

gewordenen Brahma zu der theoretischen Einheit der Trimûrti (s. d.). In den Purânas wurde eine neue religiöse Litteratur geschaffen. Trotzdem kann dieser neuere B. nur als eine Epigonenzeit betrachtet werden, dem neue, schöpferische Gedanken fehlen, während das Volk immer mehr in groben Götzendienst versinkt. Die beiden Hauptkonfessionen der Wischnuiten und Siwaiten sind durch einflußreiche Lehrer und philosophische Richtungen in mehrere Schattierungen zerfallen; daneben sind Sekten aufgetreten, wie die Sâktas, die Ganupatjas, die mehr oder weniger von der bestehenden Form des B. abweichen. Der B. der Gegenwart stellt sich uns daher als eine unbestimmbare Zahl von sektierenden Parteien dar, die sämtlich die heiligen Werke der Vorzeit zur Basis ihrer Systeme haben, vor allen die Purânas (s. d.), an eine Vielheit von Göttern, männlichen wie weiblichen, gütigen wie Schaden bringenden, glauben und in ihren täglichen, mit peinlicher Genauigkeit ausgeführten Zeremonien wie öffentlichen Feierlichkeiten (s. Ostindien) sich als ein zusammengehörendes Ganze zeigen. Die Brahmanen, einst ausschließlich auch die Ratgeber der Fürsten, üben jetzt das Amt des Purôhita ("Vorbeters") mit Angehörigen andrer Kasten aus; der Vorbeter wird bei Geburten, Heiraten und Todesfällen beigezogen. Reiche Familien unterhalten ihren eignen Purôhita, der dann zugleich der Vertraute und Lehrer der jüngern Familienglieder ist. Der Priester des Volkes ist zum Wahrsager herabgesunken; er nimmt gleich dem Pudschari oder Tempeldiener eine untergeordnete Stellung ein. Der Inder besucht den Tempel der Heiligkeit des Orts, seiner Heilwirkungen etc. wegen; einen Altargottesdienst kennt der B. nicht. Nicht bloß die gewöhnlichen Opferungen, auch das heilig gehaltene Feueropfer, die Opferung an die Manen u. dgl. können an jedem Ort vorgenommen werden und finden überall statt. Seit mehreren Dezennien zeigt sich unter den Brahmanen die Tendenz, die moralischen und deistischen Grundsätze ihres Glaubens in philosophischen Spekulationen, zu denen der Inder viel Anlage hat, auszubilden, dagegen den Fabeln in ihren heiligen Schriften weniger Wert beizulegen. Die Anregung zu dieser Richtung gab Ram Mahun Roy (s. Brahmo Samadsch), der 1814 zu Kalkutta als Reformator auftrat und auch mit dem Christentum sich bekannt machte; ja, einige seiner Nachkommen tragen offen das Bestreben zur Schau, in den B. christliche Ideen hineinzutragen (vgl. den Bericht über Keschab Tschander Sens Vorträge im "Magazin für die Litteratur des Auslandes" 1870, S. 407). Das schädliche Kastenwesen, das zur Zeit noch vom B. getragen wird, würde durch einen Erfolg in dieser Richtung leichter beseitigt werden. Vgl. Lassen, Indische Altertumskunde (2. Aufl., Leipz. 1867 ff., 4 Bde.); Dubois, The character, manners, customs and institutions of the people of India (Lond. 1817, 2 Bde.); Wurm, Geschichte der indischen Religion (Basel 1874); Barth, Les religions de l'Inde (Par. 1879).

Brahmaputra ("Sohn des Brahma"), einer der Hauptströme Asiens, entspringt im westlichen Tibet unter 30¾° nördl. Br. und 82° östl. L. v. Gr., östlich von den heiligen Seen Mansarowar, an deren Westseite der Satledsch und Indus ihre Quellen haben, und fließt unter dem Namen Dsangpo (Machang Dsangpo) in der Richtung von W. nach O. parallel mit der Kette des Himalaja durch Tibet bis zum 95.° (etwa 1650 km weit). Dann nach S. umbiegend, durchbricht er unter dem Namen Dihong das wilde, noch ziemlich unbekannte Alpenland, welches sich an das östliche Ende des Himalaja anschließt, und tritt, jetzt erst den Namen B. annehmend, in die indische Landschaft Assam ein, wo sich von N. her der wasserreiche Dibong, von O. her der Lohit mit ihm vereinigen. Südwestlicher Richtung folgend, durchströmt er dann ganz Assam (570 km weit), umzieht in einem Bogen die Garo Hills und tritt endlich, südlich gewendet, in die bengalische Tiefebene ein. Da, wo sich dieselbe erweitert, verzweigt er sich; bei Goalanda vermengen sich seine Wasser mit dem Ganges und fließen, in zahlreiche Arme sich zerteilend, dem Bengalischen Meerbusen zu. Der wasserreichste Arm ist die Megna. Die gesamte Länge des Stroms wird auf 2900 km berechnet; sein Quellgebiet kommt an Umfang fast dem Doppelten des Deutschen Reichs gleich. Bemerkenswert ist der große Reichtum des Stroms an Inseln. Der B. ist mit Dampfern fahrbar bis Dibrugarh in Oberassam. Die Schiffe verkehren ab Goalanda, Endstation der von Kalkutta kommenden Eisenbahn; sie gehören der India General Steam Navigation Co., verfrachten jährlich allein Thee im Wert von 30 Mill. Mk., legen aber die Bergfahrt erst in 20-22 Tagen zurück, während Eildampfer nur 5 Tage für die Berg-, 3 Tage für die Thalfahrt bedürfen. Ein regelmäßiger Postkurs zwischen beiden Orten mit Regierungsunterstützung ist in Einrichtung begriffen. Der B. gilt den Indern als Sohn des Brahma und gehört daher zu den heiligen Strömen. Um die Erforschung des lange unbekannten Mittellaufs hat sich besonders der englische Reisende Cooper ("The Mishmee Hills: an account of a journey made in an attempt to penetrate Thibet from Assam", Lond. 1873) verdient gemacht.

Brahmo Samadsch (B. Somaj, "Gesellschaft der Anbetenden"), Name des bedeutsamsten Hindu-Reformvereins der Gegenwart für Reinigung der Hindureligion von ihren Auswüchsen auf theistischer Grundlage. Gegründet wurde derselbe 1830 in Kalkutta von Ram Mahun Roy (geb. 1774 zu Radhnagar in Bengalen aus einer wohlhabenden Brahmanenfamilie, gest. 27. Sept. 1833 in Bristol aus einer Rundreise in England); darauf führte Debendra Nath Tagore seinen Gedanken "der Anbetung des einen wahren Gottes, des Vaters der Menschheit", weiter. Agitatorisch trat dann Keschab Tschander Sen (geb. 1839, gest. 10. Jan. 1884) in Kalkutta auf, der bedeutendste Lehrer der Gemeinde. Keschab führte ein Bekenntnis ein, schrieb zahlreiche Religionsschriften und entwarf eine ausführliche Liturgie für den Gottesdienst. Den wahren Geist der Gemeinde kennzeichnet die "Anbetung" genannte, von der ganzen Gemeinde gesungene Formel im Gottesdienst; sie lautet: "Er (Gott) bezeigt sich als der Wahre, Weise, Unendliche und Gnadenreiche. Er ist Einer ohne einen Zweiten neben ihm. Er ist heilig und sündelos." Der erste Tempel (Mandir) der Brahmo Samadschi ward in Kalkutta 23. Jan. 1868 gegründet. Von den Brahmanen scheel angesehen, gewinnt die neue Gemeinde doch durch die innere Wahrheit ihrer Lehren immer neue Bekenner und zählt insbesondere in Bengalen in jeder Stadt Anhänger. Haupt der Gesellschaft ist jetzt Protap Tschander Mauzumdar. Vgl. E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1880-81); Derselbe ("Deutsche Rundschau", Bd. 6).

Brahms, Johannes, Klavierspieler und Komponist, geb. 7. Mai 1833 zu Hamburg als Sohn eines dortigen Orchestermitglieds, erhielt durch Eduard Marxsen in Altona seine Ausbildung im Klavierspiel und in der Komposition. 1853 unternahm er als Klavierbegleiter eines ungarischen Violinspielers eine