Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brand; Brandade; Brandader; Brandanus

315

Brand - Brandanus.

machen. Auch Fälle von Heilung, von Begrenzung des Brandes und Abstoßung des Abgestorbenen gehören nicht zu den Seltenheiten.

Über den B. vom Genuß des Mutterkorns s. Kriebelkrankheit.

Brand, bei den Pflanzen verschiedenartige Krankheitserscheinungen, die wegen rein äußerlicher Ähnlichkeit, jedoch ganz unpassend, mit dem B. des tierischen Körpers verglichen worden sind. Vorzugsweise werden mit diesem Ausdruck diejenigen Krankheiten krautartiger Gewächse bezeichnet, bei welchen gewisse Teile derselben und zwar bereits bei ihrer Entwickelung mehr oder weniger von einer schwarzen oder braunen, staubartigen Masse erfüllt erscheinen; diese Erscheinungen werden verursacht durch die Vegetation parasitischer Pilze, und die brandartige Masse besteht aus den Fortpflanzungsorganen (Sporen) der letztern. Die solches bewirkenden Pilze gehören sämtlich in die Familie der Brandpilze (s. d.), und jedem derselben entspricht eine Brandkrankheit. Als B. bezeichnet man aber auch unpassenderweise Krankheiten andrer Art, vorzugsweise an Holzpflanzen, welche durch verschiedene Ursachen, wie Ausästung, Gipfelbruch, Wurzelverletzungen, Frostspalten, Schälwunden und parasitische Pilze, hervorgerufen werden und im allgemeinen in einer durch Mißfärbung sich kundgebenden chemischen Zersetzung und Fäulnis der Holzsubstanz bestehen. Diese Erscheinungen werden am besten als Wundfäule bezeichnet. Als Gegenmittel gegen letztere empfiehlt sich zweckmäßiges Ausschneiden der Wunden und Überziehen der Wundflächen mit Steinkohlenteer oder Baumkitt.

Brand, 1) Adam, Reisender, aus Lübeck, kam als Kaufmann noch sehr jung nach Moskau, von wo er 1692 die holländische Gesandtschaft nach China begleitete. Nach seiner Rückkehr setzte er sein Handelsgeschäft fort und erhielt nach einiger Zeit die Stelle eines preußischen Kommerzienrats. König Friedrich I. übertrug ihm eine Gesandtschaft an den persischen Hof; als diese jedoch 1713 abreisen wollte, starb der König, und die Ausführung unterblieb. B. brachte seine übrige Lebenszeit in Königsberg zu. Die Beschreibung seiner großen chinesischen Reise etc. erschien zuerst Frankfurt 1697 (vermehrt Berl. 1712, zuletzt Lübeck 1734) und ist ins Holländische, Französische und Englische übersetzt worden.

2) Enevold von, Struensees Günstling, geb. 1738 zu Kopenhagen, ward 1760 dänischer Kammerjunker, suchte sich an Christian VII. heranzudrängen, ward aber auf Betreiben des Grafen Holck 1768 verbannt und erst von Struensee 1770 zurückberufen und an Holcks Stelle Kammerherr, Oberaufseher der Schauspiele und beständiger Gesellschafter des geisteskranken Königs, später Graf und Geheimrat. Doch war er mit seiner Stellung nicht zufrieden und plante sogar 1771 eine Verschwörung gegen Struensee. Nach Struensees Sturz ward er angeklagt, den blödsinnigen König bisweilen thätlich mißhandelt zu haben, und vor Struensees Augen, nachdem man ihm die rechte Hand abgehauen, geköpft und gevierteilt (28. April 1772).

3) Henry Vouverie William, Sir, namhafter engl. Parlamentarier, geb. 24. Dez. 1814 als jüngerer Sohn des 22. Lords Dacre, war einige Zeit Privatsekretär von Sir George Grey und wurde 1852 ins Unterhaus gewählt, wo er sich der liberalen Partei anschloß. 1855-58 war er einer der Lords des Schatzes, 1858 für einige Wochen Siegelbewahrer des Prinzen von Wales und vom Juni 1859 bis zum Juli 1866 Sekretär des Schatzamtes. Seit 1859 fungierte er daneben als erster "Einpeitscher" (whip) der liberalen Partei, und zur Belohnung für die in diesem wichtigen Vertrauensamt bewiesene Energie wurde er 1872 von der Regierung zu dem ehrenvollen und einträglichen Amte des Sprechers (Präsidenten) des Unterhauses vorgeschlagen und ohne Widerspruch gewählt. Trotz seiner ausgesprochenen liberalen Parteianschauungen erwarb er sich durch seine unparteiische Geschäftsführung so sehr die Anerkennung auch der Gegner, daß er 1874, als in dem neugewählten Parlament die konservative Partei die Majorität besaß, einstimmig wiedergewählt wurde. Erst 1884 legte er sein Amt nieder und wurde zum Peer ernannt. Der Versuch, welchen B. auf seinen Gütern in Sussex machte, durch Gewinnbeteiligung die Lage der ländlichen Arbeiter zu verbessern, fiel nicht glücklich aus.

4) Jan Hendrik, Präsident des Oranjefreistaats, geb. 1833 in der Kapstadt, studierte in England Jurisprudenz, wurde dort beider Rechte Doktor und ließ sich dann in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Als solcher gewann er durch seine umfassenden Kenntnisse und seinen rechtlichen Charakter das Vertrauen seiner Mitbürger in solchem Grade, daß diese ihn 1866 auf den Posten des Präsidenten der Republik beriefen, welche 23. Febr. 1854 unabhängig erklärt worden war. Die Republik blühte unter seiner Präsidentschaft in solcher Weise auf, daß er seit jener Zeit nicht weniger als fünfmal wieder erwählt ward und zwar zum letztenmal 9. Mai 1884 auf fünf Jahre. 1876 besuchte er England auf Einladung Lord Carnarvons, um der Konferenz der südafrikanischen Delegierten anzuwohnen, welche über eine Konföderation dieser Staaten zu beraten hatte. Der Volksraad, die Kammer des Oranjefreistaats, war gegen eine solche Konföderation, B. sprach sich deshalb dagegen aus, und damit fiel das Projekt. Als der im Dezember 1880 ausgebrochene Konflikt zwischen Transvaal und England beigelegt werden sollte, leitete B. die Friedensvermittelung und wußte dieselbe zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

Brandade (franz., spr. brangdabd), ein provençal. Stockfischgericht, zubereitet mit Öl, Knoblauch und saurer Sahne.

Brandader, s. Aufbrechen.

Brandanus, der Heilige, sagenhafter Seefahrer des frühen Mittelalters (wahrscheinlich 6. Jahrh.), stand an der Spitze eines irischen Klosters und unternahm zur Buße in Begleitung seiner Mönche eine Seefahrt, die ihn in unbekannte, fabelhafte Gegenden führte. Nach neunjähriger Abwesenheit zurückgekehrt, soll er seine wunderbaren Erlebnisse in dem Buch "De fortunatis insulis" niedergeschrieben haben, das aber wahrscheinlich erst im 11. Jahrh. entstanden ist, und wovon die verschiedensten Bearbeitungen existieren. Die älteste vorhandene Aufzeichnung ist eine Erzählung in lateinischer Sprache aus dem 11. Jahrh. (mitgeteilt bei Jubinal, s. unten), der um 1120 eine französische in Versen (hrsg. von Michel, Par. 1878; auch in Böhmers "Romanischen Studien", Bd. 1) und andre folgten. Eine englische Bearbeitung in Prosa wie in Reimen veröffentlichte Wright (Lond. 1844), eine mittelhochdeutsche aus dem 13. Jahrh. Schröder ("St. Brandan", Erlang. 1871), eine niederländische Umdichtung Blommaert (in den "Oudvlaemsche gedichten", Gent 1838-41), eine niederdeutsche Übertragung Bruns ("Gedichte in altplattdeutscher Sprache", Berl. 1798), besser Schröder (im genannten Werk). Unter den "Inseln der Glückseligen" des B. will man Amerika und unter