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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brantford; Brantôme; Brants; Braouézec

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Brantford - Braouézec.

zu Straßburg, studierte nach dem Besuch der (Schlettstädter?) Schule seit 1475 in Basel Humaniora und Jurisprudenz, erwarb daselbst die Grade des Bakkalaureats und der Lizenz, trat 1484 als akademischer Lehrer auf, promovierte 1489 zum Doktor beider Rechte und bekleidete öfters das Amt eines Dekans der juristischen Fakultät. Durch Vermittelung des ihm befreundeten Geiler von Kaisersberg erhielt er 1501 die Stelle eines städtischen Rechtskonsulenten in Straßburg, 1503 die des Stadtschreiber (Kanzlers) und machte sich in diesen Ämtern um das städtische Gemeinwesen vielfach verdient. Kaiser Maximilian, der sich seiner Hilfe öfters bediente, ernannte ihn zu seinem Rat und später auch zum Comes palatinus. B. stand mit vielen hervorragenden Geistern seines Zeitalters in brieflichem und freundschaftlichem Verkehr und war auch thätiges Mitglied der von Jakob Wimpfeling und von Konrad Celtes gestifteten gelehrten Gesellschaften. Ferner ist aus seinem sonst stillen Leben noch als bemerkenswert zu erwähnen, daß er 1520 bei einer Gesandtschaft der Stadt Straßburg an Karl V. in Gent das Wort führte. Er starb in seiner Vaterstadt 10. Mai 1521. B. war einer der thätigsten und einflußreichsten Schriftsteller seiner Zeit. Nicht nur ältere kanonische Rechtsbücher und eine Reihe kirchlicher Schriftsteller, sondern auch ältere deutsche Werke gab er heraus; ferner übersetzte er eine Anzahl lateinischer Bücher und lieferte auch eine Bearbeitung des "Freidank" (zuerst Straßb. 1508), wogegen die frühere Annahme, daß auch der 1549 erschienene "Renner" von B. herrühre, irrig ist. Von seinen eignen teils in lateinischer, teils in deutscher Sprache abgefaßten Werken gelehrten und dichterischen Inhalts, die zum Teil auch den Ereignissen des Tags und der Politik gewidmet sind, war die einflußreichste und ist für uns heute noch die merkwürdigste und anziehendste die didaktisch-satirische Dichtung "Das Narrenschiff" (zuerst Basel 1494), worin in allegorischer Einkleidung, aber ohne strenge Durchführung des Bildes die Fehler und Gebrechen der Zeit geschildert und gegeißelt werden. Die Moral des Dichters, wenn auch oft nüchtern und griesgrämisch, wurzelt in einer tüchtigen und gesunden Lebensanschauung und zugleich in einem dem Väterglauben und der christlichen Liebe zugewandten Gemüt. Neben gelehrten Anspielungen findet sich eine Fülle volkstümlicher, insbesondere sprichwörtlicher, Wendungen im "Narrenschiff". Der dem Didaktischen zugeneigte Zeitgeschmack wurde von diesem Buch im höchsten Maß befriedigt. Zahlreiche Ausgaben machten sich nötig; es wurde auch nachgedruckt, umgearbeitet, nachgeahmt und erweitert. Ferner wurde es ins Niederdeutsche umgeschrieben und in das Lateinische, Niederländische, Französische und Englische übersetzt; ja, Geiler von Kaisersberg nahm das "Narrenschiff" sogar zum Gegenstand mehrerer Predigten. Zur Verbreitung des Buches trugen auch die hineingedruckten zahlreichen Holzschnitte bei, die, wohl schwerlich von B. selbst entworfen, vielleicht von Martin Schön in Kolmar herrühren. Neue Ausgaben des Werks mit Biographie und Bibliographie besorgten A. W. Strobel (Quedlinb. 1838), am besten mit ausführlichem Kommentar Friedrich Zarncke (Leipz. 1854), welche Ausgabe auch die andern deutschen sowie lateinischen Gedichte Brants und Auszüge aus dessen größern Werken enthält (vgl. Zarncke, Zur Vorgeschichte des Narrenschiffs, das. 1868-1871, 2 Hefte). Eine mehr populäre Ausgabe lieferte Goedeke (Leipz. 1872), und eine Übertragung in die moderne Sprache versuchte Simrock (mit den faksimilierten Holzschnitten der 1. Ausg., Berl. 1872). Eine übersichtliche Bibliographie der deutschen Gedichte Brants findet sich in Goedekes "Grundriß der Geschichte der deutschen Dichtung" (2. Aufl., Bd. 1, S. 383 ff.).

Brantford, Stadt in der Provinz Ontario, Britisch-Nordamerika, am schiffbaren Grand River, hat Tuch- und andre Fabriken, eine Blindenanstalt, ein Institut zur Erziehung der Kinder von Indianern und (1881) 9616 Einw. Einfuhr aus den Vereinigten Staaten 1882-83: 876,610 Doll., Ausfuhr 313,688 Doll.

Brantôme (spr. brangtohm), Pierre de Bourdeilles, Seigneur de, franz. Schriftsteller, geboren um 1540 aus einem alten Adelsgeschlecht in Périgord, wurde am Hof der Königin von Navarra, Margarete von Orléans (Schwester Franz' I.), erzogen, erhielt nach dem Tod seines Bruders die Abtei B., kämpfte 1562 gegen die Hugenotten, 1564 an den Küsten der Berberei und zog 1566 mit nach Malta gegen die Türken. Dann focht er abermals gegen die Hugenotten und wurde von Karl IX. zum Kammerherrn ernannt. Nach dem Tode der Katharina von Medici zog er sich 1589 in seine Abtei zurück. Hier schrieb er seine berühmten "Mémoires", welche die Geschichte und Sitten der Höfe Karls IX. und seiner beiden Nachfolger ungeordnet, aber mit Anschaulichkeit und naiver Aufrichtigkeit darstellen. Sie erschienen erst lange nach seinem Tod (Leiden 1665-66, 10 Bde.) und enthalten: "Vies des hommes illustres et grands capitaines français et étrangers", "Vies des dames illustres", "Vies des dames galantes" (eine Sammlung meist schlüpfriger Anekdoten), "Anecdotes de la cour de France touchant les duels", "Rodomontades et jurements des Espagnols" u. a. B. starb 15. Juli 1614. Neue Ausgaben seiner Werke besorgten unter andern Le Duchal (Haag 1740, 15 Bde.), Lacour und Mérimée (Par. 1858-59, 3 Bde.) und Lalanne (das. 1865-81, 10 Bde.); Schillers allgemeine Sammlung historischer Memoiren liefert in Band 11-13 der 2. Abteilung (Jena 1796-97) einen Auszug.

Brants, bei zoolog. Namen A. Brants, Arzt und Naturforscher in Rotterdam (Mäuse).

Braouézec (spr. brau-eseck), J. E., franz. Forschungsreisender, geb. 28. Okt. 1828 zu Morlaix (Depart. Finistère), trat als echter Bretone in die französische Marine und war mehrere Jahre als Kommandant eines Schiffs an der afrikanischen Westküste stationiert, wo er sich durch seine Aufnahme der beiden Hauptzuflüsse des Gabun, Como und Bogoe (1858-1859), seine nautische Untersuchung des Senegal (1860), seine Rekognoszierungen in den Landschaften Futa und Damga am obern Senegal (September 1860), endlich durch seine Aufnahme des Flußthals von Bunun in Walo (1861) um die Erforschung Afrikas verdient machte. Im J. 1863 zum französischen Konsul in Sierra Leone ernannt, setzte er auch hier seine Forschungen fort, indem er den Fluß Maneah und die Sumbujahberge besuchte. Aber das bösartige Klima erschöpfte seine Kräfte und nötigte ihn endlich, seinen Posten zu verlassen. Nach schmerzhafter Krankheit starb er in Frankreich 3. April 1870. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, im Bülletin der Pariser Geographischen Gesellschaft und in der "Revue maritime et coloniale" niedergelegt, sind: "Notes sur les peuplades riveraines du Gabon, de ses affluents et du fleuve Ogo-uwai" (1861); "L'hydrographie du Sénégal et nos relations avec les populations riveraines" (1861) "Note sur une exploration dans le Fouta et le Damga" (1862); "Exploration du