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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brassen; Brasserie; Brasseur de Bourbourg; Brassey; Brassica

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Brassen - Brassica.

zu unterbrechen. Die in wenigen Tagen ausschlüpfenden Jungen folgen den alten Fischen sehr bald in die Tiefe. Das Fleisch ist grätig und etwas fade, doch immerhin wohlschmeckend und geschätzt, besonders von größern Fischen. Man versendet den Blei auf weite Entfernungen, auch wird er gesalzen und geräuchert; in der Teichwirtschaft dient er als Forellenfutter. Die Rußnase (Zärte, Blaunase, A. Vimba L.), 40 cm lang und 0,5 kg schwer, mit sehr weit vorspringender, konisch abgerundeter Schnauze, unterständigem Maul, seitlich zusammengedrücktem, gestrecktem Körper und mäßig langer, hinter dem Ende der Rückenflosse beginnender Afterflosse, ist am Kopf und Rücken, an der Rücken- und Schwanzflosse graublau, an den Seiten und dem Bauch silberweiß, an der Brust-, Bauch- und Afterflosse gelblich, erstere an der Wurzel rotgelb, färbt sich aber im Mai und Juni zur Laichzeit oberhalb schwarz, an den Seiten ebenfalls dunkler, seidenglänzend, an Lippen, Kehle, Brust, Bauchkanten und an den paarigen Flossen orangegelb. Die Männchen zeigen außerdem einen körnerartigen Ausschlag. Sie gehört hauptsächlich dem Norden an, lebt auch in der Nord- und Ostsee, steigt, um zu laichen, scharenweise in die Flüsse und kehrt im Herbst ins tiefere Wasser zurück. Die in Süßwassern wohnenden Zarten scheinen nicht zu wandern. Sie wird namentlich in allen russischen Strömen, welche ins Schwarze Meer münden, in außerordentlicher Menge alljährlich gefangen, eingesalzen, getrocknet und weithin versendet. Mit ihr kommt der sehr ähnliche Seerüßling (Halbrenke, A. melanops Heck.) vor, welcher sich auch in einigen oberbayrischen und österreichischen Seen findet. Der Pleinzen (Zope, Schwuppe, A. Ballerus L.), 30-40 cm lang, 1 kg schwer, mit kleinem Kopf, endständigem, schräg aufwärts gerichtetem Maul und sehr langer Afterflosse, ist ähnlich gefärbt wie die andern Arten und lebt im Unterlauf aller Hauptflüsse Mitteleuropas. Sein Fleisch ist wenig geschätzt.

Brassen, s. Takelage. ^[richtig: Takelung.]

Brasserie (franz.), Brauerei; Bierhaus, Bierkneipe; Brasseur (spr. -or), Brauer, Bierwirt.

Brasseur de Bourbourg (spr. brassör d'buhrbuhr), Charles Etienne, franz. Schriftsteller, geb. 8. Sept. 1814 zu Bourbourg (Nord), machte in Gent theologische und philosophische Studien, wurde 1845 katholischer Priester, lehrte dann ein Jahr lang als Professor am Seminar zu Quebec, ward 1846 Generalvikar des Bischofs von Boston und bereiste seit 1848 im Interesse der katholischen Kirche, zugleich aber auch zum Zweck wissenschaftlicher Forschungen Nord- und Mittelamerika. Eine Zeitlang lebte er als französischer Gesandtschaftsprediger zu Mexiko, dann als Pfarrer in Guatemala. Er starb 8. Jan. 1874 in Nizza. Unter seinen Werken sind hervorzuheben: "Histoire de Canada" (Par. 1852, 2 Bde.); "Histoire des nations civilisées du Mexique et de l'Amérique centrale" (das. 1857-59, 4 Bde.), eine Geschichte der alten Indianervölker im mittlern Amerika sowie der Eroberung ihrer Länder durch die Spanier auf Grund einheimischer Quellen. Diese letztern hat B. herauszugeben begonnen unter dem Titel: "Popol-Vuh" in der Quichesprache (Par. 1861) und dazu eine Grammatik dieser Sprache (das. 1862), ferner "Relacion de las cosas de Yucatan" (das. 1864), "Monuments anciens du Mexique, recherches sur les ruines de Palenqué et sur les origines de la civilisation du Mexique" (das. 1866), "Quatre lettres sur le Mexique" (historische Studien nach dem Teo-Amontli, das. 1868) und "Bibliothèque mexico-guatémalienne" (das. 1871) veröffentlicht. Das von der Kritik hart angefochtene Werk "Manuscrit Troano. Études sur le système graphique et la langue des Mayas" (Par. 1869-70, 2 Bde.) bildet einen Teil der Publikationen der 1864 zur Erforschung Mexikos ausgerüsteten französischen Expedition, deren Mitglied B. war.

Brassey (spr. brässi), Sir Thomas, volkswirtschaftlicher Schriftsteller und Politiker, geb. 1836 zu Stafford (England), erlangte in Oxford und London die Befähigung zur Advokatur, ließ sich aber 1865 ins Parlament wählen, dem er noch jetzt angehört. Von großer Vorliebe für das Seeleben, machte er in Begleitung seiner Frau in seiner eignen, von ihm selbst geführten Jacht Sunbeam Fahrten ins Mittelmeer, nach Nordamerika, 1876 eine Fahrt um die Welt u. a. Dabei nahm er aber lebhaften Anteil an allen großen Tagesfragen, namentlich beschäftigte ihn der Zustand der englischen Seemacht; 1880 zum Ritter erhoben, wurde er zuerst zum Lord der Admiralität, später zum Sekretär derselben ernannt. Außer zahlreichen Broschüren über die englische Flotte und über soziale Fragen veröffentlichte er unter anderm: "Work and wages" (Lond. 1872); "British seamen" (das. 1877); "Lectures on the labour question" (das. 1878) und das große Werk "The British navy, its strength and resources" (das. 1882-83, 5 Bde.). - Seine Frau Annie B. hat sich als anmutige Schriftstellerin durch die Beschreibung der gemeinsam mit ihm ausgeführten Seefahrten bekannt gemacht, namentlich durch ihr erstes Buch: "A voyage in the Sunbeam" (Lond. 1879; deutsch, Leipz. 1879), dem sie "Sunshine and storm in the East" (1880), "Tahiti" (1882) und "In the tropics and the roaring forties" (1885; deutsch u. d. T.: "Eine Segelfahrt nach den Tropen") folgen ließ.

Brassica L. (Kohl), Gattung aus der Familie der Kruciferen, ein- oder mehrjährige, meist aufrechte und verzweigte, kahle oder behaarte, oft blaugrüne Kräuter, selten Halbsträucher mit fiederspaltigen Blättern, gelben, selten weißen Blüten in verlängerten Trauben, verlängerten, stielrunden oder fast vierkantigen, geschnäbelten Schoten und kugeligen, in jedem Fach einreihigen Samen. Etwa 80 (nach andrer Auffassung 150) Arten, hauptsächlich in den Mittelmeerländern und im gemäßigten Asien. Die Gattung liefert viele Kulturpflanzen: B. Rapa L. (B. asperifolia Lam., Rübenkohl, Rübsen), ein- oder zweijährig, 0,5-1,25 m hoch, meist ästig, mit grasgrünen, gestielten, leierförmig fiederspaltigen, beiderseits steifhaarigen Blättern, blaugrün bereiften Stengelblättern, an denen die untern leierförmig gezahnt, die obern mit tief herzförmigem Grund stengelumfassend, ganzrandig sind. Die Blütentraube ist während des Aufblühens flach, die Schoten sind auf abstehenden Fruchtstielen fast aufrecht, holperig, die Samen grubig punktiert, braun; er stammt vielleicht aus Südeuropa und wird als Ölfrucht und weiße Saat- oder Stoppelrübe kultiviert (s. Raps). B. Napus L. (Rapskohl, Raps, Reps), ein- und zweijährig, 0,75-1,25 m hoch, oberwärts ästig, mit blaugrünen Blättern, leierförmig fiederspaltigen Grundblättern, länglichen, am Grund herzförmigen, stengelumfassenden obern Blättern, schon während des Aufblühens verlängerter Traube, abstehenden Fruchtstielen und Schoten und braunen, grubig punktierten Samen, stammt wohl ebenfalls aus Südeuropa, wird als Ölfrucht, Kohlrübe und Schnittkohl kultiviert (s. Raps). B. oleracea (Kohl), zweijährig, kahl, mit etwas fleischigen, blaugrünen Blättern, die untern gestielt und leierförmig, die obern sitzend, länglich oder länglich verkehrt-^[folgende Seite]