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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brater; Bratianu; Brätling; Bratsberg; Bratsche; Bratspill; Brattleboro; Bratuscheck

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Brater - Bratuscheck.

Brater, Karl Ludwig Theodor, bayr. Publizist, geb. 27. Juni 1819 zu Ansbach, arbeitete nach Absolvierung der juristischen Studien an bayrischen Gerichten, dann als Hilfsarbeiter im Justizministerium, war 1848-50 Bürgermeister zu Nördlingen und siedelte, nachdem er mehrere Jahre privatisiert hatte, 1856 nach München über, um sich an der Redaktion des von Bluntschli begonnenen "Deutschen Staatswörterbuchs" zu beteiligen. Er begründete 1858 die "Zeitschrift für Gesetzgebungs- und Verwaltungsreform", später "Bayrische Wochenschrift" betitelt, 1859 die "Süddeutsche Zeitung", 1865 die "Wochenschrift der Fortschrittspartei" und die autographierte "Erlanger Korrespondenz", welche vornehmlich der Idee nationaler Einheit in Süddeutschland Raum schaffen sollten. Auch an der Stiftung und Leitung des Nationalvereins hatte er hervorragenden Anteil. Seit 1858 Mitglied der Zweiten bayrischen Kammer, bekämpfte er die ultramontanen und partikularistischen Bestrebungen, erlebte aber die Errichtung eines deutschen Bundesstaats unter Preußens Führung, den er mit der von ihm in Bayern gegründeten "Fortschrittspartei" anstrebte, nicht mehr. Er starb 20. Okt. 1869.

Bratianu, 1) Joan, rumän. Staatsmann, geb. 1822, in Paris gebildet und dort für republikanische Ideen gewonnen, mußte nach dem Fehlschlagen der rumänischen Revolution von 1848 nach Frankreich fliehen, kehrte 1857 zurück, betrieb die Union der Walachei und Moldau unter dem Fürsten Cusa, erlangte jedoch erst 1866 mit des Fürsten Karl von Hohenzollern Regierungsantritt als Führer der Roten (Liberalen) größern Einfluß. Seit März 1867 Minister, brachte er durch seine namentlich auf Siebenbürgen gerichteten Vergrößerungspläne, die Vermehrung der Armee und die Türkenverfolgungen, die er zuließ, die Finanzen in die ärgste Verwirrung und die Regierung mit den Schutzmächten in Konflikt. Allgemein angefeindet und auch von dem ihm bisher völlig folgenden Fürsten fallen gelassen, mußte B. im November 1868 zurücktreten. Seitdem warf er sich in die Opposition und arbeitete, besonders seit Errichtung der französischen Republik, auf den Sturz des Fürsten hin. Schon 20. Aug. 1870 wurde in Plojescht die Republik ausgerufen und eine aus Golesko, Joan Ghika und B. bestehende provisorische Regierung ernannt. Aber der Aufstand, von welchem das Ministerium Epureano unterrichtet war, wurde rasch unterdrückt. Die Revolution, zu der die Störung der von den Deutschen veranstalteten Feier des 22. März 1871 in Bukarest das Signal geben sollte, mißglückte ebenfalls, und B. und seine zahlreichen und hochgestellten Mitwisser mußten ihre Pläne aus gelegenere Zeiten aufschieben. Erst 1876 trat er wieder an die Spitze der Regierung und leitete dieselbe seitdem, gemäßigter und besonnener geworden, während und nach dem russisch-türkischen Krieg mit Umsicht und Erfolg, indem er die Anerkennung der rumänischen Souveränität und die Erhebung Rumäniens zum Königreich erlangte, die Beziehungen zu den Machten erfreulich gestaltete und im Innern sowohl die Parteileidenschaften beschwichtigte, als auch heilsame Reformen anbahnte. Mit König Karl steht er im besten Einvernehmen.

2) Demeter, älterer Bruder des vorigen, geb. 1818, wurde ebenfalls in Paris erzogen, mußte 1848 fliehen, hielt sich in England auf, kehrte 1859 nach Rumänien zurück, ward Mitglied des Diwans, 1867 bis 1868 unter seinem Bruder Unterrichtsminister, dann Gesandter in Konstantinopel und 1881 kurze Zeit Ministerpräsident.

Brätling, Pilz, s. Agaricus.

Bratsberg, Amt im südlichen Norwegen, umfaßt die Vogteien Ober- und Niederthelemarken (s. Thelemarken) und Bamble und hat ein Areal von 15,136,7 qkm (274,9 QM.). Die beiden zuletzt genannten weniger hohen und mildern Vogteien liegen am Skagerrak und gehören zum Stift Christiania; Oberthelemarken, größer, rauher und nördlicher, zu Christiansand. Die Bevölkerung zählt (1876) 83,986 Seelen (1880: 87,000). Namentlich in Oberthelemarken sind Waldwirtschaft und Viehzucht die Hauptbeschäftigungen, weniger Ackerbau, Jagd u. Bergbau; letzterer findet besonders im Kirchspiel Laurdal (auf Braunstein) statt. Fahrbare Wege wurden erst neuerdings angelegt; auch wird auf den zusammenhängenden Seen Flaa-, Hvideseid- und Bandaks-Vandene regelmäßige Dampfschiffahrt unterhalten. Hauptstadt ist Skien, in dessen Nähe auf einem Berg der Hof B. liegt. - Die Bewohner von Thelemarken sind ein kräftiger Schlag, rauh und keck, aber gutmütig und höflich, ordentlich und treuherzig; sie haben in ihren Sitten noch viel Originelles. Ihre Tracht besteht aus einer kurzen, grauen, grün besetzten Jacke, einem grauen, kurzen Beinkleid und Schnallenschuhen; dazu tragen sie langes Haar und stets ein Messer an der Hüfte. Sie leiden sehr am Ausschlag. In den hohen Teilen des Landes herrscht Armut, aber überall findet sich eine gewisse Bildung. Zu den größern Gehöften gehört ein sogen. Staatshaus (Stuga), das für die Gäste bestimmt ist, während der Besitzer in seinem Vorratshaus (Stöplebod) wohnt, das auf schlanken, geschnitzten Säulen ruht und ungeheure Eß- und Kleiderschränke enthält. Der Wohlstand wird durch die Zahl der Pelz- und Wolldecken bestimmt. Ein andres Haus ist Schlaf- und Wohnstätte der Familie, und darüber sind die Kammern für das Gesinde. Abgesondert steht auch das Frauenhaus oder die Küche.

Bratsche, das bekannte Streichinstrument, welches seit dem 16. Jahrh. gebaut wird und in unserm heutigen Streichorchester die Altlage vertritt (Altviola, Viola alta, Alto). Die B. ist etwas größer als die Violine; die vier Saiten sind gestimmt in c g d' a'; der gewöhnliche Umfang des Instruments reicht bis g'' oder a'', doch kann es als Soloinstrument auch erheblich höher geführt werden. Notiert wird für die B. im Altschlüssel. Der Schallkasten der B. ist etwas flach im Verhältnis zur Größe, wodurch sich der etwas näselnde Klang des Instruments erklärt, der übrigens so wenig wie bei der Oboe unangenehm ist; der Versuch, durch veränderte Mensur diese Klangeigentümlichkeit zu beseitigen (Hermann Ritter), scheint vorerst noch wenig Anklang zu finden. Die B. ist keineswegs, wie man vielfach lesen kann, eine Spezies der alten Violen, zu denen die Gambe gehörte, wenn auch ihr Name von derselben herrührt (Viola da braccio, "Armviole"); vielmehr gehört sie so gut wie das Violoncello zu den Streichinstrumenten, welche der etwa um 1500 aus der Viola durch allerlei Verbesserungen entstandenen Violine nachgebildet wurden (s. Geige).

Bratspill, s. Spill.

Brattleboro, Stadt im nordamerikan. Staat Vermont, am Connecticut, 1724 gegründet und somit die älteste Stadt des Staats. Sie hat eine Irrenanstalt, Orgelbau und (1880) 5880 Einw. Dabei Whitingham, Geburtsort Brigham Youngs.

Bratuscheck, Ernst, Philosoph, geb. 8. März 1837 zu Auleben bei Nordhausen, studierte in Berlin Philologie und Philosophie (unter Trendelenburg), habilitierte sich 1871 als Privatdozent an der Universität