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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braun

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Braun.

seinen rein dichterischen Leistungen erwähnen wir die originellen und humoristischen: "Phantasie- und Tierstücke" (Wien 1836), "Gedichte" (Nürnb. 1839), "Lieder eines Eremiten" (Stuttg. 1840) und "Morgen, Tag und Nacht aus dem Leben eines Dichters" (2. Aufl., Dresd. 1843); von seinen Dramen: "Graf Julian" (2. Aufl., Berl. 1838), "Die Geopferten" (Wien 1835), "Faust" (Leipz. 1835), "Ritter Shakespeare" (Wien 1836) und "Don Juan" (Dresd. 1842); von seinen Romanen, die er meist unter dem Namen Jean Charles herausgab: "Schöne Welt" (Leipz. 1841, 2 Tle.), "Donna Quijote, oder Leben und Meinungen einer scharfsinnigen Edlen aus Jungdeutschland" (das. 1844), "Der Abenteurer" (das. 1845), "Die Erbsünde" (das. 1848), "Die Ritter vom Geld" (Wien 1860), "Der Jesuit im Frack" (das. 1862) und "Realisten und Idealisten" (Leipz. 1867). Auch veröffentlichte er eine "Geschmackslehre oder Wissenschaft des Schönen" (Wien 1866).

3) Alexander, Botaniker, geb. 10. Mai 1805 zu Regensburg, studierte 1824-27 in Heidelberg Medizin und Naturwissenschaften, besonders Botanik, setzte seine botanischen Studien bis 1831 in München und bis 1832 in Paris fort, ging 1833 als Professor der Botanik und Zoologie an das Polytechnikum zu Karlsruhe und wurde 1837 Direktor des großherzoglichen Naturalienkabinetts. 1846 erhielt er einen Ruf als Professor der Botanik an die Universität Freiburg, 1850 ging er in gleiche Stellung nach Gießen und 1851 als Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens nach Berlin, wo er 29. März 1877 starb. Brauns Bedeutung lag, abgesehen von seinen zahlreichen beschreibenden und monographischen Arbeiten, ganz vorwiegend in seinen philosophischen Bestrebungen auf dem Gebiet der Morphologie, in denen der der ältern Naturphilosophie zu Grunde liegende Idealismus in reinerer Form austritt. Zusammengefaßt hat er seine philosophischen Grundanschauungen in den "Betrachtungen über die Erscheinung der Verjüngung in der Natur, insbesondere in der Lebens- und Bildungsgeschichte der Pflanze" (Leipz. 1850), in welcher er die Lehre von der Blattstellung der Pflanzen entwickelte. Seine spätern Schriften beziehen sich vornehmlich auf die Morphologie und die Lebensgeschichte, besonders der Kryptogamen. In letzterer Hinsicht sind zu nennen: "Über die Richtungsverhältnisse der Saftströme in den Zellen der Characeen" (Berl. 1852); "Das Individuum der Pflanze in seinem Verhältnis zur Spezies etc." (das. 1853); "Über einige neue und weniger bekannte Krankheiten der Pflanzen, welche durch Pilze erzeugt werden" (das. 1854); "Algarum unicellularium genera nova et minus cognita" (Leipz. 1855); "Über Chytridium, eine Gattung einzelliger Schmarotzergewächse auf Algen und Infusorien" (Berl. 1856); "Zwei deutsche Isoetesarten etc." (das. 1862); "Über Isoetes" (das. 1863); "Beitrag zur Kenntnis der Gattung Selaginella" (das. 1865); "Die Characeen Afrikas" (das. 1867); "Neuere Untersuchungen über die Gattungen Marsilia und Pilularia" (das. 1870); "Nachträgliche Mitteilungen über die Gattungen Marsilia und Pilularia" (das. 1842). Er schrieb ferner: "Untersuchung über die Ordnung der Schuppen an den Tannenzapfen" (Abhandlungen der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie, Bd. 14); "Über den schiefen Verlauf der Holzfaser und die dadurch bedingte Drehung der Stämme" (Berl. 1854); "Über Parthenogenesis bei Pflanzen" (das. 1857); "Über Polyembryonie und Keimung von Caelebogyne" (das. 1860). In seinen systematischen Bestrebungen suchte er die Anordnung der Pflanzen auf vergleichend morphologische Grundlage in Zusammenhang mit der historischen Entwickelung des Pflanzenreichs zu stellen. Seine Ansichten über die natürliche Verwandtschaft der Pflanzenfamilien sind niedergelegt in Aschersons "Flora der Provinz Brandenburg" (Berl. 1864); das dort von B. aufgestellte System repräsentiert in vielen Stücken den vollkommensten gegenwärtigen Ausbau des natürlichen Pflanzensystems. Vgl. Mettenius, A. Brauns Leben (Berl. 1882).

4) Kaspar, Holzschneider, geb. 1807 zu Aschaffenburg, widmete sich in München der Malerei und ging 1837, um die Technik der französischen Xylographen kennen zu lernen, nach Paris, wo er sich von Brévière unterweisen ließ. Nach München zurückgekehrt, gründete er 1839 mit v. Dessauer eine xylographische Anstalt, aus welcher eine große Anzahl illustrierter Prachtwerk hervorging. B. machte sich allmählich von der Nachahmung der französischen Manier los und ließ an die Stelle des Effekts Formen- und Linienschönheit treten, indem er im Schnitt sich strenger an den Stil der Zeichnung hielt. Seine Anstalt nahm, seitdem er sich 1843 mit Friedrich Schneider aus Leipzig associiert hatte, einen immer größern Aufschwung und wurde eine Schule für Xylographen. Er verband mit derselben ein Verlagsgeschäft (B. u. Schneider) und gründete die bekannte humoristische Zeitschrift "Fliegende Blätter". Von den zahlreichen von B. mit Holzschnitten versehenen Werken sind zu erwähnen: "Das Nibelungenlied", nach Zeichnungen von Schnorr und Neureuther; der "Volkskalender", mit Illustrationen nach Kaulbach und Cornelius; ferner lieferte er Holzschnitte zu "Götz von Berlichingen", zu der Cottaschen "Bilderbibel", den "Münchener Bilderbogen" u. a. Er starb 29. Okt. 1877 in München.

5) Alexander Karl Hermann, königlich sächs. Märzminister, geb. 10. Mai 1807 zu Plauen, wurde Advokat in seiner Vaterstadt; 1839 zum Mitglied, 1845 zum Präsidenten der Zweiten Kammer gewählt, kämpfte er besonders eifrig für Einführung der Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichtsverfahrens und wurde 16. März 1848 mit Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt, in welchem er die Justiz und das Präsidium erhielt. Weil er mit der radikalen Majorität der Kammer sich nicht verständigen konnte, resignierte er 24. Febr. 1849, war 1849 bis 1850 wieder Mitglied des Landtags, trat im März 1850 aus der Kammer und wurde Amtshauptmann in Plauen. Er starb 23. März 1868. Als juristischer Schriftsteller hat er sich namentlich durch seine Beiträge zur "Zeitschrift für Rechtspflege und Verwaltung" und zu den "Jahrbüchern für sächsisches Strafrecht" Achtung erworben.

6) August Emil, Archäolog, geb. 19. April 1809 zu Gotha, widmete sich seit 1829 in Göttingen und München Kunst- und philosophischen Studien. Nachdem er den Winter 1832-33 in Dresden im Verkehr mit Rumohr verbracht, ging er im Frühjahr 1833 nach Berlin, von wo er Gerhard nach Rom folgte. Hier ward er noch in demselben Jahr an dem Archäologischen Institut zuerst als Bibliothekar, bald darauf als Prosekretär angestellt. Der Beifall, den seine ersten archäologischen Interpretationsversuche 1836 bei Welcker fanden, ermunterte ihn zu der Monographie "Il giudizio di Paride" (2. Aufl., Par. 1838), welcher die umfangreichern über die "Kunstvorstellungen des geflügelten Dionysos" (Münch. 1839) und "Tages und des Herkules und der Minerva heilige Hochzeit" (das. 1839) folgten. Gleichzeitig ver-^[folgende Seite]