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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braunschweig

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Braunschweig (Geschichte).

Linie unter Herzog Magnus I. Derselbe hinterließ das Land 1369 seinem wilden Sohn Magnus II., der den Beinamen "mit der Kette" (Torquatus) führte, weil er stets eine silberne Kette um den Hals trug, seitdem ihm sein Vater einmal mit Hängenlassen gedroht hatte. Nachdem er im Lüneburger Erbfolgekrieg gegen die Herzöge von Sachsen-Lauenburg (s. unten) gekämpft, blieb er 1373 in einem Gefecht gegen den Grafen Otto von Schaumburg bei Leveste. Seine drei Söhne Friedrich, Bernhard und Heinrich regierten gemeinschaftlich, bis sie die Herzöge von Sachsen (1388 bei Winsen an der Aller) besiegt und durch die Eroberung Lüneburgs dem Lüneburger Erbfolgekrieg ein Ende gemacht hatten, worauf der älteste, Friedrich, B., die beiden andern Lüneburg gemeinschaftlich in Besitz nahmen. Friedrich, von einer Partei 1400 zum Gegenkönig Wenzels bestimmt und nach Frankfurt a. M. geladen, wurde auf der Heimreise vom Grafen von Waldeck in Fritzlar erschlagen. Seine beiden Brüder Bernhard und Heinrich beherrschten die Lande B.-Wolfenbüttel und Lüneburg gemeinschaftlich, bis durch die Teilung von 1409 die mittlern Linien B. und Lüneburg entstanden.

Die ältere Linie Lüneburg war von Johann, Albrechts d. Gr. jüngerm Bruder, 1267 gestiftet worden. Dieser hinterließ 1277 das Land seinem Sohn Otto dem Strengen, der sein Erbe durch Ankäufe vergrößerte und 1330 starb. Von seinen beiden Söhnen starb Otto schon 1352 ohne männliche Erben, worauf Wilhelm (mit dem langen Bein) die Alleinregierung antrat und Veranlassung zu dem bereits erwähnten Lüneburger Erbfolgekrieg gab. Seinen Wunsch, dem Sohn seiner Tochter Elisabeth und des Herzogs Otto von Sachsen-Wittenberg, Albrecht, die Nachfolge in B.-Lüneburg zuzuwenden, erfüllte 1365 der Kaiser Karl IV. Bald indes bereute Wilhelm seinen Entschluß und setzte den Herzog Magnus II. (Torquatus) von B.-Wolfenbüttel in sein agnatisches Recht ein. Der Ausgang des daraus entstandenen Kriegs ist oben berichtet. Mit Herzog Wilhelm starb 1369 das ältere Lüneburger Haus aus.

Durch die erwähnte Teilung von 1409 erhielt Bernhard B., Heinrich Lüneburg. Doch ward letzterer infolge eines Tausches, zu welchem seine Söhne Wilhelm und Heinrich 1428 den Oheim Bernhard zwangen, Gründer der mittlern Linie B., Bernhard aber Gründer der mittlern Linie Lüneburg. Infolge der Teilung von 1409 und des Umtausches von 1428 wurde Kalenberg (Hannover) von Lüneburg abgetrennt und zu B. geschlagen. Die mittlere Linie B. erfuhr schon unter den aus Lüneburg dahin verpflanzten Söhnen Heinrichs eine neue Teilung, in der Wilhelm (der Siegreiche) Kalenberg, Heinrich (der Friedfertige) Wolfenbüttel erhielt. An Wilhelm I. trat, wie oben bemerkt, Otto der Einäugige die Besitzungen der Linie Göttingen ab, und überdies beerbte jener 1473 auch noch seinen Bruder Heinrich. Ihm folgten 1482 seine Söhne Wilhelm II. und Friedrich der Unruhige; da dieser aber in Wahnsinn verfiel, brachte ihn sein Bruder 1485 in Haft nach Münden, wo derselbe 1495 ohne Erben starb. Wilhelm II. teilte in demselben Jahr das väterliche Erbe unter seine Söhne Heinrich (den ältern) und Erich (den ältern), wobei jener die Wolfenbütteler, dieser die kalenberg-göttingischen Lande bekam. Die kalenbergische Linie hatte bis zu ihrem Erlöschen 1584 nur zwei Repräsentanten: Erich I., den Kampfgenossen Kaiser Maximilians I. und Teilnehmer an der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-23), der 1540 starb, und dessen Sohn Erich II., der, im protestantischen Bekenntnis erzogen, 1546 zu der katholischen Kirche übertrat, den Schmalkaldischen Bund und dann auch Moritz von Sachsen bekämpfen half und 1584 ohne legitime Erben starb. Die kalenbergischen Lande fielen nun an die Linie Wolfenbüttel. Der Gründer derselben, Heinrich (der ältere), hinterließ bei seinem Tod 1514 sechs Söhne, von denen jedoch nur der älteste, Heinrich der jüngere, zur Regierung gelangte (s. Heinrich). Ihm folgte 1568 sein Sohn Julius (s. Julius), der als entschiedener Protestant zur Durchführung der Reformation die Universität Helmstedt gründete und 1589 seine Lande, durch Kalenberg, Göttingen und die Grafschaft Diepholz vergrößert, seinem Sohn Heinrich Julius hinterließ, der, auf Befestigung und Erweiterung seiner fürstlichen Gerechtsame eifrig bedacht, seit 1566 Bischof von Halberstadt, dem ansehnlichen Erbe 1596 nach Erlöschen der Linie Grubenhagen noch deren Besitzungen hinzubrachte. Ihm folgte 1613 sein ältester Sohn, Friedrich Ulrich, der, ein schwacher Fürst, 1617 auf kaiserlichen Befehl Grubenhagen an Lüneburg zurückgeben mußte. Mit ihm erlosch 1634 die mittlere Linie B.-Wolfenbüttel, deren Lande nun an die Linie B.-Lüneburg-Dannenberg fielen.

Die mittlere Linie B.-Lüneburg wurde 1409 gestiftet von dem dritten Sohn Magnus' II. (Torquatus), Bernhard I., der 1428 das ihm 1409 überwiesene B. gegen Lüneburg aufgeben mußte (s. oben). Nach seinem 1434 erfolgten Tod regierten feine Söhne Otto der Hinkende und Friedrich der Fromme bis zu Ottos Tod (1446) gemeinschaftlich, Friedrich, in viele bittere Streitigkeiten und Fehden, besonders mit der Geistlichkeit, verwickelt, resignierte 1457 zu gunsten seiner Söhne Bernhard II. und Otto II., des Siegreichen, mußte jedoch nach deren baldigem Tod (1471) die Regierung für seinen minderjährigen Enkel Heinrich den Mittlern, Ottos Sohn, wieder übernehmen. Heinrich, seit 1486 selbständig, war seit 1519 in die Hildesheimer Stiftsfehde verwickelt und gegen seinen Vetter Heinrich den jüngern im Bund mit dem Bischof Johann von Hildesheim. Weil er die Bewerbung Franz' I. von Frankreich um den Kaiserthron gegen Karl V. begünstigt hatte, ward er 1521 in die Acht erklärt, fand am französischen Hof eine Zuflucht und starb 1532. Seine beiden Söhne Otto und Ernst, denen Heinrich schon 1520 die Regierung überlassen hatte, führten dieselbe gemeinschaftlich bis 1527, wo Otto der Mitregierung entsagte, Harburg als Erbteil friedlich in Beschlag nahm und so die Linie B.-Harburg stiftete, welche mit dem letzten von seinen drei Enkeln 1642 erlosch. Ein dritter Bruder der beiden, Franz, nahm 1539 das Amt Gifhorn in Anspruch und stiftete die Linie B.-Gifhorn, welche ebenfalls schon 1549 mit ihm ausstarb. Ernst der Bekenner, welcher nun in Lüneburg allein regierte, Anhänger und Verfechter des Protestantismus, unterschrieb die Augsburgische Konfession, trat zum Schmalkaldischen Bund, starb aber noch vor dem Ausbruch des Kriegs 1546 in Celle. Sein ältester Sohn und Nachfolger, Franz Otto, starb 1559 kinderlos, worauf dessen jüngere Brüder, Heinrich und Wilhelm, gemeinschaftlich regierten, bis sie 10. Sept. 1569 einen Teilungsvertrag schlossen. Wilhelm erhielt Lüneburg und wurde dadurch Stifter der neuen Linie B.-Lüneburg, aus welcher die Herzöge, Kurfürsten und Könige von B.-Lüneburg oder Hannover (s. d.) stammen. Heinrich erhielt die Ämter Dannenberg, Lüchow, Hitzacker und Scharnebeck, residierte in Dannenberg, nannte