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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Braunschweig

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Braunschweig (Stadt).

Cumberland durchaus nicht für unbestritten erklärte, im Mai 1885 beim Bundesrat, sich dahin auszusprechen, daß die Regierung des Herzogs in B. mit dem innern Frieden und der Sicherheit des Reichs nicht verträglich sei, und zu beschließen, daß die braunschweigische Regierung hiervon verständigt werde. Der Bundesrat nahm den Antrag 2. Juli an, die braunschweigische Landesversammlung stimmte zu, und demgemäß wählte die letztere auf Vorschlag des Regentschaftsrats und auf Grund des Regentschaftsgesetzes (s. S. 361) am 21. Okt. 1885 einstimmig den Prinzen Albrecht von Preußen (s. Albrecht 22) zum Regenten von B. Vgl. Lambrecht, Das Herzogtum B. (Wolfenb. 1863); Guthe, Die Lande B. und Hannover (Hannov. 1867); Knoll und Bode, Heimatskunde des Herzogtums B. (Braunschw. 1881); Bürstenbinder, Die Landwirtschaft des Herzogtums B. (das. 1882); Havemann, Geschichte der Lande B. und Lüneburg (Götting. 1853-57, 3 Bde.); Schaumann, Handbuch der Geschichte der Lande Hannover und B. (Hannov. 1864); v. Heinemann, Geschichte von B. und Hannover (Gotha 1882 ff.); Sudendorf, Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von B. und Lüneburg (Hannov. 1859-83, Bd. 1-11); v. Malortie, Beiträge zur Geschichte des braunschweig-lüneburgschen Hauses und Hofs (das. 1860-72, 6 Hefte; neue Folge 1879 ff.); Görges, Vaterländische Geschichten der Vorzeit (2. Aufl., Braunschw. 1880); v. Bülow, Beiträge zur neuern braunschweigischen Geschichte (das. 1833); "Der Aufstand in B. 6. und 7. Sept. 1830" (Leipz. 1858, Nachtrag 1860).

Braunschweig (hierzu der Stadtplan), die Haupt- und Residenzstadt des gleichnamigen Herzogtums, liegt in einer wohlangebauten Ebene an der Oker, 62 m ü. M., im Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnen (nach Magdeburg, Hannover, Holzminden etc.) und ist eine interessante, ihr altdeutsches Bild im Innern treu bewahrende Stadt. Die hauptsächlichsten Straßen u. Plätze innerhalb der frühern Ringmauern sind: der Bohlweg, der Schloß-, Burg-, Wilhelmsplatz, der Altstadt-, Kohl- u. Hagenmarkt, der letztgenannte mit dem von A. Breymann entworfenen u. von Howaldt in Bronze gegossenen Brunnenstandbild Heinrichs des Löwen geschmückt. Unter den in architektonischer Hinsicht ausgezeichneten Kirchen behauptet der ehrwürdige Dom (im Rundbogenstil 1173 von Heinrich dem Löwen gegründet, 1346 durch ein neues südliches Seitenschiff, 1469 durch ein nördliches erweitert) den obersten Rang. In seinem Innern sind von Interesse die Wandmalereien, das aus dem Anfang des 13. Jahrh. stammende Grabmal Heinrichs des Löwen und seiner Gemahlin Mathilde und die Krypte mit dem Erbbegräbnis der Braunschweiger Welfen. Neben dem Dom liegen die Überreste der im Juli 1873 niedergebrannten Burgkaserne, der ehemaligen, schon 1068 erwähnten Burg Dankwarderode, in welcher Heinrich der Löwe 1195 starb. In der Mitte des Burgplatzes steht die 1166 von Heinrich dem Löwen errichtete Rugesäule mit dem Bronzelöwen. Andre bedeutende Kirchen sind: die Katharinenkirche (1172 ebenfalls von Heinrich dem Löwen gegründet) mit interessantem Turm (1192-1379 erbaut); die in den Jahren 1862-64 im Innern vollständig restaurierte Brüderkirche mit dem 1345 begonnenen erhabenen Chor und dem prachtvollen Hochaltar (einem Schnitzwerk aus dem Ende des 14. Jahrh.); die Martinikirche (um 1180-90 erbaut) mit romanischen Türmen, reichen, aus dem 14. Jahrh. stammenden Seitenportalen und der prächtigen Annenkapelle (von 1434); die Magnikirche, die älteste der Stadt (1031 begonnen); die Paulinerkirche, die jetzt als Zeughaus dient, ein edler Hallenbau von 1343, mit wohlerhaltenen Kreuzgängen; die Andreaskirche mit einem 104 m hohen Turm (begonnen 1200, vollendet 1532); die Ägidienkirche, jetzt zu Kunst- und andern Ausstellungen benutzt (begonnen 1278, vollendet 1434), und der neue jüdische Tempel. Unter den öffentlichen Profangebäuden steht obenan: das Residenzschloß, aus der Stätte des in der Revolution vom 7. Sept. 1830 abgebrannten Grauen Hofs gelegen, an seiner Nordseite von Parkanlagen umgeben. Es wurde 1831-36 nach Ottmers Plan ausgeführt, dann, nachdem es 23.-24. Febr. 1865 zum zweitenmal ein Raub der Flammen geworden, bis 1869 nach dem frühern Plan von neuem erbaut. Eine Hauptzierde bildet die herrliche, von Howaldt nach Rietschels Modell in Kupfer getriebene Quadriga der Brunonia, welche das Gebäude krönt. Auf dem Schloßplatz stehen seit 1874 die Reiterstandbilder der Herzöge Karl Wilhelm Ferdinand (gest. 1806) und Friedrich Wilhelm (gest. 1815). Unter den übrigen Bauten zeichnen sich aus: das Altstadt-Rathaus, ein Juwel der Gotik (aus dem 14. und 15. Jahrh., s. Tafel "Baukunst X", Fig. 2), vor demselben der schlanke, in Blei gegossene Brunnen von 1408; das Neustadt-Rathaus (aus dem 15. Jahrh., aber im 18. Jahrh. gänzlich umgebaut) mit dem Museum der Stadt; das Gewandhaus (aus dem 13. Jahrh.) mit reicher Ostfassade im Renaissancestil (von 1589); die alte Wage, ein interessanter Fachwerkbau von 1534, und außer vielen, reich mit Schnitzwerk verzierten Privatholzbauwerken aus dem 15. und 16. Jahrh. sowie vielen Renaissance-Privatsteinbauten aus dem 16. und 17. Jahrh.: das Bahnhofsgebäude, die Infanteriekaserne (beide von Ottmer) und das Gesamtgymnasium (von Fr. Krahe erbaut). Als historisch merkwürdige Gebäude sind auch Lessings Sterbehaus (aus dem Ägidienmarkt) und K. F. Gauß' Geburtshaus (aus der nördlichen Wilhelmsstraße) zu erwähnen. Unter den Promenaden und Gärten, welche die Stadt an Stelle der ehemaligen Festungswerke umgeben, zeichnen sich besonders der herzogliche Park mit dem neuen Hoftheater, der Hollandsche und der Eisenbahnpark aus. Unweit der beiden letztgenannten liegt der eine weite Umschau gewährende Windmühlenberg, zu seinen Füßen der Monumentplatz mit dem 23 m hohen Obelisken von Eisen (1822 zu Ehren der Herzöge Karl Wilhelm Ferdinand und Friedrich Wilhelm nach Krahes Entwurf errichtet); unweit davon das Lessingdenkmal mit der berühmten Statue des Dichters von Rietschel (seit 1853, s. Tafel "Bildhauerkunst IX", Fig. 3). Außerhalb der Stadt liegen die herzoglichen Lustschlösser Alt- und Neu-Richmond in lieblichen Parkumgebungen; das Schilldenkmal, 1837 errichtet über den Gebeinen der hier 1809 erschossenen 14 Schillschen Krieger, und unweit davon der Magnikirchhof mit der Grabstätte Lessings. Die Zahl der Einwohner betrug mit Einschluß der Garnison (Stab der 40. Infanteriebrigade, 2 Bataillone Nr. 67, Husarenregiment Nr. 17) 1880: 75,038, darunter 3444 Katholiken und 406 Juden. Die Industrie der Stadt ist ansehnlich; besonders hervorzuheben sind: Jutespinnerei (1470 Arbeiter), eine Nähmaschinenfabrik (700 Arbeiter), Fabriken für Rübenzucker, Eisen-^[folgende Seite]