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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brechmittel; Brechnuß; Brechreiz; Brechruhr; Brechung; Brechung der Akkorde; Brechung des Lichts

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Brechmittel - Brechung des Lichts.

Brechmittel (Emetica, Vomitiva), im engern Sinn diejenigen pharmazeutischen Substanzen, welche dem Körper einverleibt werden, um zum Behuf irgend eines Heilzweckes Erbrechen zu erzeugen. Außer den eigentlichen Brechmitteln gibt es noch andre, mehr mechanisch wirkende Mittel, durch welche man im stande ist, Erbrechen hervorzurufen. Als solche sind zu nennen das Kitzeln des Schlundes, Trinken von vielem lauen Wasser etc. Manche Menschen können sogar durch Nachahmung der Brechbewegung mit Hilfe der Bauchmuskeln den Mageninhalt entleeren. In der Medizin bedient man sich nur noch weniger Mittel, um Erbrechen zu erregen, teils weil dieselben ziemlich sicher wirken, teils weil sie bei ihrer Anwendung den Organismus verhältnismäßig wenig gefährden. Es sind dies die Brechwurzel (Ipekakuanha), der Brechweinstein (Tartarus stibiatus, Tartarus emeticus), der Kupfervitriol und Zinkvitriol. In neuester Zeit ist als ein sehr zuverlässiges B. das Apomorphin eingeführt worden. Es ist dies ein aus dem Opium hergestellter sehr giftiger Arzneistoff, welcher schon in minimalen Dosen wirksam ist und daher mit äußerster Vorsicht genommen werden muß. Wird eins der genannten B. eingenommen, so entsteht je nach der Gabe desselben zuerst Übelkeit, und der Speichel läuft im Mund zusammen, dann folgt nach längerer oder kürzerer Zeit bei Wiederholung der Gabe Brechneigung und Erbrechen. Zugleich kommt der ganze Körper in Schweiß, und ein Erschlaffungszustand befällt Nerven- und Muskelsystem. Gewöhnlich wiederholt sich das Erbrechen mehrere Male, auch wenn der Magen fast ganz entleert ist, und erst allmählich tritt wieder Ruhe ein, indem sich auch Ekel und Übelkeit nach und nach verlieren. Es bleibt dann nur noch eine Abspannung im ganzen Körper zurück, während welcher der Herzschlag und der Atem verlangsamt sind, und auf welche häufig eine wohlthätige Ruhe folgt. Der schweißerregenden Wirkung derselben, wobei man mehr das Gefühl von Ekel als eigentliches Erbrechen hervorzurufen bezweckt, was man schon durch kleine Gaben erreicht, bedient man sich bei leichtern katarrhalischen und rheumatischen Zuständen, bei Katarrh der Atmungs- und Verdauungsorgane, bei fieberhafter Aufregung, beim Wahnsinn etc., während die stärkere Wirkung der B. bei Zuständen Anwendung findet, wo der Magen rasch entleert werden soll, so besonders bei starker Überladung des Magens, oder wenn giftige Substanzen in denselben gelangt sind. Auch wenn fremde Körper in der Speiseröhre stecken geblieben oder in die Luftröhre gekommen sind, wirkt die Einspritzung von Brechweinstein unter die Haut zuweilen lebensrettend. Auch wenn bei Bräune durch große Schleimansammlungen oder durch Krupphäute Erstickung droht, werden B. mit Erfolg angewendet. Durch die kräftige Wirkung der Bauchpresse, wie sie durch B. hervorgerufen werden kann, sollen auch Steine aus den Harnleitern oder Gallengängen ausgetrieben worden sein, wobei wohl die erschlaffende Wirkung der B. einen günstigen Einfluß mit ausgeübt haben mag. Gegenanzeige finden die B., namentlich der Brechweinstein, wegen der schon oben berührten reizenden Wirkungen auf die Schleimhäute und wegen Erregung heftiger Zusammenziehung der Bauchmuskeln, bei allen entzündlichen Zuständen des Magens und Darmkanals und des Bauchfelles, bei Neigung zu Blutandrang nach dem Kopf oder nach der Brust sowie zu Blutung aus Nase und Lunge, bei starker Erweiterung des Herzens und der Aorta, bei Aneurysmen dieser Organe, bei Schwächezuständen und erhöhter Reizbarkeit sowie in der Schwangerschaft, und wo ein Bruch vorhanden ist. Bei kleinen Kindern ist das B. stets ein eingreifendes Mittel, und wo es gereicht werden muß, ist stets die Brechwurzel zu wählen. Unter allen Umständen muß die Anwendung der B. auf ärztliche Verordnung geschehen, und alle eigenmächtigen Kuren mit abführenden und Brechmitteln sind dringend zu widerraten.

Brechnuß, die Samen von Strychnos und Jatropha (s. diese Artikel).

Brechreiz (Nausea) wird hervorgebracht durch unzureichende Gaben aller Brechmittel, durch Überfüllung des Magens, durch Entzündungen desselben, durch nervöse Störungen, Hunger, heftige Erkältungen und andre Ursachen. Je nach diesen Veranlassungen ist es zur Bekämpfung des Brechreizes zuweilen geraten, ein Brechmittel zu nehmen oder durch betäubende Mittel den Reiz zu mildern, andre Male genügt Darreichung leichter Kost, in noch andern Fällen eine Schwitzkur mit Pfefferminzthee; eine besondere Art von Mitteln, die man wohl Antemetica genannt hat, gibt es nicht.

Brechruhr, s. Cholera.

Brechung, von J. Grimm eingeführter grammatikal. Kunstausdruck zur Bezeichnung des assimilierenden Einflusses, den im Hochdeutschen der Vokal a auf ein in der vorausgehenden Silbe enthaltenes i und u ausübt, wodurch ersteres zu einem hellen, dem i noch nahestehenden e (nach J. Grimms Vorgang mit e bezeichnet), das später mit dem gewöhnlichen e zusammenfiel, letzteres zu o wird. So heißt es im Althochdeutschen izzis, "du ißt", aber ezzam, "wir essen"; hulfum, "wir halfen", aber gaholfan, "geholfen". Doch erleidet das Gesetz der B. manche Ausnahmen, namentlich vor Nasalen, daher z. B. "gebunden", früher gabundan, mit Beibehaltung des u. Schon im Gotischen kommt die B. des i und u vor, tritt aber nur dann ein, wenn ein r oder h darauf folgt.

Brechung der Akkorde, s. Arpeggio.

Brechung des Lichts (Refraktion), die Richtungsänderung, welche ein Lichtstrahl beim Übergang aus einem durchsichtigen Mittel in ein andres erleidet. Fällt z. B. ein Lichtstrahl ln (Fig. 1) aus der Luft schräg auf eine ruhige Wasseroberfläche, so wird er daselbst zum Teil zurückgeworfen; zum größern Teil aber dringt er in das Wasser ein und geht auch in diesem als geradliniger Lichtstrahl weiter, aber in einer andern, weniger schrägen Richtung ns. Um den Verlauf des "einfallenden" (ln) und des "gebrochenen" Strahls l (ns) bequem angeben zu können, denkt man sich in dem Einfallspunkt n eine Senkrechte nd errichtet und auch in das Wasser hinein (nach nf) fortgesetzt; man nennt sie das Einfallslot. Man bemerkt nun zunächst, daß die Ebene, welche den einfallenden Strahl und das Einfallslot enthält (die Ebene der Zeichnung), stets auch den gebrochenen Strahl in sich aufnimmt. Sie heißt deshalb die Brechungsebene. Die Richtung der Strahlen selbst wird durch die Winkel bestimmt, welche sie mit dem Einfallslot bilden, nämlich durch den Einfallswinkel (Inzidenzwinkel) i und den Brechungswinkel (Refraktionswinkel) r. Jedem Einfallswinkel entspricht ein Brechungswinkel von bestimmter Größe.

^[Abb.: Fig. 1. Brechungsgesetz.]