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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Breslau

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Breslau (Bistum; Herzogtum; Stadt).

Breslau, 1) deutsches Bistum, wird ums Jahr 1000 zuerst genannt, indem bei Thietmar von Merseburg ein Bischof Johann von B. erwähnt wird. Bischof Walther (1149-69) erbaute den Dom; Jaroslaw, Sohn des Breslauer Herzogs Boleslaw I. (1198-1201), brachte das Gebiet von Neiße dem Bistum zu; Thomas II. (1270-92) erstritt von Herzog Heinrich IV. die Obergerichte, den Blutbann und das Jus ducale. Preczislaw v. Pogarell (1341-1376) stellte sich nebst der ganzen schlesischen Kirche unter den Schutz Böhmens, erwarb mehrere Herrschaften, darunter 1344 das Fürstentum Grottkau, und nannte sich Fürst von Neiße und Herzog von Grottkau. Das Bistum, seines Reichtums wegen "das goldene" genannt, gehörte zunächst zum Erzstift Gnesen und trat erst 1354 unter die unmittelbare Oberhoheit des Papstes. Seit dem 17. Jahrh. war es eine Versorgungsanstalt für kaiserliche Prinzen oder jüngere Sprößlinge andrer Fürstenhäuser, die zugleich die Oberlandeshauptmannschaft führten. 1742 kam das Bistum an Preußen, nur ein kleiner Teil blieb österreichisch. Unter dem Bischof Fürst Joseph Christian von Hohenlohe-Bartenstein wurde der in Preußen liegende Teil des bischöflichen Fürstentums Neiße säkularisiert, den in Österreich liegenden (Johannesberg, Freiwaldau, Zuckmantel) behielt der Bischof und damit den fürstlichen Titel. Von 1817 bis 1823 war der Bischofsstuhl unbesetzt; das Konkordat von 1821 sicherte sein Fortbestehen, unterwarf ihn wieder unmittelbar dem Papst und gab das von Friedrich d. Gr. beanspruchte Wahlrecht dem Kapitel zurück, nur das Bestätigungsrecht dem König belassend. Der erste Bischof nach dem Konkordat war Emanuel von Schimonski (1823-32). Der 1835 gewählte Fürstbischof, Graf Leopold von Sedlnitzky, eine Zierde der Kirche, resignierte 1840, wurde evangelisch und zog sich mit dem Titel eines Staatsrats nach Berlin zurück, wo er 1871 starb. 1841 folgte Joseph Knauer, auf diesen 1845 Melchior, Freiherr v. Diepenbrock, der Kardinal wurde, 1853 starb und Heinrich Förster zum Nachfolger erhielt, welcher 1876 in Preußen entsetzt wurde. Als er 1881 starb, wurde 21. Mai 1882 Propst Robert Herzog sein Nachfolger. Der Sprengel des Bistums erstreckt sich über das ganze preuß. Schlesien (mit Ausnahme von Glatz, das zum Erzbistum Prag, u. vom Kreis Leobschütz, der zum Erzbistum Olmütz gehört), einen Teil von Österreich.-Schlesien u. seit 1821 und 1853 auch über die katholischen Gemeinden von Brandenburg und Pommern. Vgl. Stenzel, Urkunden zur Geschichte des Bistums B. im Mittelalter (Bresl. 1845); Ritter, Geschichte der Diözese V. (das. 1845); Grünhagen und Korn, Regesta episcopatus Vratislaviensis (das. 1864, Teil 1).

2) Herzogtum, der mittlere Teil Schlesiens, stand seit 1163 unter der Herrschaft eines piastischen Hauses, das 1179 auch Niederschlesien (Liegnitz) erwarb. Während in der Folge die mächtigste Linie der Herzöge von Niederschlesien immer in Liegnitz Hof hielt, wurde B. bei den vielfachen Teilungen der Piasten mehrmals Sitz einer Seitenlinie, so 1241-90 und 1311-1327. In letztem Jahr verkaufte Herzog Heinrich VI. von B. sein Land an König Johann von Böhmen. Mit Böhmen kam es 1526 unter österreichische Herrschaft und 1742 im Frieden von B. an Preußen (s. Schlesien, Geschichte).

Breslau (hierzu der Stadtplan), Hauptstadt der preuß. Provinz Schlesien und des gleichnamigen Regierungsbezirks (s. unten), dritte königliche Residenz, liegt unter 51° 7' nördl. Br. und 17° 2' östl. L. v. Gr., 111 m (Höhe am Unterpegel der Oder) über der Ostsee in einer weiten, fruchtbaren Ebene, zu beiden Seiten der Oder, welche hier die Ohle aufnimmt und mehrere Inseln (Sandinsel, Bürgerwerder etc.) bildet. B., das unter den Städten des Deutschen Reichs nach Berlin u. Hamburg die dritte Stelle, unter denen der preußischen Monarchie somit die zweite einnimmt, besteht aus der innern Stadt (früher Alt- und Neustadt) und fünf Vorstädten: der Ohlauer Vorstadt im SO., der Schweidnitzer im S., der Nikolaivorstadt im W., der Oder- und der Sandvorstadt im N., welch letztere aus den ehemaligen Vorstädten Sand- und Dominsel zusammengesetzt ist. Der Bürgerwerder und andre Oderinseln sind der Odervorstadt in administrativer Beziehung zugeteilt. Seit 1. Jan. 1868 sind sieben Ortschaften mit zusammen 14,417 Einw. der Stadt einverleibt worden. Die früher vorhandenen sechs Thore sind gegenwärtig, nachdem die Festungswerke seit 1813 in schattige Spaziergänge umgewandelt worden, nur noch teilweise an den Brückenübergängen kenntlich, welche aus der Innenstadt in die Vorstädte führen. Die Ufer der Oder und der Inseln sind durch 10 eiserne, 5 hölzerne und 3 steinerne Brücken verbunden. Außerdem bestehen 3 große Eisenbahnbrücken, 5 Brücken über den Stadtgraben und 4 Brücken nur für den Personenverkehr.

[Plätze, Straßen.] Die Zahl der öffentlichen Plätze, Straßen und Wege der Stadt beträgt 290. Von den Plätzen verdient vor allen Erwähnung der ziemlich quadratische Hauptmarkt oder der "Ring", zugleich Zentrum der Stadt, auf welchem das alte, mit Erkern und bilderreichen Simsen gezierte Rathaus, das neue Stadthaus, einige Reihen von Privatgebäuden und zahlreiche Verkaufsstellen (ständige "Bauden") sich befinden. Vor dem Stadthaus steht die Reiterstatue Friedrichs d. Gr. (von Kiß, seit 1842), an der Westseite desselben die Reiterstatue Friedrich Wilhelms III. (ebenfalls von Kiß, seit 1861), an der Ostseite des Rathauses die sogen. Staupsäule (einst Pranger). Andre Marktplätze sind: der Blücherplatz (früher Salzring) mit dem ehernen Standbild Blüchers (von Rauch, seit 1827), an der südlichen Seite von dem alten Börsengebäude, welches jetzt Gesellschaftszwecken dient, begrenzt; der Neumarkt (zweitgrößter Marktplatz der Stadt) mit dem Standbild Neptuns (vom Volk Gabeljürge genannt) in einem Springbrunnen; der in der Schweidnitzer Vorstadt belegene Tauenzienplatz mit dem Marmordenkmal des Generals Tauenzien (von Schadow), der die Stadt 1760 gegen die Österreicher unter Laudon glücklich verteidigte; der Museumsplatz mit dem schlesischen Provinzialmuseum und dem kaiserlichen Telegraphenamt; der Palais- oder Exerzierplatz, zwischen dem Neuen Theater, der Promenade, dem Ständehaus, der Reichsbank und dem Südflügel des königlichen Schlosses; der Kaiserin Augusta-Platz mit dem gotischen Siegesdenkmal, dem Realgymnasium zum Heiligen Geist und der neuen königlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule; der Berliner Platz mit großer Fontane, der Platz am Zentralbahnhof, der Königsplatz, Ritterplatz, der Lessingplatz mit dem neuen Regierungsgebäude und großer Turnhalle, der Domplatz mit dem

^[Abb.: Wappen von Breslau.]