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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brest-Litowsk; Bretagne

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Brest-Litowsk - Bretagne.

dann Professor der Physik in Olmütz und 1844 der Mathematik in Wien. 1848 in den Reichstag gewählt, gehörte er auch in Kremsier zur Linken und that sich als Führer der zentralistischen Partei bei den Verfassungsberatungen auch als Redner hervor. Nach dem Staatsstreich vom 6. März 1849 abgesetzt, widmete er sich schriftstellerischen Arbeiten und ward 1856 bei der neugegründeten Kreditanstalt als Sekretär angestellt. 1861 in den niederösterreichischen Landtag gewählt, ward er Mitglied des Landesausschusses und im Mai 1864 des Reichsrats, nach dem Sturz Belcredis 1867 auch wieder des niederösterreichischen Landtags und des Abgeordnetenhauses. Anfang 1868 übernahm er in dem Bürgerministerium das Portefeuille der Finanzen mit der Aufgabe, das Gleichgewicht im Staatshaushalt herzustellen. Aber die Herabsetzung der Zinsen der Staatsschuld in Form einer Erhöhung der Kouponsteuer von 7 aus 10 Proz., die Konversion derselben zur Rentenschuld sowie die Steuererhöhungen halfen nur für den Augenblick und nur scheinbar, der eilig und massenweise betriebene Verkauf vieler Staatsgüter wirkte geradezu schädlich, der Verkauf des Wiener Waldes und die dadurch herbeigeführte Verwüstung desselben beraubte die Hauptstadt einer ihrer schönsten Zierden und beeinflußt auch die Sanitätsverhältnisse Wiens in ungünstiger Weise; daher sah sich B. bald heftig angegriffen. Dennoch trat er im Dezember 1870 auch in das von Hasner gebildete Kabinett und erst im April 1871 mit diesem, durch den Geheimratsrang belohnt, zurück. Seitdem wieder parlamentarisch thätig, zeichnete er sich namentlich im Kampf gegen das Ministerium Hohenwart-Schäffle aus. Trotz mancher Mißgriffe in seiner Verwaltung wußte B. seinen Ruf und Charakter fleckenlos zu erhalten. Er starb 4. März 1881 in Wien.

Brest-Litowsk, befestigte Kreisstadt im russ. Gouvernement Grodno, am Einfluß des Muchawiec in den Bug, wichtiger Knotenpunkt der nach Warschau, Odessa, Moskau und Ostpreußen führenden Eisenbahnen, hat ein Grenzzollamt und (1879) 38,672 Einw., die aus Russen, Polen, Armeniern und Juden (welch letztere hier eine berühmte hohe Schule besitzen) bestehen und beträchtlichen Handel mit Tuchfabrikaten, Juchten, Seife und Holz betreiben. Vor den Thoren steht ein kaiserliches Schloß mit Garten, das einst den Königen von Polen gehörte. B. war früher Hauptstadt einer Woiwodschaft und ist gegenwärtig Sitz eines griechischen und eines armenisch-katholischen Bischofs, unter welchem alle unierten Armenier des russischen Reichs stehen. Zwischen B. und Kobryn, bei dem Dorf Kruptschitz, erfochten die Russen unter Suworow 17. und 18. Sept. 1794 einen glänzenden Sieg über die Polen unter Sierakowski. Die Festungswerke sind seit 1871 bedeutend verstärkt worden.

Bretagne (spr. brötannj; Britannia minor, Aremorica), die große nordwestliche Halbinsel Frankreichs, welche als längliches Dreieck ins Meer hineinragt, dessen Basis sich auf die Normandie, Maine, Anjou und Poitou stützt, und dessen Schenkel vom Kanal und dem Atlantischen Ozean bespült werden, umfaßt 33,888 qkm (615 QM.) und bildete früher unter dem Titel eines Herzogtums eine der Provinzen Frankreichs, die gegenwärtig in die fünf Departements Ille-et-Vilaine, Niederloire, Côtes du Nord, Morbihan und Finistère zerfällt (näheres s. unter den einzelnen Departements). Man teilte die B. auch in die Oberbretagne mit den fünf Bistümern Rennes, Nantes, St.-Malo, Dol und St.-Brieuc und in die Niederbretagne mit den vier Bistümern Vannes, Quimper, St.-Pol de Léon und Tréguier. Die B. bildete im Altertum den Mittelpunkt des aremorischen Völkerbundes, war also von rein keltischen Stämmen bewohnt, zu denen noch im 4. Jahrh. reine Kymrier aus England hinzukamen, die der Halbinsel den Namen gaben und die sich noch heute, vorzugsweise an der Nordküste sitzend, physisch vorteilhaft von den ältern Bewohnern unterscheiden. Das Druidentum herrschte hier absolut und hat zahlreiche Denkmäler hinterlassen. Die altbretonische Sprache, das Breizad, wird noch in vier Dialekten, dem von Vannes (Vannelais), von Quimper (Cornouaillais), von Tréguier (Trécorien) und von St.-Pol de Léon (Léonard), gesprochen, weicht aber mehr und mehr vor dem Französischen zurück (s. Bretonische Sprache und Litteratur). Der Bretagner hat, vielleicht ein Ausdruck seines von Stürmen umbrausten, rauhen Landes, eine melancholische Gemütsstimmung, ein zurückhaltendes Wesen, dabei aber lebhafte, poetische Einbildungskraft, innere Empfindsamkeit und oft große Leidenschaftlichkeit, verborgen hinter äußerer Roheit und Fühllosigkeit; er ist kühner Seefahrer und mutiger Krieger, gastfrei und redlich in den gewöhnlichen Verhältnissen des Lebens, stolz auf seine Abkunft, starr am Alten hangend und im Widerstand ebenso hartnäckig und blind wie furchtlos und unbezähmbar. Daher ist es natürlich, daß die Masse der Landleute noch in rohen Sitten, in Armut und Unwissenheit lebt, daß ihre Industrie auf das Notwendigste beschränkt, das Land aber ein williger Schauplatz ist für hartnäckige Freiheits- und Parteigängerkämpfe. Bei den Chouans (s. d.) der B. fand die große Revolution entschiedenen Widerstand. An eingegangenen Verpflichtungen hält man überall fest. Die Bauern sind meist von kräftiger Gestalt und ausdauernd; sie sind langsam, lieben aber leidenschaftlich den Tanz. Ihre Volkslieder und Volkssagen sind ihnen ans Herz gewachsen; noch zeigt man den Wald Brezilian, der in den bunten Abenteuern der Artussage eine so große Rolle spielt. Heidnisches Wesen und Sitten, Verehrung der Dolmen u. dgl. haben sich allenthalben erhalten; auch ihre mannigfaltigen Kostüme haben viel Altertümliches, wie überhaupt die B. mit ihren Bewohnern in höherm Maß als andre abgelegene Gegenden Frankreichs noch den Eindruck des Mittelalterlichen macht. Doch hat die B. Frankreich nicht wenige bedeutende Männer geliefert: Abälard, Duguay-Trouin, Kératry, Maupertuis, Chateaubriand u. a., namentlich tüchtige Seeleute und Admirale.

Geschichte. B., zuerst Aremorica ("Meerland") genannt, wurde durch Cäsar 57-56 unterworfen und gehörte zu Gallia Lugdunensis. Im 5. Jahrh. wurde die Halbinsel Zufluchtsstätte zahlreicher aus Britannien durch die Angelsachsen vertriebener keltischer Briten und daher auch Britannia (minor oder cismarina) genannt, woraus B. entstanden ist. Nach dem Untergang des weströmischen Reichs waren die Herzöge von B., die auch den Königstitel führten, von Zeit zu Zeit von den fränkischen Königen abhängig. Im 10. Jahrh. hatte das Land von den Einfällen der Normannen zu leiden, deren Herzog Rollo sich 912, als nach Alains d. Gr. Tod (907) die B. in vier Grafschaften zerfallen war, zum Herrn der B. machte. Als 1171 mit Conan IV. die alte einheimische Dynastie im Mannesstamm ausstarb, kam die B. durch Konstanze, die Erbtochter des letzten Herzogs, an deren Gemahl Gottfried, Sohn Heinrichs II. von England, dessen Sohn und Erbe Arthur 1202 von seinem Oheim König Johann ermordet wurde. Nun wurde die B. ein Zankapfel