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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Breton de los Herreros; Bretonische Sprache und Litteratur

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Breton de los Herreros - Bretonische Sprache und Litteratur.

darstellend, die mit Krügen zu der Quelle herabsteigen, ein Bild, das dem oben erwähnten Sonnenuntergang ebenbürtig zur Seite steht. Es folgten 1868 die Kartoffelernte, 1870 die Wäscherinnen in der Bretagne, 1872 die Kuhhirtin, 1875 das Johannisfest, 1877 die Ährenleserin und 1881 die Frau aus dem Artois. 1872 erhielt er die Ehrenmedaille des Salons. B. veröffentlichte 1875 einen Band Gedichte unter dem Titel: "Les champs et la mer".

Breton de los Herreros, Don Manuel, span. Dichter, geb. 19. Dez. 1800 zu Quel in der Provinz Logrono, erhielt seine erste Bildung in Madrid, diente 1814-22 als Freiwilliger im Heer, wurde hierauf im Finanzdepartement angestellt, später Sekretär der Intendanz von Jativa und bald nachher von Valencia, bis die Restauration 1823 den unermüdlichen Kämpfer für Volk und Freiheit vom Staatsdienst entfernte. Erst 1834 ward er wieder bei der Provinzial-Ziviladministration in Madrid angestellt. Er war Bibliothekar an der Nationalbibliothek, bis er 1840 infolge eines Gedichts, das er zu Ehren Esparteros verfaßt hatte, auch dieser Stelle wieder entsetzt wurde. Seitdem ohne öffentliches Amt, starb er in Madrid 13. Nov. 1873. Schon 1837 war er zum Mitglied der königlich span. Akademie ernannt worden. B. ist der bedeutendste und einflußreichste spanische Dichter der ersten Hälfte des 19. Jahrh. und hat namentlich auf dem Gebiet der dramatischen Litteratur eine große Produktivität entwickelt. Kaum 17 Jahre alt, schrieb er das Lustspiel "A la vejez viruelas" (1817) und darauf, da er Beifall fand, noch über 150 Bühnenstücke, teils Originale, teils Bearbeitungen fremder Dramen, sämtlich in Versen. Unter den Lustspielen verdienen "Marcela", "A Madrid me vuelvo", "Toto es farsa en este mundo", unter den historischen Schauspielen "Fernando el emplazado" und "Belido Dolfos" besondere Hervorhebung. Auch als Lyriker und namentlich als Satiriker ist B. berühmt, so besonders durch die Gedichte: "El carnaval" (Madr. 1833), "La hipocresia" (das. 1834), "Epistola moral sobre las costumbres del siglo" (das. 1841), "La desvergüenza" (das. 1858). Eine Sammlung seiner poetischen Werke, von ihm selbst besorgt, erschien zu Madrid (1850-52) in 5 Bänden; eine Auswahl derselben unter dem Titel: "Obras escogidas" zu Paris (1875) in 2 Bänden.

Bretonische Sprache und Litteratur. Das Bretonische (Breizad, franz. bas breton), die alte Sprache der Bretagne, hier und da auch Armorikanisch genannt (von Aremorica, dem alten Namen der Bretagne), ist eine der wenigen keltischen Sprachen (s. d.), die sich bis auf die Gegenwart erhalten haben. Es bildet zusammen mit dem "Welsh" in Wales und dem neuerdings ausgestorbenen "Cornish" in Cornwallis sowie mit der nur aus einer Anzahl alter Inschriften bekannten Sprache der alten Gallier die kymrische oder südliche Gruppe der keltischen Sprachen. Das Herrschaftsgebiet der vier bretonischen Dialekte, von denen der von Léon (s. Bretagne) am wichtigsten und genauesten erforscht ist, beschränkt sich heutzutage auf wenige Departements im westlichen Frankreich, nämlich auf das Departement Finistère und den östlichen Teil der Departements Côtes du Nord und Morbihan. Am nächsten verwandt ist das Bretonische mit dem keltischen Dialekt der englischen Provinz Wales, dem schon genannten "Welsh", sowie mit dem "Cornish", übertrifft aber diese beiden Dialekte noch an Abgeschliffenheit seiner Formen und Wörter und gibt der vergleichenden Sprachforschung manche schwierige Rätsel zu raten auf. Der englische Keltolog J. ^[John] Rhys in Oxford und andre kompetente Beurteiler halten daher das Bretonische für einen Abkömmling der keltischen Dialekte Englands, indem sie sich auf die Nachrichten alter Autoren über wiederholte Einwanderungen aus Großbritannien nach der Bretagne stützen, die etwa im 6. Jahrh. n. Chr. ihren Abschluß erreichten (vgl. Rhys, Lectures on Welsh philology, 2. Aufl., Lond. 1879; Belloguet, Ethnogénie gauloise, Par. 1858-75, 4 Bde.). Um die grammatische und lexikalische Bearbeitung der Sprache haben sich besonders der Pater Gregoire von Rostrenen, L. Lepelletier und vor allen Le Gonidec (gest. 1838) verdient gemacht. Letzterer verfaßte die beste Grammatik (Par. 1807, 3. Aufl. 1850) sowie ein vorzügliches Wörterbuch (Angoulême 1821, St.-Brieuc 1847-50, 2 Bde.) und hat das Bretonische überhaupt erst zur eigentlichen Schriftsprache erhoben. Viele auf das Bretonische bezügliche Abhandlungen enthält die von Gaidoz in Paris redigierte Zeitschrift "Revue Celtique". Die bretonische Litteratur der frühsten Zeit (seit dem 6. Jahrh.) fällt mit der Bardenlitteratur auf den britischen Inseln zusammen. Mehrere der ältesten und ausgezeichnetsten jener Sänger (darunter Gweznou, Taliesin, Sulio) gehörten der Bretagne an, und ihre kräftigen und lebensvollen Poesien, teils historisch-patriotischen, teils religiösen und erotischen Inhalts, waren von nicht geringem Einfluß auf die Dichtung der französischen Trouvères der nachfolgenden Jahrhunderte. Wir erinnern nur an den reichen, von den mittelalterlichen Dichtern so vielfach behandelten Sagenkreis von König Artus (s. d.) und dem Zauberer Merlin, welcher aus den Lais der walisisch-bretonischen Harfner hervorgegangen ist. Zu den bekanntesten altbretonischen Werken gehören die aus dem 13. und 14. Jahrh. stammenden Mysterien: "La vie de sainte Nonne" und "Jésus" (letzteres hrsg. von La Villemarqué, 2. Aufl. 1866). Als im Lauf der Zeit die französische Sprache und Kultur immer entschiedener im Land zur Herrschaft gelangten und das Bardentum allmählich abstarb, wurde auch das Bretonische aus den höhern Schichten der Gesellschaft immer mehr verdrängt; aber das eigentliche Volk hielt an der heimischen Sprache und Poesie, an den nationalen Erinnerungen und Überlieferungen mit um so größerer Zähigkeit fest. Die alten volksmäßig gewordenen Lieder und Sagen wurden fortgesungen und forterzählt, umgedichtet und durch neue, in dem gleichen Geist verfaßte vermehrt und haben sich so in großer Anzahl bis auf unsre Tage erhalten. Um die Bekanntmachung bretonischer Litteraturdenkmäler hat sich in neuerer Zeit besonders La Villemarqué Verdienste erworben, der eine vorzügliche Sammlung bretonischer Volkslieder unter dem Titel: "Barzaz-Breiz" (mit Übersetzung, Anmerkungen, Melodien etc., Par. 1839; 6. Aufl. 1867; deutsch von Hartmann u. Pfau, Köln 1859), außerdem "Contes populaires des anciens Bretons" (1842, 2 Bde.), "Les Bardes bretons" (Gedichte des 6. Jahrh.; 2. Ausg., Par. 1860), "Poèmes bretons au moyen-âge" (mit Übersetzung und Glossar, das. 1879) u. a. veröffentlichte. Die erwähnten Volkslieder sind von hoher Eigentümlichkeit und enthalten ohne Zweifel mehr von echter Poesie als die Überbleibsel der keltischen Bardendichtung jenseit des Kanals. Eine andre Sammlung bretonischer Dichtungen gab Luzel unter dem Titel: "Bepred Breizad" (Morlaix 1865) heraus. Die Legenden und Sagen fanden an Souvestre in dessen "Foyer breton" (Par. 1844) einen verständnisvollen Be-^[folgende Seite]