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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bridgewater; Bridgewaterkanal; Bridgwater; Bridlington; Bridport; Bridscha; Brie; Brief

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Bridgewater - Brief.

der eigentlichen Stadt werden von Villen und Gärten umgeben. Den Trafalgar Square ziert ein Denkmal Nelsons, und auf einer Anhöhe liegt Fort St. Ann's Castle, mit Kasernen. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Bridgewater (spr. briddsch-), Stadt im nordamerikan. Staat Massachusetts, Grafschaft Plymouth, 40 km südlich von Boston, bereits 1642 gegründet, mit Zuchthaus (workhouse), Eisenwerken u. (1880) 3620 Einw.

Bridgewater (spr. briddsch-), Francis Henry Egerton, Graf von, geb. 11. Nov. 1756, war als jüngerer Sohn des Hauses für den geistlichen Stand bestimmt und erhielt nach und nach drei Pfarreien, die er durch Vikare verwalten ließ. 1823 erbte er den Grafentitel und großes Vermögen, lebte fortan in Paris und starb daselbst 12. Febr. 1829. Er war ein großer Sonderling, aber auch ein edler, frommer und gelehrter Mann. Er gab den "Hippolytos" des Euripides (1796), die Oden der Sappho, "Family anecdotes" etc. heraus und vermachte 1825 in seinem Testament dem Britischen Museum seine große Handschriftensammlung und 5000 Pfd. Sterl. zur Vermehrung derselben, außerdem 8000 Pfd. Sterl. der Royal Society zur Herausgabe der "Bridgewaterbücher" (neue Ausg. in Bohns "Scientific library", Lond. 1850 ff.), einer auch ins Deutsche (Stuttg. 1836 bis 1838, 9 Bde.) übersetzten Sammlung naturwissenschaftlicher Werke, welche Gott und seine Schöpfung aus der Erkenntnis der letztern zu bewundern lehren sollte. In dieser Sammlung bearbeitete Buckland die Geologie, Whewell Physik und Astronomie, Prout Chemie und Meteorologie, Roget die vergleichende Physiologie, Bell die menschliche Hand etc.

Bridgewaterkanal (spr. briddsch-), der älteste Kanal Englands, 1758-71 vom Herzog Francis Egerton von Bridgewater nach dem Plan J. ^[James] Brindleys erbaut, verbindet Worsley mit Manchester und Runcorn am Mersey, oberhalb Liverpool, und ist 68 km lang. Den schiffbaren Fluß Irwell überschreitet er auf 12 m hohem Viadukt. Nebenkanäle setzen ihn mit dem Kanalsystem ganz Englands in Verbindung.

Bridgwater (spr. briddsch-), alte Stadt in der engl. Grafschaft Somerset, am Parret, der 15 km unterhalb in den Bristolkanal mündet, hat eine alte gotische Kirche mit schlankem Turm und (1881) 12,024 Einw. Sitz eines deutschen Konsuls. Der Küstenhandel ist lebhaft, und B. allein versorgt ganz England mit "Bath bricks", Scheuersteinen, die aus dem Flußschlamm des Parret hergestellt werden. Südöstlich davon Sedgemoor, wo der als Jakob II. zum König ausgerufene Herzog von Monmouth 1685 geschlagen wurde. Zum Hafen gehören (1884) 124 Schiffe von 7804 Ton. Gehalt.

Bridlington (spr. börlingt'n), Stadt im East Riding von Yorkshire (England), südlich vom Flamborough Head, mit (1881) 8363 Einw. Es ist ein beliebtes Seebad. Dabei eine Mineralquelle und einige intermittierende Quellen, die "Gipsies" genannt.

Bridport, Seestadt in Dorsetshire (England), an der Mündung des Brit in den Kanal, mit (1881) 6795 Einw. Die Stadt hat von alters her Manufakturen von Segeltuch, Schuhschnüren, Netzen und Angelschnüren und betreibt lebhaften Küstenhandel.

Bridscha, Stadt in Marokko, s. Masagan.

Brie (spr. brih), ehemalige franz. Grafschaft, zwischen den Flüssen Seine und Marne gelegen, zerfiel in die B. Française im W. mit reichem Ertrag an Getreide, Wein, Butter und dem auch heute bekannten Käse und die waldreichere B. Champenoise im O. und bildet den größten Teil des Departements Seine-et-Marne. Sie wurde schon früh mit der Champagne vereinigt und kam mit dieser 1335 an die französische Krone. Die ehemalige Hauptstadt B.-Comte-Robert im Arrondissement Melun des genannten Departements, mit Paris durch Eisenbahn verbunden, hat eine Kirche St.-Etienne aus dem 12. Jahrh., Ruinen des Schlosses der Grafen von B. und (1876) 2685 Einw., welche Fabrikation von Kerzen, Stahlfedern, Hüten und Branntwein, dann Handel mit Getreide und Käse treiben.

Brief (v. lat. breve, "kurzes Schriftstück"), schriftliche Mitteilung an abwesende Personen, also dem innern Wesen nach ein Surrogat für das Gespräch. Die Anzahl und Mannigfaltigkeit der Anlässe für briefliche Mitteilungen ist so unbegrenzt, daß eine erschöpfende Klassifikation der Briefe ganz unmöglich ist. Beispielsweise erwähnen wir: Geschäftsbriefe, freundschaftliche Briefe, Liebesbriefe, vertrauliche Briefe, d. h. solche, deren Inhalt nicht für Dritte bestimmt ist (in England meist mit der Überschrift "Private" versehen oder als "confidential" bezeichnet); Kondolenzbriefe, welche den Ausdruck der Teilnahme an einem Todesfall oder sonstigen traurigen Ereignis enthalten; Gratulationsbriefe, Ermahnungsbriefe, Geldbriefe, Dankbriefe, Drohbriefe, ostensible Briefe, d. h. solche, die dazu bestimmt sind, andern gezeigt zu werden; Steckbriefe (s. d.) etc. Offener B. (in einigen Fällen Epistel) wird ein für den Druck oder die Öffentlichkeit geschriebener B. genannt, der sich entweder nur der Form nach an eine bestimmte Persönlichkeit wendet, oder einen Angriff auf dieselbe enthält, wie überhaupt die Briefform ihrer Zwanglosigkeit wegen von alters her bei Schriftstellern aller Nationen beliebt ist. Das besondere Wesen des Briefstils beruht in der Natürlichkeit und der an den Charakter des Gesprächs erinnernden Unmittelbarkeit des Gedankenausdrucks. Tritt die schriftliche Mitteilung aus diesem Kreis hinaus, so wird sie, falls sie einen formellen oder amtlichen oder gelehrten Charakter annimmt, zum Schreiben oder Sendschreiben. Regierende Fürsten schreiben als solche keine Briefe an Standesgeringere, sondern erlassen Handschreiben. Kurze Briefe, ohne Beachtung der Briefformen an Personen in der Nähe gerichtet, heißen Billets. Ferner regelt die Kourtoisie alle herkömmlichen Titulaturen und Formeln und bestimmt Format, Zusammenlegung, Kouvert und Siegel des Briefs. Anweisung hierzu findet man in den sogen. Briefstellern oder Briefformularen.

Wenn auch geschichtliche Nachweise fehlen, so ist doch als unstreitig anzusehen, daß man Briefe schrieb, seitdem überhaupt die Schreibkunst bekannt war. Das Material, auf welchem in ältester Zeit geschrieben wurde, bestand in Holz- oder Steintafeln; bei den alten Ägyptern wurde nachweislich Jahrtausende vor Christo die Staude der Papyruspflanze zum Briefschreiben benutzt. Die Kopie eines alten Reliefs aus Benihassan von 2000 v. Chr., welche das Berliner Postmuseum aufbewahrt, zeigt, wie ein Diener dem Chef der Provinz eine Papyrusrolle, den Anmeldebrief asiatischer Einwanderer, überreicht. Inder und Chinesen benutzten schon frühzeitig Palmblätter zum Schreiben; der älteste historische B. soll derjenige sein, den der Inderkönig Strabrobates der Königin Semiramis übersandte. Urkundlich beglaubigt ist ferner die Absendung eines Briefs von David an Joab, den Urias bestellte (2. Sam. 11, 14), und bei den Griechen der des Königs Prötos von Argos, welcher dem Bellerophontes an den König von Lykien mitgegeben ward. Aus der Überlieferung im sechsten Gesang der