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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brieger; Briegleb; Brielle; Brienne

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Brieger - Brienne.

dem böhmischen Herzog Bretislaw II. zerstört, kommt aber 1250 wieder vor als einer von den schlesischen Orten, welche vom Herzog Heinrich III. von Breslau das deutsche Stadtrecht erhielten. Bei der Teilung des Herzogtums Breslau 1311 wurde die Stadt Residenz des ersten Herzogs von B., Boleslaw, und galt seitdem als eine ziemlich starke Festung, welche im ersten Schlesischen Krieg 4. Mai 1741 von den Preußen und 16. Jan. 1807 von den mit Napoleon I. verbündeten Bayern erobert ward. Napoleon ließ die Festungswerke sprengen, die seitdem in Promenaden- und Gartenanlagen verwandelt sind. -

2) (Brig, franz. Brigue) Dorf im schweizer. Kanton Wallis, 684 m ü. M., Hauptort des gleichnamigen Bezirks (1200 Einw.), mit dem nahen Glys (Gliß) am Austritt der Saltine in das Rhônethal und am Fuß der Simplonstraße gelegen, Endstation der Ligne d'Italie (Eisenbahn vom Genfer See über Sion) und Beginn der Postroute über den Simplon, hat eine Zeitlang (schon im 15. Jahrh.) als Badeort einen Namen gehabt. Die Therme, der von Leuk ähnlich, nur schwächer, vermischt sich oft mit dem Flußwasser und konnte nie zu größerer Geltung gelangen.

Brieger, Theodor, protest. Theolog, geb. 4. Juni 1842 zu Greifswald, habilitierte sich in Halle, wurde 1876 ordentlicher Professor der Theologie zu Marburg. Er schrieb: "De formulae Ratisbonensis concordiae origine etc." (Halle 1870); "Gasparo Contarini und das Regensburger Konkordienwerk" (Gotha 1870); "Konstantin d. Gr. als Religionspolitiker" (das. 1880); "Die angebliche Marburger Kirchenordnung von 1527" (das. 1881). B. gibt seit 1877 die "Zeitschrift für Kirchengeschichte" heraus.

Briegleb, Hans Karl, ausgezeichneter Prozessualist, geb. 1. Mai 1805 zu Baireuth, studierte zuerst Theologie, dann die Rechte und widmete sich in Nürnberg der Advokatur, wo er auch sein epochemachendes Werk "Über exekutorische Urkunden und Exekutivprozeß" (Nürnb. 1839, 2 Tle.; 2. Aufl. 1845) veröffentlichte. 1842 wurde er zum ordentlichen Professor der Rechte in Erlangen ernannt. Hier edierte er aus Durantis' "Speculum" des Johannes Faxiolus Traktat "De summaria cognitione" (Erlang. 1843), dessen Originaltext erst später von Steffenhagen in Königsberg und andern entdeckt wurde. Nach Bergmanns Tod (1845) folgte er an dessen Stelle einem Ruf nach Göttingen. In der hannöverschen Ständeversammlung von 1849 war er Mitglied der Ersten Kammer und Vorsitzender der Adreßkommission zur Beantwortung der Thronrede. In Göttingen schrieb er: "Rechtsfälle zum akademischen Gebrauch" (Götting. 1848 u. 1850, 2 Hefte); "Einleitung in die Theorie der summarischen Prozesse" (Leipz. 1859); "Vermischte Abhandlungen" (Erlang. 1868, Bd. 1). Er starb 5. Sept. 1879 in Göttingen. B. hat sich um die historische Begründung der Theorie des Zivilprozesses und um die Bekanntmachung der mittelalterlichen Prozeßlitteratur hohe Verdienste erworben.

Brielle (Briel), befestigte Stadt in der niederländ. Provinz Südholland, am Ausfluß der Maas, aus der Insel Voorne, hat 4 Kirchen, darunter die Peterskirche mit Leuchtturm und schönem Glockenspiel und die Katharinenkirche mit dem schönen Grabmal des Admirals Almonde, ein Stadthaus, Waisenhaus, einen geräumigen Hafen und (1883) 4562 Einw., welche sich von Fischfang, Handel und als Lotsen nähren. B. wurde 1. April 1572 von den Meergeusen genommen und so der Kampf gegen die spanische Herrschaft begonnen. Es ist Geburtsort mehrerer Seehelden, wie Tromps, Blois v. Teslongs, de Wittes, Almondes.

Brienne (B. le Château, spr. briän), Stadt im franz. Departement Aube, Arrondissement Bar sur Aube, an der Ostbahn, hat (1876) 1860 Einw. Die durch Napoleons I. Aufenthalt daselbst weltberühmt gewordene Militärschule von B. wurde 1790 aufgehoben. Napoleon I. hinterließ der Stadt ein bedeutendes Legat, welches zum Bau eines Stadthauses, zur Anlage eines Platzes vor demselben mit Bronzestatue des Kaisers und zu Restaurierungszwecken verwendet wurde. - Das Schloß B. (welches bei der Schlacht 1814 abbrannte) wird zuerst im 10. Jahrh. als Sitz der Grafen von B. (Briona), eines berühmten Geschlechts, genannt (s. unten). Bekannt ist B. durch das Gefecht vom 29. Jan. 1814 geworden, das erste, welches die Alliierten Napoleon auf französischem Boden lieferten. Auf dem Marsch zum Plateau von Langres, wo die Vereinigung mit der Hauptarmee unter Schwarzenberg stattfinden sollte, war Blüchers Heer bis B. gekommen und eben im Begriff, mit den Vortruppen die Stadt zu besetzen, als es um Mittag von den überlegenen Streitkräften Napoleons angegriffen wurde, der Blücher zurückwerfen und dadurch die Vereinigung der beiden feindlichen Heere vereiteln wollte. Doch gelang es Blücher, die noch zurückgebliebenen Truppenteile heranzuziehen und in hartem Kampf die in die Stadt eingedrungene französische Reiterei wieder hinauszuwerfen. Beim Eintritt der Dunkelheit schien das blutige Gefecht beendet zu sein, und Blücher nahm schon Besitz vom Schloß von B., als er dort plötzlich von den Franzosen aufs neue angegriffen wurde, so daß er und Gneisenau sich kaum retten konnten. Der Feind, vor welchem auch Sacken den Ort hatte räumen müssen, wurde zwar wieder zurückgeworfen, und Blücher blieb, nachdem bis in die tiefe Nacht gekämpft worden war, im Besitz der Stadt, während die Franzosen das Schloß behaupteten; doch entschloß sich Blücher nach Mitternacht zum Rückzug, nachdem auf jeder Seite gegen 3000 Mann gefallen waren. Fast unverfolgt nahm er seinen Rückzug gegen Bar sur Aube, um unmittelbar darauf mit einem Teil der Hauptarmee vereinigt wieder vorzurücken. Drei Tage nach dem Gefecht bei B. stand er bei La Rothière (s. d.) aufs neue Napoleon gegenüber.

Brienne (spr. briän), 1) Jean de, Erards II., Königs von Cypern, Sohn, ward 1209 durch die Heirat mit der Erbtochter Konrads von Montferrat König von Jerusalem, versuchte 1217 auf dem Kreuzzug des Königs Andreas von Ungarn vergeblich, sich des Königreichs zu bemächtigen, und führte seit 1229, wo Kaiser Friedrich II. sich die Krone von Jerusalem aussetzte, bloß noch den Titel. 1231 zum Kaiser des lateinischen Reichs in Konstantinopel erwählt, schlug er 1235 die Bulgaren zurück und starb 1237.

2) Gautier (Walter) von, Bruder des vorigen und anfangs dessen Waffengefährte in Palästina, vermählte sich mit Maria, der ältesten Tochter Tancreds von Lecce, der 1189-94 sich des Königreichs Sizilien bemächtigt hatte, und ward 1200 von Papst Innocenz III. mit dem Fürstentum Tarent und der Grafschaft Lecce belehnt, kämpfte mehrere Jahre mit den hohenstaufischen Rittern, siegte bei Cannä, wurde aber zuletzt bei der Belagerung von Sarno von dem Markgrafen Diepold von Vohburg gefangen und starb im Burgverlies an den empfangenen Wunden 11. Juni 1205.

3) Gautier IV. von, genannt der Große, des vorigen nachgeborner Sohn, erhielt vom König Hugo I. von Cypern die Hand seiner Tochter Maria und die Grafschaft Jaffa, fiel aber 1244 in der Schlacht bei