Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brille

430

Brille.

dern eben (plankonkav). Auch Gläser, die auf einer Seite hohl, auf der andern konvex (konkav-konvex) geschliffen sind (die sogen. periskopischen Gläser), können als Sammellinsen dienen, wenn ihre konvexe Fläche einen kleinern Radius hat als die konkave, also ihre Wölbung stärker ist als ihre Höhlung, wie dergleichen Gläser auch zerstreuend wirken, wenn ihre konkave Fläche einen kleinern Radius hat als die konvexe, also ihre Höhlung stärker ist als ihre Wölbung. Die Art der Wirkung der Konkavlinse auf das kurzsichtige Auge erhellt aus der schematischen Fig. 5, in welcher B die brechenden Medien des Auges darstellt, auf welche die parallelen Strahlen nach der Brechung durch die Linse L divergent auffallen und deshalb auf der Netzhaut C vereinigt werden können. Man bedient sich zur Bezeichnung des Grades der Kurzsichtigkeit der Brüche, ebenso wie man bei optischen Berechnungen die Linsen durch Brüche ausdrückt, deren Zähler 1 ist, und deren Nenner die betreffende Brennweite des Glases in Zollen bildet. Mit Hilfe der Konkavlinse, deren negative Brennweite in 12 Zoll Entfernung liegt, also der Linse 1/12, wird der Fernpunkt ebenso weit für das an Myopie 1/12 leidende Auge hinausgerückt, wie er für das normale Auge liegt, und es können nun sehr entfernte Objekte deutlich gesehen werden. Zugleich mit dem Fernpunkt wird aber auch der Nahepunkt, d. h. der Punkt, bis zu welchem man kleine Gegenstände dem Auge nähern darf, um sie noch scharf zu sehen, abgerückt, und der Kurzsichtige wird daher, wenn er durch eine Zerstreuungslinse sieht, beim Sehen in der Nähe die Gegenstände nicht nur nicht mehr so nahe zu bringen brauchen als ohne jene, sondern auch nicht so nahe bringen dürfen, weil er sonst sein Anpassungsvermögen ungebührlich in Anspruch nehmen und das Auge ermüden würde. Der Grad der Weitsichtigkeit wird bestimmt, wenn man den Nahepunkt als Nenner eines Bruches mit dem Zähler 1 ansetzt und diese von dem Bruch 1/8 abzieht. Liegt der Nahepunkt in 12 Zoll Abstand, so ist die Weitsichtigkeit = 1/8 - 1/12 = 1/24. Das Konvexglas 1/24 bringt den Nahepunkt auf ungefähr 8 Zoll Abstand. Fig. 6 zeigt die Wirkung der Sammellinse L auf konvergente Strahlen: dieselben fallen nach der Brechung parallel in das weitsichtige Auge, können daher auf der Netzhaut C vereinigt werden, während sie ohne die Linse, wie die schraffierten Linien zeigen, zerstreut auffallen müßten. Betreffs der Benennung ist zu bemerken, daß die den Gläsern eingeschliffenen Nummern nicht ganz ihrer Brennweite entsprechen, sondern dem Radius der Schleifschale, auf der sie angefertigt sind; die eigentliche Nummer müßte ein wenig kleiner sein. Eine Neuerung in dieser Bezeichnung ist durch Einführung des Metermaßes statt der verschiedenen (preußischen, rheinischen, Pariser) Zollmaße entstanden. Früher galt als Einheit die Brennweite von 1 Zoll, jetzt die Brennweite von 1 m; sie führt den Namen der Dioptrie (D). D entspricht der alten Linse 1/40, und die Reduktion des alten Maßes (a) auf das neue (n) ist demnach höchst einfach a x n = 40, z. B. das alte Glas 8 (von 1/8 Zoll) entspricht 40/8, d. h. 5 D des Metermaßes; 1/20'' = 2 D, 1/13'' = 3 D, 1/10'' = 4 D etc.

Bezüglich der Anwendung der Sammel- und Zerstreuungslinsen gelten folgende allgemeine Regeln: Der Kurzsichtige hat ein Glas zu tragen, welches die schwächste konkave Linse darstellt, die seinem Auge ein vollkommen genaues Sehen auf weitere Entfernungen gestattet; jedes schärfere Glas wirkt schädlich auf das Auge. Er hat bei geringern Graden der Myopie die B. während des Lesens und Schreibens abzusetzen oder, falls er die B. hierbei benutzt, das Sehobjekt auf ungefähr 30 cm entfernt zu halten. Der Weitsichtige hat die stärkste Konvexlinse zu gebrauchen, welche seinem Auge noch ein vollkommen gutes Sehen auf weite Entfernungen erlaubt. Der Presbyopische muß mit verschiedenen Konvexgläsern ausgerüstet sein, nämlich mit ganz starken für die nächsten und weniger starken für etwas entferntere Objekte.

Andre Anforderungen hat man an die B. zu stellen, wenn man den fehlerhaften Zustand des Auges korrigieren will, den man Astigmatismus nennt. Diese Anomalie beruht auf einer fehlerhaften Krümmung der Hornhautfläche und zwar nicht in ihrer Totalität, sondern in einzelnen Meridianen. Die Lichtstrahlen, welche auf diese Stellen fallen, werden in fehlerhafter Richtung gebrochen, so daß auf der Netzhaut zerstreute Bilder entstehen, die bei höhern Graden des Astigmatismus erheblich störend wirken. Die undeutlichen Bilder dieser Art lassen sich, besonders wenn zwei einander rechtwinkelig kreuzende Meridiane, z. B. der vertikale und horizontale, eine sehr abweichende Krümmung haben, dadurch korrigieren, daß man entweder dem zu stark gekrümmten Meridian durch Vorsetzen eines entgegengesetzt gekrümmten Glases entgegenwirkt, oder die Brechung des zu schwach gekrümmten durch ein gleichartig gekrümmtes Glas vermehrt. Dies ist die Wirkungsweise der cylindrischen Brillen, deren Krümmungsflächen nach der Oberfläche einer Walze, eines Cylinders geschliffen sind, während die der Konkav- oder Konvexgläser Kugelabschnitte darstellen. Auch lassen sich die cylindrischen Gläser mit je einem dieser letztern kombinieren, indem sie gleichzeitig erhaben oder vertieft ausgeschliffen werden. Die Auswahl dieser Brillen geschieht durch den Augenarzt mittels einer Probierbrille, welche in festem Gestell Drehung der Gläser zuläßt.

^[Abb.: Fig. 4. Linsenformen. Bikonvex, Plankonvex, Konkav-konvex, Bikonkav, Plankonkav, Konvexkonkav.]

^[Abb.: Fig. 5. Wirkung der Konkavlinse auf das kurzsichtige Auge.]

^[Abb.: Fig. 6. Wirkung der Konvexlinse auf das weitsichtige Auge.]