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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brillensteine; Brillenvogel; Brillieren; Brilon; Brimborium; Brinckmann; Brindisi

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Brillensteine - Brindisi.

gereizt wird. Alsdann richtet sie sich empor und bläht den Hals auf, welcher nun einem Schild oder Hut ähnlich wird (daher Cobra di capello). Sie nährt sich vorzugsweise von Kriechtieren und Lurchen, jagt aber auch Mäuse, Ratten und junge Hühner und plündert Vogelnester. Sie schwimmt und klettert gut und ist besonders in der Abenddämmerung thätig. Es scheint, als wenn die Geschlechter eng zusammenhielten. Das Weibchen legt bis 18 weiße Eier von der Größe der Taubeneier. Die B. beißt nur, wenn sie gereizt wird; ihr Biß ist höchst gefährlich und tötet kleinere Tiere in wenigen Minuten, Menschen oft erst nach einigen Stunden. Das Gift wirkt am heftigsten, wenn es direkt ins Blut gebracht wird, aber auch von Schleimhäuten und vom Magen aus. Die Furcht vor der B. ist in einigen Gegenden so groß, daß man Nahrungsmittel an ihren Aufenthaltsort trägt, um sie von den Wohnungen entfernt zu halten. Die Hindu bringen ihr Opfer, ja sie erweisen ihr in den Tempeln göttliche Ehre. Gaukler und Brahmanen hingegen richten sie zu allerlei Kunststücken ab und gewöhnen sie, unter Gesang zu tanzen. Bisweilen werden ihr zu diesem Zweck vorher die Giftzähne ausgebrochen, meist beruht aber die Sicherheit der Gaukler auf einer genauen Kenntnis der Gewohnheiten der Schlange. Gegen den Biß gebrauchen die Eingebornen ein Geheimmittel der Brahmanen, den "Schlangenstein", ein Kunstprodukt, welches sich fest an die Wunde ansaugt und wie ein Schröpfkopf wirkt. Er besteht im wesentlichen aus gebrannten Knochen. Auch die Aristolochia indica wird als Gegengift gerühmt, doch scheinen die meisten gebissenen Menschen dem Gift zu erliegen. In den Jahren 1860-68 konstatierte die Behörde in Bengalen 9232 durch Giftschlangen herbeigeführte Todesfälle, wobei namentlich die B. in Betracht kommt. In neuerer Zeit behandelt man mit großem Erfolg die Wunden mit Ammoniak und gibt innerlich sehr große Dosen Alkohol. Die ägyptische B. (Uräusschlange, Ara, Kleopatraschlange, Haie, Speischlange, N. Haie Merr.), über 2 m lang, auf der Oberseite strohgelb mit breiten, dunkeln Querbändern in der Halsgegend, auf der Unterseite lichtgelb, variiert aber sehr in der Farbe. Sie findet sich in ganz Afrika, lebt in Höhlungen, unter Gestein und Trümmern, im Wald, in der Steppe und in der Wüste. Für gewöhnlich flieht sie vor dem Menschen, stellt sich aber zur Wehr, sobald man ihr gegenübertritt. Sie nährt sich von Mäusen, Vögeln und deren Brut und von Reptilien, schwimmt und klettert sehr gut, bläht beim Angriff ebenfalls den Hals auf und speit auf Entfernung von 1 m gegen den Angreifer, dabei immer nach den Augen zielend. Der giftige Speichel wirkt ätzend. Die ägyptischen Gaukler wissen dieses gefährliche Reptil zu zähmen und zu Kunststücken zu dressieren. Durch einen Druck mit der Hand auf den Nacken und Kopf der Schlange versetzen sie dieselbe in eine Art von Starrkrampf, daß sie sie wie einen Stock hin- und herschwingen können, wie wahrscheinlich die Zauberer schon zu Pharaos Zeiten thaten. Die alten Ägypter ehrten diese Schlangen als die Beschützer ihrer Felder und bildeten sie häufig ab an beiden Seiten einer Erdkugel. Sie hieß bei ihnen Ara, bei den Griechen und Römern Aspis. Der Held Ra, die Mittagssonne, trägt die Uräusschlange an seinem Diadem, und ebenso fehlt sie wegen ihrer schnellen Macht über Leben und Tod an keinem Diadem der Pharaonen. Oft dienten sie zum Hinrichten von Verbrechern und herkömmlich zum Selbstmord, da die nächste Wirkung des schnell tötenden Bisses eine schmerzlose Betäubung sein sollte und der Glaube allgemein war, daß kein andres Mittel den Menschen leichter vom Leben befreien könne. Auch Kleopatra soll diese Schlange benutzt haben.

Brillensteine, s. Mergel.

Brillenvogel, s. Eulen.

Brillieren (franz., spr. brilj-), glänzen, schimmern, sich im Glanze zeigen.

Brilon, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, an der Ahe, die bald verschwindet, dann als Möhne hervorkommt, 7 km von der Eisenbahnstation B.-Korbach (Schwerte-Scherfede), hat 1 evangelische und 2 kath. Kirchen (darunter die uralte Pfarrkirche mit vielen Reliquien), Amtsgericht, Bergrevier, ein katholisches Gymnasium, chemische, Pfeifenfabrik, Bergbau und Hüttenbetrieb, eine Wasserleitung und (1880) 4304 Einw. (255 Evangelische). Das aus Grauwackenkalkstein bestehende Plateau von B., das Einlagerungen von Galmei-, Blei- und Eisenerzen enthält, erreicht in seinen bewaldeten Kuppen bis 636 m Höhe. B., eine der ältesten deutschen Städte und öfterer Aufenthaltsort Karls d. Gr., gehörte als Lehen des Bistums Paderborn den Grafen von Waldeck, wurde 1184 befestigt und kam Anfang des 13. Jahrh. an das Erzstift Köln. Lange Zeit Hauptstadt des Herzogtums Westfalen, nahm es besonders durch den Beitritt zur Hansa erheblichen Aufschwung, sank aber mit dem Verfall derselben gleichfalls und hat erst in neuerer Zeit sich wieder gehoben. Vgl. Becker, Geschichtliche Nachrichten über B. (Brilon 1869).

Brimborium (franz.), unwesentliches An- oder Umhängsel einer Sache, Lappalie, Krimskrams; auch s. v. w. Umschweife, Redensart etc.

Brinckmann, Karl Gustav von, schwed. Diplomat und Dichter, geb. 24. Febr. 1764 im Kirchspiel Brännkyrka bei Stockholm, studierte zu Upsala, Halle, Leipzig und Jena, wurde 1791 Kabinettssekretär in Stockholm, 1792 Sekretär der schwedischen Gesandtschaft in Dresden und 1798 Geschäftsträger zu Paris. Nach dem 18. Brumaire 1801 als Geschäftsträger nach Berlin berufen, begleitete er den preußischen Hof auf seiner Flucht nach Ostpreußen (1807), ging dann 1808 als schwedischer Gesandter nach London und kehrte 1810 nach Stockholm zurück, wo er fortan als Hofkanzler und Mitglied des Kollegiums zur Beratung der allgemeinen Reichsangelegenheiten thätig war. Er starb 10. Jan. 1848. B. war auch Mitglied der schwedischen Akademie der Wissenschaften und seit 1835 in den Freiherrenstand erhoben. Unter den Dichtern Schwedens hat er sich einen Namen erworben, vielleicht weniger durch sein großes, mit dem höchsten Preis der schwedischen Akademie belohntes Gedicht "Snillets verld" ("Die Welt des Genies", 1822) als durch seine "Tankebilder" und andre in seine "Vitterhets-Försök" (Stockh. 1842, 2 Bde.) aufgenommene Stücke. Vor allem verdient seine reine Diktion gerühmt zu werden.

Brindisi (ital.), das Zutrinken, die jemand zugetrunkene "Gesundheit"; dann auch wohl s. v. w. Trinklied. Nach den besten Kennern handelt es sich dabei um den deutschen Landsknechtstrinkspruch: "Ich bring' dir sie" (nämlich die Schale Weins), und aus dem Italienischen ist derselbe in fast alle romanischen Sprachen übergegangen, in die spanische, portugiesische und französische, welch letztere tautologisch "porter des brindes" hat.

Brindisi (das alte Brundusium), wichtige See- und Hafenstadt in der ital. Provinz Lecce am Adriatischen Meer, der einzige auch den Anforderungen der Neuzeit völlig genügende Naturhafen an der