Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Britisch-Birma

439

Britisch-Birma.

bene Landschaft wieder und erbaute nördlich vom Hadrianswall einen neuen, halb so langen Wall mit 10 Kastellen in dem tiefern natürlichen Einschnitt zwischen dem Clyde und Firth of Forth (Piuswall).

Septimius Severus, der 211 in Eboracum starb, und Caracalla gaben die nördliche Grenze wieder aus und stellten den Hadrianswall wieder her. Der Menapier Carausius, ein römischer Befehlshaber, nahm, durch sächsische und fränkische Krieger unterstützt, 287 den Kaisertitel in B. an und herrschte, vom Kaiser Maximian anerkannt, kraftvoll sieben Jahre lang, bis er von seinem Genossen Alectus gestürzt ward, der selbst wieder dem Constantius Chlorus (296) gegenüber unterlag. Nach des letztern Tod zu Eboracum (306) ward dessen Sohn Flavius Constantinus d. Gr. in B. zuerst zum Kaiser ausgerufen. Bald nach seinem Tod (337) begannen die Einfälle der Pikten und Skoten von Norden her, die selbst nach dem großen Sieg, den Theodosius, der Vater des Kaisers Theodosius d. Gr., 368 über beide Völker erfocht, fortdauerten. Da nun auch Gegenkaiser in B. auftraten, die, wie Maximus (hingerichtet 388) und Konstantin (ermordet 411), ihre Herrschaft selbst über Gallien ausdehnten, so gab endlich Kaiser Honorius die römische Herrschaft über B. ganz auf. Als der römische Feldherr Aetius 446 den Briten seinen Beistand verweigerte, rief Vortiger, ein britischer Fürst in Kent, die Sachsen zu Hilfe, welche sich seit 450 in B. festsetzten (s. Angelsachsen). - Als römische Provinz wurde B. anfangs eingeteilt in Britannia inferior (das südliche B.) und Britannia superior (das nördliche); Diokletian bildete die Provinzen Britannia prima, B. secunda, Flavia Caesariensis, Maxima Caesariensis und Valencia, der nördlichste Teil zwischen den beiden Wällen, stets ein unsicherer Besitz. Hauptmittelpunkte des Verkehrs waren unter der römischen Herrschaft Londinium (London) und Eboracum (York). Vgl. Camden, Britannia (1586 u. öfter); Horsley, Britannia romana (1732); Scarth, Roman Britain (1883).

Britisch-Birma, blühende Provinz des indobrit. Kaiserreichs, in Hinterindien, ist gebildet aus ehemaligen Teilen des Reichs Birma, nämlich aus den bereits 1826 erworbenen Küstendistrikten Arakan und Tenasserim, und dem dazwischenliegenden, 1852 den Birmanen abgenommenen Bezirk Pegu (s. Karte "Hinterindien"), und erstreckt sich längs des Ostrandes der Bai von Bengalen von 10 bis 20½° nördl. Br., dann in wechselnder Breite zwischen 92 und 99° östl. L. v. Gr. Die Grenzstaaten sind im O. Birma, dann bis zum Sitang Karenien und von da an Siam. Alle Gebirge haben die Richtung nach S. Die Berge des Küstendistrikts Arakan setzen sich bis zum Kap Negrais fort; die Pegu-Yomanberge ziehen, bis 670 m sich erhebend, schroff und steil zwischen Irawadi und Sitang und erstrecken sich in ihren Ausläufern bis Rangun; ein Zweig des Punlung-Grenzgebirges ist zwischen Sitang und Salwen vorgeschoben. Unter den Flüssen ist der Koladin der nördlichste; er mündet bei Akyab ins Meer und ist an 82 km fahrbar für Schiffe von 300-400 Ton. Der Irawadi ist mit Dampfern fahrbar bis Bhamo, weit über das britische Gebiet hinaus; sein Lauf auf englischem Gebiet beträgt 386 km. Das Thal wird zu einer breiten, überaus fruchtbaren Ebene. Oberhalb Henzadah beginnt die Gabelung und Deltabildung; Bassein liegt am westlichen, Rangun am östlichen Arm des Delta. Der Sitang hat einen reißenden Lauf und viele Untiefen; herabgeschwemmte Baumstämme machen ihn schon für Boote schwierig, für Dampfschiffe ganz unfahrbar. Dazu kommt, daß die Einfahrt vom Meer durch die heftige Bore erschwert wird, welche durch das Zusammentreffen der Flut von SW. vom Indischen Ozean her und von SO. der Tenasserimküste entlang entsteht und an 60 km weit bis Swegyen sich fühlbar macht. Die Küste ist mit einer fruchtbaren Alluvialschicht, untermischt mit Sand, dunklem Sandstein, Gneis, Schieferthon, weiter südlich mit Basalt bedeckt; nur stellenweise ist sie rauh und arm an Häfen. In Arakan sind die wichtigsten Hafen- und Seeplätze Akyab und Kyukpyu; in Pegu Bassein, Rangun; in Tenasserim Maulmain, Amherst, Tavoy, Mergui. Das Klima ist warm, feucht und erschlaffend, aber längs der Küste nicht ungesund.

Die Regenmenge beträgt 6,5 m in Sandowai an der Küste von Arakan, aber nur 1, 2 m in Prome am Irawadi im Innern von Pegu; die mittlere Jahrestemperatur längs der Küste ist 26,2-26,8° C. Ein Drittel des Landes wird als kultivierbar betrachtet; hiervon steht etwas mehr als ein Zehntel in wirklicher Kultur. Die Hauptprodukte sind: Reis, Gemüse, ölhaltige Sämereien, Gewürz, Tabak, Baumwolle, Zucker; Indigo wird wenig gebaut; der Anbau von Thee ist in Arakan mit gutem Erfolg versucht worden. Groß ist der Reichtum des Landes an Fruchtbäumen und Nutzhölzern, besonders an Teakholzwäldern, die streng forstmännisch behandelt werden. Die Provinz besitzt auch ergiebige Zinnbergwerke im Merguidistrikt (Tenasserim), welche aber zur Zeit noch wenig ausgebeutet werden.

Die Provinz zählte 1881 auf 231,024 qkm (4195,6 QM.) 3,736,771 Einw. Eine außerordentlich große Zahl neuer Ansiedler kam unter der englischen Herrschaft ins Land: 1 Mill. aus dem unabhängigen Birma, um sich dem großen Druck ihres Königs zu entziehen; 337 aus dem Deutschen Reich, 52 aus Österreich-Ungarn, 388 aus Italien, 408 aus Schweden und Norwegen, 11,314 aus China. Die einheimische Bevölkerung besteht zum allergrößten Teil aus Birmanen, ferner aus Karen, Schan etc. Der Religion nach zählte man 3,251,584 Buddhisten, 88,177 Hindu, 168,881 Mohammedaner, 84,219 Christen (darunter 6808 Europäer), 143,581 Fetischanbeter, 204 Juden, 83 Parsi. Die Birmanen werden als ein nicht unschöner Menschenschlag geschildert, mit Gesichtszügen, die denen der Chinesen ähnlich sind; ihre durchschnittliche Größe beträgt 1,65 m. Sie sind offenen Charakters, gastfreundlich und lieben die Musik. Der Anzug entspricht dem Klima: ein langes Stück Zeug, das um die Hüften und Beine geschlungen wird, ist das unentbehrlichste Kleidungsstück; je nach Stand und Beschäftigung trägt man außerdem Röcke von Musselin oder Seide; bei Wohlhabenden ist der Anzug reich und Schmuck aller Art (bei Armen Tand) angebracht. Die Karen sind kleiner und schmächtiger, aber von Gestalt wohlgebildet und, wie alle Bergbewohner, sehr behend; ihre Gesichtsfarbe ist blaßgelb. Sie tragen einen weiten, weißen Rock aus Baumwolle ohne Ärmel, die Männer darunter Hosen, die Frauen meist blaue Röcke; das Haar ist, wie bei den Birmanen, bei beiden Geschlechtern lang und in Knoten geschürzt oder mit Bändern verflochten. Die Schan sind von untersetzter Figur und ohne Zweifel von derselben Abstammung wie die andern Reste von Urbewohnern im nördlichen Hinterindien; sie sind geborne Handelsleute. Die Sprache ist, wie die Bevölkerung, keine einheitliche; in Pegu ist das Birmanische vorherrschend, in Arakan hört man daneben Bengali und Hindostani, in Tenasserim Taling, in den Häfen außerdem Englisch, südindische Sprachen und Chinesisch.