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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brockmannen; Brockton; Brockville; Brod; Brodem; Bröder; Broderie; Brodfeld; Brody; Brodzinski

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Brockmannen - Brodzinski.

Brockmannen (Brockmänner), ostfriesisches Volk, welches sich im Mittelalter über die aus acht Kirchspielen bestehende hannöversche Landschaft Brockmerland (im Landdrosteibezirk Aurich, zwischen Emden und Norden) erstreckte und unter einer eignen volkstümlichen Verfassung lebte. Das Volk besaß die höchste Machtvollkommenheit, die in den Gesetzen (Küren), welche, aus dem 13. Jahrh. stammend und in 220 Artikeln bestehend, zugleich die besten Dokumente altfriesischer Sprache sind (hrsg. von Wiarda, Berl. 1820; v. Richthofen, Haag 1866), in einzelnen Artikeln angedeutet wird mit den Worten: "Das wollen die B." ("thet wellath Brocmen"), wie denn der erste Artikel den Anfang hat: "Das ist das erste Gesetz, welches die B. beliebt haben" ("thit is thiu forme Kere, ther Brocmen Keren helbat"). Die B. kannten weder Häuptlinge, noch Adel, noch einen Einfluß der Priester. Sie entrichteten keine Abgaben, und die Brüchen- und Strafgelder flossen in die Gemeindekassen. Die Errichtung jedes hohen, steinernen Gebäudes zu andern als kirchlichen Zwecken war verboten. Das Land zerfiel in vier Quartiere, jedes mit seinem durch die Gemeinden gewählten Richter, welcher die Justiz, die Polizei und teilweise die Verwaltung zu besorgen hatte und, auf ein Jahr gewählt, dem allgemeinen Volksgericht (Volksversammlung, Liudawarf) verantwortlich war. Den Richtern zur Seite standen vom Volk aus ein Halbjahr gewählte und beaufsichtigte Talemen (Sprecher), welche jene überwachen und nötigen Falls zur Verantwortung ziehen mußten. Zum Schutz der innern und äußern Sicherheit war jeder Brockmanne, wie jeder Friese überhaupt, verbunden, mit den Waffen auf das durch den Richter gegebene Feuerzeichen zu erscheinen. Diese demokratische Verfassung dauerte bis in die Mitte des 14. Jahrh., wo die B. einen Häuptling an ihre Spitze stellten.

Brockton, Fabrikstadt im nordamerikan. Staat Massachusetts, Grafschaft Plymouth, 32 km südlich von Boston, mit (1880) 13,608 Einw.

Brockville, Stadt in der brit. Provinz Ontario (Nordamerika), am St. Lorenzstrom, hat chemische und andre Fabriken, lebhaften Handel und (1881) 7609 Einw. Einfuhr 1881-82: 963,314 Doll., Ausfuhr 1,699,399 Doll.; 1367 Schiffe (davon 584 im Küstenhandel) liefen ein.

Brod, Gebäck, s. Brot.

Brod, Stadt und Festung in der slawon. Militärgrenze (Distrikt B.), an der Save, Station der Ungarischen Staats- und Bosnabahn, mit 1 griechischen und 2 kath. Kirchen, einer Kontumazanstalt und (1881) 4433 Einw., lebhafter Schiffahrt, Handel, Bezirksgericht und Hauptzollamt. B., jahrhundertelang ein Zankapfel zwischen der türkischen und österreichisch-ungarischen Macht, wurde 1691 den Türken entrissen und mit starken Festungswerken versehen, die zwar 1697 (nach dem Karlowitzer Waffenstillstand) geschleift, später jedoch wiederhergestellt wurden. B. ist seit 1819 eine Militärkommunität. Gegenüber in Bosnien Türkisch-B. (Buzud), Kreis Banjaluka, Bezirk Dervent, Festung mit 700 Einw.

Brodem (Broden, Brodel), die sichtbaren Dünste, welche von heißem Wasser und erwärmten feuchten Stoffen aufsteigen.

Bröder, Christian Gottlob, verdienter Verfasser von lateinischen Elementarbüchern, geb. 2. Febr. 1745 zu Harthau bei Bischofswerda, ward nach Beendigung seiner Studien zu Leipzig Diakonus in Dessau, 1782 Pastor in Beuchte und Weddingen im Hildesheimischen und starb 14. Febr. 1819 daselbst als Superintendent. Seine "Praktische Grammatik der lateinischen Sprache" (Leipz. 1787, 18. Aufl. 1828) und seine "Kleine lateinische Grammatik" (das. 1795, 32. Aufl. 1870) lagen über ein halbes Jahrhundert in einem großen Teil Deutschlands dem lateinischen Unterricht zu Grunde. Beifall fand auch sein "Elementarisches Lesebuch der lateinischen Sprache" (Hannov. 1806, 11. Aufl. 1847).

Broderie (franz.), gestickte Stoffe, Verzierung durch Stickerei.

Brodfeld, s. Broos.

Brody, Handelsstadt im östlichen Galizien, liegt unweit der russischen Grenze in einer waldumkränzten Ebene, an der Karl-Ludwigsbahn (Anschluß an die nach Kiew führende russische Südwestbahn), hat sich infolge der häufigen Feuersbrünste, namentlich der letzten von 1867, fast ganz umgestaltet und besitzt nunmehr gut gepflasterte und reinliche Straßen mit stattlichen, meist aus Ziegelsteinen erbauten Häusern. Zu den öffentlichen Gebäuden gehören 3 russisch-griechische und 1 kath. Kirche, eine sehenswerte Synagoge u. ein Theater. Das altertümliche Schloß birgt eine reichhaltige Bibliothek und ist, wie auch teilweise die Stadt selbst, von Wällen umgeben. Die Bevölkerung zählt (1880) 20,071 Einw., davon 15,316 Juden, und ist gegen früher zurückgegangen, was seinen Grund in der Abnahme des ehemals sehr bedeutenden Transithandels hat. Vom 1. Jan. 1880 an ist auch der seit 1780 bestandene Zollausschluß Brodys aufgehoben und die Stadt dem allgemeinen Zollgebiet einverleibt worden. Immerhin ist der Handel Brodys noch ein ziemlich bedeutender, insbesondere in Getreide, Vieh, Holz, Sensen, Manufaktur- und Schnittwaren, Pelzwerk, Borsten, Federn, Kurzwaren u. a. Die gewerbliche Industrie ist durch eine Flachsspinnerei, Bier- und Branntweinbrennereien und Kürschnerei vertreten. B. hat ein k. k. Oberrealgymnasium und eine jüdische Hauptschule; es ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, eines Hauptzollamtes und einer Handelskammer. Im nahen Dorf Alt-B. (1590 Einw.) befinden sich eine Dampfmühle, Bierbrauerei, Paraffinkerzen-, Rum-, Likör- und Spodiumfabrik. B. wurde 1684 von dem Woiwoden Stanislaus Zolkiewski gegründet und bereits 1779 zur freien Handelsstadt erhoben.

Brodzinski, Kazimierz, poln. Dichter, geb. 8. März 1791 zu Krolowka in Galizien, trat 1809 als Unteroffizier in die 12. Artilleriekompanie des Großherzogtums Warschau, zog 1812 mit nach Rußland, wurde in der Schlacht bei Leipzig gefangen, ließ sich darauf in Warschau nieder, wo er 1822 zum Professor der Ästhetik an der neugegründeten Universität ernannt ward und durch seine Vorträge wie durch seine kritischen Schriften viel zum Sieg der romantischen Schule über den Klassizismus beitrug. An dem Aufstand 1830 nahm er keinen Anteil. Seit der Auflösung der Universität (1832) ohne Anstellung, starb er auf der Rückreise aus böhmischen Bädern 10. Okt. 1835 in Dresden, wo ihm von seinen Landsleuten ein einfacher Denkstein errichtet ist. B. war ein Dichter von echt volkstümlichem Gepräge, dessen Grundzüge innige Gemütlichkeit, Vaterlandsliebe und Religiosität bilden. Unter seinen Poesien verdient besonders das reizende Idyll "Wieslaw" (deutsch von Schöne, Posen 1867) Erwähnung, worin das Leben des polnischen Landvolks in anziehender Weise idealisiert wird. Eine Sammlung seiner Schriften erschien in 4 Bänden (Wilna 1842), eine neuere, von Kraszewski herausgegeben, in 8 Bänden (Warsch. 1872-74).