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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brodzki; Broek; Broekhuizen; Brofferio; Broglie

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Brodzki - Broglie.

Brodzki, Victor Lodzia, russ. Bildhauer, geb. 1839 zu Otschowa in Wolhynien, widmete sich seiner Kunst auf der Akademie in Petersburg unter dem Italiener Giovanni Vitali und dem jüngern Pimenow, machte Reisen durch fast ganz Europa und ließ sich in Rom nieder. Sein Hauptfach sind ideale, allegorische, religiöse und mythologische Gestalten, die er mit großer Anmut teils in Marmor, teils für den Erzguß ausführte. Am bekanntesten sind: Amor auf einer Muschel schlafend; der erwachende Amor; die Gruppe: das erste Flüstern der Liebe; Christus, der die Welt segnet; die erste Freude und der erste Schmerz; die große, aus acht Figuren und vier Reliefs bestehende Darstellung der Flucht aus Pompeji, infolge deren er Professor an der Akademie in Petersburg wurde. Außerdem schuf er eine Statue des Kopernikus für Posen, ein großes Relief der Kreuztragung Christi und zahlreiche Porträtbüsten.

Broek (spr. bruk, B. in Waterland), Dorf in der holländ. Provinz Nordholland, 7 km nordöstlich von Amsterdam, mit (1883) 1503 Einw., welche zum Teil den bekannten "Edamer Käse" fabrizieren. Der Ort gewährte früher als der Hauptsitz der geziertesten holländischen Reinlichkeit das originellste Bild holländischen Lebens. Er bestand zur Zeit der Republik großenteils aus Landsitzen reicher holländischer Kaufherren.

Broekhuizen (spr. brukheusen), Jan van (latinisiert Janus Broukhusius), holländ. Dichter, geb. 20. Nov. 1649 zu Amsterdam, widmete sich erst der Pharmazie, trat dann in den Militärdienst und wohnte 1672 als Leutnant einem Feldzug gegen die Franzosen bei. Als er nach dem Frieden von Nimwegen (1678) nach Utrecht in Garnison kam, erhielt er Gelegenheit, durch die Bekanntschaft mit dortigen Gelehrten seine philologischen Kenntnisse zu vermehren, und Muße zu ausgebreitetern Studien, die er nun den lateinischen Dichtern, vor allen dem Tibull und Properz, widmete. Nach dem Ryswyker Frieden (1697) des Dienstes entlassen, lebte er auf seinem Landhaus Amstelveen bei Amsterdam, wo er 15. Dez. 1707 starb. B. dichtete in holländischer wie auch in lateinischer Sprache. In der vaterländischen Dichtung nahm er sich Hooft zum Vorbild und bewegte sich hauptsächlich auf dem Gebiet des Minneliedes und verwandter Dichtungen mit dem glücklichsten Erfolg. Seine "Gedichte" erschienen, mit einer Lebensbeschreibung von Hoogstraten, zu Amsterdam 1712; seine "Carmina" zu Utrecht 1684 u. öfter.

Brofferio, Angelo, ital. Dichter, Journalist und Abgeordneter, geb. 1802 zu Castelnuovo bei Asti, sollte in Turin die Rechte studieren, widmete seine Zeit aber vorzugsweise litterarischen Beschäftigungen. Noch jung, schrieb er die Dramen: "Eudossia", "Salvatore Rosa", "Il ritorno del proscritto" und die Lustspiele: "Mio cugino" und "Tutto per il meglio", die mehrfach mit Beifall zur Aufführung kamen. Nachdem er Paris und Neapel besucht hatte, kehrte er nach Piemont zurück, um sich in Turin als Advokat niederzulassen. 1830 wegen Teilnahme an einer Verschwörung verhaftet, aber 1831 begnadigt, veröffentlichte er "Canzone" (6. Aufl. 1868), die ihm den etwas übertriebenen Ehrennamen des piemontesischen Béranger erwarben. Die Tragödie "Vitige, re dei Goti" mußte in Paris gedruckt werden, weil darin die Unabhängigkeit Italiens mit sehr entschiedener Tendenz gefeiert wurde. Die von ihm in Turin 1834 gegründete Zeitung "Mesaggiere torinese" war bis 1848 sehr populär und bildete gleichsam einen Sammelplatz für alle liberalen Schriftsteller, ging aber 1849 ein, worauf B. das radikale Blatt "La voce della libertà" (bis 1859) redigierte. Nach der Katastrophe von Novara forderte B. im piemontesischen Parlament, wo er zu den gewaltigsten Rednern gehörte, Fortsetzung des Kampfes, appellierte an die Leidenschaft der Menge und verschuldete hauptsächlich die Auflösung der Kammer. Cavour machte er in vielen Fragen Opposition und war Anhänger Garibaldis; gegen Cavour ist auch seine 1859 erschienene Satire "Il Tartufo politico" gerichtet. Außer mehreren Dramen und Liedern schrieb er noch Memoiren: "I miei tempi" (1858-61, 20 Bde.), eine "Storia del Piemonte" von 1814 an (Tur. 1849-52, 5 Bde.), welche aber wenig Wert hat, und "Storia del parlamento subalpino" (1865-70, 6 Bde.). B. starb 26. Mai 1866 in Verbanella am Lago Maggiore. Noch verdienen seine "Scene elleniche" und die Kriegshymne "Delle spade il fiero lampo etc.", die als die italienische Marseillaise bezeichnet wird, Erwähnung. Seine Biographie schrieb Pugno (Tur. 1868).

Broglie (spr. brollj' oder brollji), 1) François Marie, Herzog von, Marschall von Frankreich, geb. 11. Jan. 1671 zu Paris aus einer piemontesischen, seit 1656 in Frankreich naturalisierten Familie (Broglio oder Broglia), nahm seit 1689 an allen Feldzügen in Deutschland, Italien und Flandern rühmlichen Anteil, ward 1714 Gouverneur von Mont-Dauphin und Generaldirektor der Kavallerie und 1724 Bevollmächtigter zu London. 1731 zurückberufen, ward er 1733 als Generalleutnant Villars' Armee in Italien zugewiesen, über welche er 1734, zum Marschall erhoben, neben Marschall Coigny den Oberbefehl erhielt. Er erfocht mit diesem die Siege von Parma und Guastalla. Nach dem Frieden erhielt er das Gouvernement im Elsaß und focht im österreichischen Erbfolgekrieg unter Belleisle, mit dem er 26. Nov. 1741 Prag einnahm, und dem er später im Oberkommando der böhmischen Armee folgte; er fiel aber in Ungnade, weil er das geschwächte Heer wider die Wünsche des Hofs über den Rhein zurückführte, und zog sich in seine kurz vorher zum Herzogtum B. erhobene Baronie Ferrières zurück, wo er 22. Mai 1745 starb.

2) Victor François, Herzog von, Marschall von Frankreich, Sohn des vorigen, geb. 19. Okt. 1718, focht unter seinem Vater 1734 in Italien bei Parma und Guastalla und im österreichischen Erbfolgekrieg in Böhmen, Bayern und am Rhein und stieg zum Generalmajor. Nach dem Tod seines Vaters zur herzoglichen Würde gelangt, machte er im Siebenjährigen Krieg unter Marschall d'Estrées das Treffen bei Hastenbeck und unter Soubise die Schlacht bei Roßbach mit, kommandierte dann in Hessen, eroberte Kassel (1758), siegte über die Hessen bei Sandershausen, wurde Kommandant in Frankfurt und schlug den Herzog Ferdinand von Braunschweig 13. April 1759 bei Bergen, wofür er vom Kaiser zum deutschen Reichsfürsten erhoben wurde. Hierauf nahm er Minden, bahnte sich den Weg nach Hannover und wurde nach der Niederlage des Marschalls Contades bei Minden (August 1759) an dessen Stelle zum Oberbefehlshaber und Marschall ernannt. Er hielt sich zwar in den nächsten Jahren tapfer und bewährte sich als der tüchtigste Feldherr der Franzosen im Siebenjährigen Kriege, geriet aber in Streit mit dem neben ihm kommandierenden Prinzen von Soubise und wurde nach einigen Verlusten infolge von Hofintrigen der Pompadour abgesetzt und 1762 auf seine Güter verwiesen. 1764 erhielt er das Generalgouvernement Metz und Lothringen. Beim Ausbruch der Revolution 1789 zum Kriegsminister ernannt, befehligte er die zwischen