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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bronchialatmung; Bronchialdrüsen; Bronchialkatarrh

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Bronchialatmung - Bronchialkatarrh.

schwefelsaures Natron gebildet wird), durch Übergießen von amorphem Phosphor mit Wasser und Zutröpfeln von Brom (wobei phosphorige Säure entsteht), und wenn man Schwefelwasserstoff in wässerige Bromlösung leitet (wobei Schwefel ausgeschieden wird). Die sehr konzentrierte Bromwasserstoffsäure entläßt beim Erhitzen B., dann aber destilliert bei 126° eine Säure mit 47,8 Proz. B. Den Gehalt reiner Bromwasserstoffsäure bei verschiedenem spezifischen Gewicht zeigt folgende Tabelle:

Gehalt Spez. Gewicht Gehalt Spez. Gewicht

5 Proz. 1,038 30 Proz. 1,252

10 - 1,077 35 - 1,305

15 - 1,117 40 - 1,365

20 - 1,159 45 - 1,435

25 - 1,204 50 - 1,515

Die Bromwasserstoffsäure verhält sich wie Salzsäure (Chlorwasserstoffsäure) und dient zur Darstellung von Brompräparaten.

Bronchialatmung, eine Veränderung des Atmungsgeräusches, welches darin besteht, daß beim Einsaugen der Luft nur der scharfe, rauhe ch-Laut gehört wird, während das vesikuläre Atmen, das schlürfende Geräusch wegfällt. Die B. ist ein sicheres Zeichen, daß die Luft nicht in die Lungenbläschen eingesogen wird, was bei jeder Lungenentzündung dadurch statthat, daß eine feste Ausfüllungsmasse in dieselben ausgeschwitzt wird.

Bronchialdrüsen, s. Lunge.

Bronchialkatarrh (griech.), eine Erkrankung der Bronchialschleimhaut (s. Bronchien), durch welche ein schleimiges oder schleimig-eiteriges Sekret in vermehrter Menge auf die Schleimhautoberfläche abgesondert wird. Im Kindesalter, namentlich zur Zeit des Zahndurchbruches, ist die Neigung zum B. sehr groß, im mittlern Lebensalter geringer, im Greisenalter kommt die Krankheit wieder sehr häufig vor und ist dann sehr hartnäckig. Der epidemische B. heißt Grippe (s. d.). Schlecht genährte Individuen von schlaffer Konstitution, namentlich die mit Skrofulose und Rhachitis behafteten, erkranken viel leichter an B. als kräftige und gut genährte. Individuen, welche bereits öfters an B. gelitten haben, und Leute, welche an chronischen Affektionen der Lungen leiden, zeigen eine gesteigerte Disposition für den B. Verzärtelung des Körpers steigert, Abhärtung vermindert die Neigung zum B. Die veranlassende Ursache des Bronchialkatarrhs ist vielleicht am häufigsten eine Erkältung, und zwar ist es nicht die große Kälte als vielmehr die Zugluft, also die Einwirkung eines plötzlichen Temperaturwechsels auf die äußere Haut, welche den B. verursacht. In rauhen und feuchten Gegenden, namentlich an den Meeresküsten, herrscht der B. wegen der häufigen Gelegenheit, sich zu erkälten, als epidemische Krankheit. Ferner wird der B. verursacht durch den Reiz einer mit Staub, Rauch und scharfen Dämpfen geschwängerten oder einer zu kalten und zu heißen Luft. Manche Handwerker, z. B. Steinhauer, Müller, Backer, leiden deshalb fast durchgängig an B. Eine weitere Ursache des Bronchialkatarrhs liegt in vermehrtem Zufluß und namentlich in dem verhinderten Abfluß des Bluts aus den Lungen und Bronchien, weshalb man bei Herzkranken, bei Lungenemphysem, bei chronischen Lungenentzündungen fast regelmäßig den chronischen B. beobachtet. Endlich ist der B. eine Teilerscheinung und ein Symptom der Masern, des Typhus, der Pocken. Beim B. ist die Schleimhaut der erkrankten Luftröhrenäste blutreich, gerötet und geschwollen; an ihrer Oberfläche findet eine mehr oder minder reichliche Absonderung von schleimiger oder eiteriger Beschaffenheit statt, welche entweder unter Husten ausgeworfen, oder in den Bronchien zurückgehalten wird. Im letztern Fall ruft die Anhäufung derselben, zumal da die Wand der Bronchien dabei infolge der Entzündung erschlafft und nachgiebig ist, häufig eine diffuse Erweiterung der Bronchien hervor (s. Bronchiektasie). Ist der auf der Bronchialschleimhaut abgesonderte Schleim spärlich und namentlich sehr zäh, so wird nur wenig ausgehustet, und man nennt dies dann einen trocknen Katarrh. Die Symptome des Bronchialkatarrhs sind verschieden, je nach der Ausbreitung des Katarrhs über die gröbern oder die feinern Bronchien und je nach dem Alter des Individuums. Ebenso verschieden ist der Verlauf, nach welchem man akuten und chronischen B. unterscheidet.

Der akute B. ist häufig mit Schnupfen, Stirnkopfschmerz, Katarrh der Augen und des Kehlkopfes verbunden. Je verbreiteter und intensiver er ist, um so leichter gesellt sich ein fieberhafter Zustand hinzu, der sich durch Frösteln, brennende Hitze, Abgeschlagenheit und Schmerzhaftigkeit der Glieder, Verlust des Appetits zu erkennen gibt (Katarrhfieber). Bei Kindern kommen selbst Delirien und Krämpfe dazu. Doch ist keineswegs bei jedem akuten B. Fieber vorhanden. Befällt der Katarrh nur die größern Bronchien und die Luftröhre, so ist stets ein Gefühl von Wundsein auf der Brust sowie Husten vorhanden, durch welchen anfangs glasige und zähe, später gelbliche und trübe Massen ausgeworfen werden. Anfangs ist der Husten trocken, lästig und befördert nur wenig Auswurf hervor, später löst sich der Auswurf leichter. Atmungsbeschwerden sind bei dem Katarrh der groben Bronchien nicht vorhanden. Dieser Zustand nimmt daher auch einen leichten und günstigen Verlauf, indem er schon binnen wenig Tagen in vollkommenes Wohlbefinden übergeht. Nur selten stellen sich im Verlauf desselben schwere Symptome von seiten des Nervensystems ein. Dies geschieht manchmal bei Greisen oder bei sehr geschwächten jüngern Personen, welche dann gewöhnlich binnen kurzem unter hohem Fieber, Benommenheit der Sinne, Delirien und lebhaften Rasselgeräuschen auf der Brust dem Tod entgegengehen. Die Ursache dieser schlimmen Wendung des Verlaufs liegt hier in der geschwächten Konstitution des Patienten und in der damit zusammenhängenden Lähmung der Bronchialmuskeln, wodurch der Schleim in den Luftröhrenästen stockt und ein sogen. Stickfluß herbeigeführt wird. Bei kleinen Kindern ist der akute Katarrh der feinern Bronchien (Bronchitis capillaris) stets eine lebensgefährliche Krankheit. Denn bei der großen Enge der feinen Luftröhrenäste werden dieselben durch die schwellende Schleimhaut und durch den auf sie abgesonderten Schleim größtenteils ganz verstopft, es beginnt eine Absonderung in die Räume der Lungenbläschen selbst, eine wirkliche Lungenentzündung. Bei solchen Kindern steigert sich die Beklommenheit auf der Brust zur namenlosen Angst, sie werden unruhig, das Atmen geschieht unter pfeifenden und giemenden Geräuschen. Beim Husten werden sie blaurot im Gesicht, aber es wird nur sehr wenig Auswurf herausbefördert. Bald stellen sich nun die Erscheinungen der Überladung des Bluts mit Kohlensaure ein, die Patienten werden jetzt ruhig, blaß, verfallen in Bewußtlosigkeit, woran sich bald der Tod durch Erstickung anschließt. Nur sehr kräftige Kinder überstehen diesen kapillaren B., da es ihnen allein gelingt, die Atem-^[folgende Seite]