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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bronner; Bronnizy; Bronsart von Schellendorff

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Bronner - Bronsart von Schellendorff.

ten. Gleichzeitig erhielt er an Stelle Leuckarts die Direktion der zoologischen Sammlungen und den Lehrstuhl der Zoologie. Er starb 5. Juli 1862 in Heidelberg. Seine ersten Arbeiten waren der Paläontologie gewidmet: "System der urweltlichen Konchylien" (Heidelb. 1824), "System der urweltlichen Pflanzentiere" (das. 1825); "Gaea Heidelbergensis, eine geognostisch-mineralogische Beschreibung der Gegend von Heidelberg" (das. 1830) und sein Hauptwerk: "Lethaea geognostica, oder Beschreibung der für die Gebirgsformationen bezeichnendsten Versteinerungen" (Stuttg. 1836-38, 2 Bde.; 3. in Gemeinschaft mit Römer umgearbeitete Aufl., das. 1852-56). Von seinen übrigen Schriften sind hervorzuheben: "Italiens Tertiärgebilde und deren organische Einschlüsse" (Heidelb. 1831); "Geschichte der Natur" (Stuttg. 1841-1849, 3 Bde.); "Paläontologische Kollektaneen" (Heidelb. 1843); die mit Kaup bearbeiteten "Abhandlungen über die gavialartigen Reptilien der Liasformation" (das. 1841, Nachtrag 1844); die "Beiträge zur triasischen Fauna und Flora der bituminösen Schiefer" (das. 1858); die "Morphologischen Studien über die Gestaltungsgesetze der Naturkörper überhaupt und der organischen insbesondere" (Leipz. 1858); "Untersuchungen über die Entwickelungsgesetze der organischen Welt während der Bildungszeit unsrer Erdoberfläche" (Stuttg. 1858). In seiner "Allgemeinen Zoologie" (Stuttg. 1850) gab er den ersten Versuch, die Zoologie in ihrer Gesamtheit mit Berücksichtigung der untergegangenen Organismen zu entwickeln. Dann folgte eine "Allgemeine Einleitung in die Naturgeschichte" (Stuttg. 1853). In dem umfangreichen, mit einer Menge von Abbildungen versehenen Werk "Die Klassen und Ordnungen des Tierreichs" (Heidelb. 1859 ff.; fortgesetzt von Keferstein, Gerstäcker u. a.) gab er eine systematische Darstellung der gesamten Tierwelt. Im Verein mit v. Leonhard gab er seit 1830 das "Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Geognosie und Petrefaktenkunde" heraus. Auch übersetzte er Darwins "Über die Entstehung der Arten im Pflanzen- und Tierreich" (1860).

Bronner, 1) Franz Xaver, Idyllendichter, geb. 23. Dez. 1758 zu Höchstädt im bayrischen Kreis Schwaben und Neuburg von armen Eltern, kam 1769 in das Jesuitenkollegium zu Dillingen und ging von da als Benediktinermönch nach Donauwörth. Die Idyllensammlung "Fischergedichte und Erzählungen" (Zürich 1787) war die Frucht des einsamen Klosterlebens. Im J. 1784 entfloh er aus dem Kloster nach Basel, dann nach Zürich und führte nun ein sehr wechselvolles Leben. Seine Freunde verschafften ihm endlich eine Lehrerstelle in Aarau, die er 1810 mit einer Professur in Kasan vertauschte. Im Herbst 1817 nach Aarau zurückgekehrt, begann er seine frühere Wirksamkeit als Lehrer an der Kantonschule wieder, trat 1820 zum Protestantismus über und bekleidete seit 1830 die Stelle eines Regierungssekretärs, Archivars und Bibliothekars daselbst. In seinen letzten Jahren erblindet, starb er 12. Aug. 1850 in Aarau fast 92 Jahre alt. Bronners Jugendleben ist von ihm selbst (Zürich 1795-97, 3 Bde.; neue Ausgabe 1810) beschrieben. Zu den oben genannten in der Weise Geßners gehaltenen Dichtungen kamen später noch "Neue Fischergedichte" (Zürich 1794, 2 Bde.); außerdem schrieb er: "Der erste Krieg, in sechzig metrischen Dichtungen" (Aarau 1810, 2 Bde.); "Lustfahrten ins Idyllenland" (das. 1833, 2 Bde.) und "Der Kanton Aargau, historisch-geographisch-statistisch geschildert" (St. Gallen 1844-45, 2 Bde.).

2) Johann Philipp, Weinbauer, geb. 11. Febr. 1792 zu Neckargemünd, etablierte sich 1816 in Wiesloch als Apotheker, betrieb seit 1820 den Weinbau und machte 1825 seine neue Erziehungsmethode der Reben durch den sogen. Bockschnitt bekannt, welche seitdem weite Verbreitung gefunden hat. Seit 1835 studierte er die Weinkultur der hauptsächlichsten Weinbaudistrikte und verschaffte sich aus allen diesen Gegenden die Traubensorten, deren er gegen 400 zusammenbrachte und in seinen Rebenanlagen selbst kultivierte. B. starb 4. Dez. 1864 in Wiesloch. Er schrieb: "Die Verbesserung des Weinbaues durch praktische Anweisung, den Riesling ohne Pfähle und Latten vermittelst des Bockschnittes zu erziehen" (Heidelb. 1830); "Anleitung zur nützlichsten Anpflanzung der Tafeltrauben" (das. 1835); "Der Weinbau am Rhein und in Süddeutschland" (das. 1833-42, 7 Hefte); "Der Weinbau und die Weinbereitung in der Champagne" (das. 1840); "Die deutschen Schaumweine für deutsche Weinzucht und deutsche Weintrinker" (das. 1842); "Die Bereitung der Rotweine" (Frankf. 1856, 3 Hefte) und "Die wilden Trauben des Rheinthals" (Heidelb. 1857).

Bronnizy, Kreisstadt im russ. Gouvernement Moskau, an der Eisenbahn Moskau-Rjäsan, hat (1875) 3424 Einw. und eine Baumwollweberei. Im Kreis B. gibt es zahlreiche Woll-, Baumwoll- und Porzellanfabriken, deren Waren einen Wert von jährlich 2 Mill. Rubel haben.

Bronsart von Schellendorff, 1) Hans, Klavierspieler und Komponist, geb. 11. Febr. 1830 zu Berlin, ältester Sohn des Generalleutnants B., der vor seinem Dienstaustritt die Stellung eines Generalintendanten der Armee während des Kriegs von 1866 bekleidete, studierte 1849-52 an der Berliner Universität und nahm gleichzeitig Unterricht in der Theorie der Musik bei Dehn, lebte dann als Schüler Liszts mehrere Jahre in Weimar, konzertierte in Paris, Petersburg und den Hauptstädten Deutschlands, dirigierte 1860-62 die Euterpe-Konzerte in Leipzig, 1865-66 als Nachfolger Bülows die Konzerte der Gesellschaft der Musikfreunde in Berlin, wurde 1867 zum Intendanten des königlichen Theaters zu Hannover, später zum königlichen Kammerherrn ernannt. Den Krieg 1870/71 machte er als Freiwilliger mit, erwarb sich vor Metz das Eiserne Kreuz und die Ernennung zum Offizier. Von seinen Kompositionen haben besonders das Trio in G moll und das Klavierkonzert in Fis moll weitere Verbreitung gefunden. Vielfache Aufführungen erlebte ferner seine "Frühlingsphantasie" für Orchester. Außer einer Anzahl Klavierkompositionen ist endlich eine Kantate: "Christnacht" (aufgeführt vom Riedelschen Verein in Leipzig), und ein Sextett für Streichinstrumente zu nennen. - Vermählt ist B. mit der Pianistin Ingeborg Starck, geb. 24. Aug. 1840 zu Petersburg, die sich selbst auch als Komponistin mit Glück versucht hat. Ihre Komposition des Singspiels "Jery und Bätely" (von Goethe) kam an neun Bühnen (zuerst in Weimar, zuletzt in Berlin) mit Erfolg zur Aufführung.

2) Paul, preuß. Kriegsminister, geb. 25. Jan. 1832 zu Danzig, Bruder des vorigen, ward im Kadettenkorps erzogen, trat 1849 als Sekondeleutnant in das Kaiser Franz-Grenadierregiment ein, besuchte die Kriegsakademie und ward 1859 zum Premierleutnant im 2. Infanterieregiment, aber schon 1861 zum Hauptmann im Großen Generalstab befördert, welchem er bis zu seiner Ernennung zum Brigadekommandeur angehörte. Außerdem war er mehrere Jahre als Lehrer an der Kriegsakademie beschäftigt. Wäh-^[folgende Seite]