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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Broughton; Broughty Ferry; Brouillieren; Brouillon; Brounker; Brous.; Broussais

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Broughton - Broussais.

aber entfaltete er durch Reformen in der Gerichtsverfassung und dem Strafrecht eine ungemein erfolgreiche Thätigkeit, für die er große persönliche Opfer brachte, indem er von seinem eignen Einkommen 7000 Pfd. Sterl. jährlich aufgab. Als im November 1834 das Ministerium Melbourne zurücktrat und die Tories zur Regierung berufen wurden, nahm auch B. seine Entlassung. Melbourne wurde 1835 wieder an die Spitze des Kabinetts gestellt, aber B., der sich durch einige Indiskretionen das Mißfallen der Häupter der Whigs und des Königs zugezogen hatte, ward in dasselbe nicht aufgenommen und blieb seitdem, ohne mit Whigs oder Tories gemeinsame Sache zu machen, ein einflußreiches, unabhängiges Mitglied des Oberhauses. Dabei ließ er es freilich oft genug an Konsequenz fehlen. Während er einerseits die Abschaffung der Kornzölle und weitere Ausdehnung des Wahlrechts befürwortete, bekämpfte er anderseits eine Reform der Universitäten Oxford und Cambridge. Die französische Revolution von 1848 begrüßte er anfangs mit Freuden und stellte sogar an den Justizminister Crémieux die Frage, ob er auf Grund seines Landbesitzes im südlichen Frankreich, wo er sich während der Parlamentsvakanzen aufzuhalten pflegte, als Bürger der neuen Republik aufgenommen werden könne; bald aber kam er von dieser Ansicht zurück, und in seinem "Schreiben an den Marquis von Landsdowne" (1849) verurteilte er die Februarrevolution und ihre Urheber in den herbsten Ausdrücken. Umgekehrt ward er aus einem entschiedenen Gegner später ein warmer Verteidiger der Weltindustrie-Ausstellung von 1851. Weitere Inkonsequenzen waren, daß er, der Verteidiger der Freiheit, 1850 den Zaren als den Retter der Gesellschaft pries, und daß er, der die Abschaffung des Sklavenhandels so eifrig befürwortet hatte, im nordamerikanischen Sezessionskrieg seine Sympathien für die Südstaaten nicht verhehlen konnte. Persönliche Gereiztheit und eine gewisse Exzentrizität des Charakters mögen solche Widersprüche teilweise erklären. Er starb 7. Mai 1868 in Cannes, worauf, da er keine männlichen Nachkommen hatte, die Peerswürde auf seinen Bruder William überging. Von seinen Schriften nennen wir: "The British constitution, its history and working" (1844; 3. Aufl., Lond. 1868); "Sketches of statesmen of the time of George III." (das. 1859), denen sich die "Lives of men of letters and science, of the time of George III." (das. 1872) anschließen. Weniger bedeutend sind die "Dialogues on instinct" (Lond. 1853). In allen diesen Werken, so reich sie auch an schätzbaren einzelnen Gedanken sind, herrscht doch das Gelegentliche, auf bestimmte Fälle und Umstände Berechnete zu sehr vor. Als Redner dagegen, zumal als gerichtlicher Redner, steht B. in erster Reihe; selbst Canning übertraf er durch größere Belesenheit und tiefere Kenntnisse. Gesammelt erschienen seine Reden in 4 Bänden ("Speeches at the Bar and in Parliament", Edinb. 1845). Seit er zurückgezogen vom öffentlichen Leben im südlichen Frankreich lebte, beschäftigte er sich vielfach mit physikalischen Untersuchungen, die er in den "Tracts; mathematical and physical" (2. Aufl., Lond. 1860) veröffentlichte. Eine Sammlung seiner Schriften: "Critical, historical and miscellaneous works", wurde von ihm selbst herausgegeben (1857, 10 Bde.; neue Ausg. 1872, 11 Bde.). Nach seinem Tod erschien sein autobiographisches Werk: "Life and times of Lord B." (Lond. 1871, 3 Bde.), das großes Aufsehen erregte, u. eine neue Ausgabe des ihm zugeschriebenen Romans "Albert Lunel" (1872). Vgl. Campbell, Lives of Lord Lyndhurst and Lord B. (Lond. 1869).

Broughton (spr. broht'n), 1) Rhoda, beliebte engl. Romanschriftstellerin, geb. 29. Nov. 1840 zu Segrwyd Hall in Denbighshire (Nordwales) als die Tochter eines Geistlichen, lebt in Oxford, ihren dortigen Aufenthalt häufig durch Ausflüge nach Deutschland und Frankreich unterbrechend. Sie trat zuerst 1867 schriftstellerisch auf, und bereits ihre beiden ersten Bücher: "Red as a rose is she" (deutsch u. d. T.: "Esther" von Julie Dohmke, Leipz. 1875, 3 Bde.) und "Cometh up as a flower" (deutsch von derselben, das. 1877), erregten durch die lebhafte Darstellung von Gemütszuständen Aufsehen. Ihre spätern Erzählungen sind: "Good-bye, sweetheart!" (1872); "Nancy" (1873); "Tales for Christmas eve" (1873); "Not wisely, but too well" (1875); "Joan" (1876); "Second thougths" (1880); "Belinda" (1883).

2) Lord, s. Hobhouse.

Broughty Ferry (spr. brohti ferri), Stadt in Forfarshire (Schottland), an der Mündung des Firth of Tay, unterhalb Dundee, durch Dampffähre mit dem gegenüberliegenden Ferryport-on-Craig verbunden, mit renoviertem Schloß, Seebad und (1881) 7923 Einw.

Brouillieren (franz., spr. bruj-), verwirren, in Unordnung bringen; sich mit jemand veruneinigen; Brouillerie, Zwist, Mißhelligkeit.

Brouillon (franz., spr. brujóng), der erste rohe Entwurf zu einer schriftlichen Arbeit, Skizze, Konzept; dann kaufmännisches Buch, in welches alle Geschäfte des Tags kurz notiert werden; in manchen Häusern mit der Strazze verbunden.

Brounker (spr. braun-), William, Lord Viscount von Castle Lyons (nach seinem Geburtshaus), Mathematiker, geboren um 1620 in Irland, erhielt infolge der Unterzeichnung der im April 1660 erfolgten Erklärung englischer Großen zu gunsten Karls II. das Amt eines Kanzlers und Großsiegelbewahrers der Königin, ward 1662 erster Präsident der königlichen Akademie der Wissenschaften und starb 5. April 1684 in London. In der Mathematik hat er zuerst Quadratur der Hyperbel durch Reihen (Brounkersche Reihen) gegeben und auf die Anwendung der Kettenbrüche aufmerksam gemacht, letzteres in einem der Briefe, welche er 1657 und 1658 an Wallis schrieb. Vgl. dessen "Commercium epistolicum" (Oxf. 1658).

Brous., Brouss., bei botan. Namen Abkürzung für P. M. A. Broussonet, geb. 1761 zu Montpellier, starb 1807 als Professor der Botanik daselbst. Er bereiste die Kanarischen Inseln.

Broussais (spr. brussä), François Joseph Victor, Mediziner, geb. 17. Dez. 1772 zu St.-Malo, trat als Schiffswundarzt in die Marine, vollendete dann seit 1799 seine medizinischen Studien in Paris und fungierte als Militärarzt in den Hospitälern von Belgien, Holland, Österreich, Italien und Spanien. Er ward 1820 Professor an dem Militärhospital Val de Grâce, 1830 Professor der allgemeinen Pathologie und Therapie an der medizinischen Fakultät zu Paris und starb 17. Nov. 1838 auf seinem Landsitz in Vitry. Im J. 1841 wurde ihm im Hof des Val de Grâce eine Statue gesetzt. Das in seinen Schriften: "Histoire des phlegmasies ou inflammations chroniques" (Par. 1808, 2 Bde.; 3. Aufl. 1826, 3 Bde.) und "Examen de la doctrine médicale généralement adoptée" (das. 1816; 4. Aufl. 1829-34, 4 Bde.) niedergelegte System des Broussaismus entspringt geradeswegs aus dem Brownschen Hauptaxiom, daß alles tierische Leben nur durch Reizmittel aufrecht erhalten wird; eine mäßige, gleichmäßig verteilte Reizung bedingt Gesundheit, und Krankheit entsteht lediglich durch zu schwache oder zu starke Reize. Er sucht dann einen be-^[folgende Seite]