Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brown

478

Brown.

die Therapie. Die Sthenie verlangt Verminderung, die Asthenie Vermehrung des Reizes. Ersterm Zweck genügen die Blutentleerungen, Laxantia, Brechmittel etc., letzterm dagegen Wein, Moschus, Kampfer und vor allem Opium, dessen früher angenommene sedative Wirkung er eifrig bekämpft. In England und Frankreich kam Browns System nie zu einem allgemeinen Ansehen, dagegen wurde es in Italien und Deutschland mit desto größerer Begeisterung aufgenommen. Einer der Hauptvertreter desselben war Röschlaub, welcher es im Verein mit Marcus erweiterte, mit der damals blühenden Schellingschen Naturphilosophie in Verbindung setzte und als Erregungstheorie zu hohem Ansehen brachte. Jetzt ist der Brownianismus längst vergessen, aber wenn seine Grundsätze auch einseitig und irrig waren, so haben sie doch hellere Ansichten über das Leben und seine Erscheinungen vorbereitet, die Therapie vereinfacht und die früher dominierende und ebenso einseitige Humoralpathologie beseitigt. Browns Sohn William Cullen gab des Vaters Schriften mit dessen Biographie heraus (Lond. 1804, 3 Bde.; deutsch von Röschlaub, Frankf. 1806, 3 Bde.).

3) Charles Brockden, nordamerikan. Romanschriftsteller, geb. 17. Jan. 1771 zu Philadelphia, aus einer Quäkerfamilie stammend und in Wirklichkeit eine echte Quäkernatur, sanftmütig und ohne Falsch, dabei schwächlich und träumerisch. Nachdem er vergeblich versucht hatte, sich für die Jurisprudenz zu interessieren, widmete er sich der Schriftstellerei und entwickelte unter keineswegs günstigen Umständen eine umfangreiche und vielseitige Thätigkeit. Er war bis zum Auftreten Coopers der beliebteste Novellenschreiber Amerikas und ist als der Begründer der nordamerikanischen Romanlitteratur zu betrachten. Seine ersten Werke waren: "Wieland, or the transformation" (1798) und "Ormond" (1799), denen er "Arthur Merwyn" (1800), "Edgar Huntley" (1801), "Jane Talbot" (1801) und "Clara Howard" (1804) folgen ließ. B. liebt es, die Phänomene des Gewissens zu analysieren, die Natur des Menschen mystischen und außergewöhnlichen Einflüssen auszusetzen und oft überraschende Konsequenzen daraus zu ziehen. Seine Darstellung ist nicht glänzend, aber gefällig und glatt. Auch auf andern Gebieten war B. litterarisch thätig. Er starb 22. Febr. 1810 an der Schwindsucht. Seine gesammelten Werke erschienen in Boston 1827 (neue Ausg., Philad. 1857, 6 Bde.). Sein Leben beschrieb Prescott (in den "Miscellanies" 1855).

4) Robert, engl. Botaniker, geb. 21. Dez. 1773 zu Montrose, studierte in Aberdeen und Edinburg Medizin, diente 1795 als Chirurg bei einem Regiment in Irland, begleitete als Botaniker die Expedition, welche Kapitän Flinders zur Erforschung der Küsten Australiens 1801 unternahm, durchstreifte mit dem Maler Ferd. Bauer die damals noch ganz unbekannten Gegenden des australischen Kontinents, Vandiemensland und die Inseln der Baßstraße und kehrte 1805 mit einer Sammlung von 4000 Pflanzenarten, deren Mehrzahl er erst entdeckt hatte, nach England zurück, wo er, von Sir Jos. Banks zum Bibliothekar ernannt, sich mehrere Jahre lang mit der Bearbeitung dieses reichen Materials beschäftigte. Zunächst gab er einen "Prodromus florae Novae Hollandiae" (Lond. 1810) heraus, den Oken in der "Isis" abdruckte und Nees von Esenbeck (Nürnb. 1827) vermehrt erscheinen ließ. Dann behandelte er die Verteilung der Pflanzenfamilien in Australien in den "Remarks on the botany of terra australis" (Lond. 1814) und lieferte Nachträge nach dem von andern Forschern gesammelten Material in dem "Supplementum primum florae Novae Hollandiae" (das. 1830); viele Reisende übergaben ihm den botanischen Teil ihrer Berichte, so daß er eine Beschreibung der von Horsfield 1802-1805 auf der Insel Java gesammelten Pflanzen liefern ("Plantae javanicae", 1838-40) sowie die von Salt in Abessinien 1816, von Christen Smith, dem Begleiter Tuckeys am Congofluß 1818, von Oudney und Clapperton im Innern Afrikas aufgesammelten Herbarien besprechen konnte. In gleicher Weise schrieb er die botanischen Anhänge zu den Berichten arktischer Reisenden, wie J. ^[John] Roß, Parry, E. Sabine und Franklin. Im J. 1820 erbte er die Bibliothek und die Sammlungen von Banks, die aus seinen Antrag dem Britischen Museum einverleibt wurden, an welchem er bis zu seinem Tod eine Kustodenstelle bekleidete. Browns Bedeutung lag neben seiner eminenten Pflanzenkenntnis hauptsächlich in dem Vermögen, durch allgemeinere Betrachtungen, die er seinen monographischen Arbeiten einverleibte, die systematische Stellung schwieriger Pflanzenfamilien in einer Weise klarzulegen, daß dadurch zugleich auch auf weitere Gebiete des Systems Licht geworfen wurde. Er ermittelte die morphologischen Beziehungen in der Organisation des Samens der Mono- und Dikotylen, stellte die Gymnospermie der Koniferen und Cykadeen fest und behandelte die verschiedensten Fragen der Morphologie und Systematik, selbst rein physiologische Fragen, wie den Übergang des Befruchtungsstoffes der Pollenkörner in die Samenknospe. Besser als irgend jemand vor ihm sonderte er die systematisch wertvollen, rein morphologischen Organisationsverhältnisse von den physiologischen Anpassungen der Organe und gab in seinen Arbeiten die Muster, nach welchen andre die Methode des natürlichen Systems weiter anwenden und ausbilden konnten. Er starb 10. Juni 1858 in London. Nees von Esenbeck gab Browns "Vermischte botanische Schriften" in deutscher Übersetzung heraus (Nürnb. 1825-34, 5 Bde.). Nach seinem Tod veröffentlichte Bennett "The miscellaneous botanical works of R. B." (Lond. 1866-68, 3 Bde.).

5) Thomas, engl. Philosoph und Dichter, geb. 1778 in Kirkmabreck bei Edinburg, ward in England erzogen, studierte seit 1796 zu Edinburg erst Rechtswissenschaft, dann Medizin, praktizierte auch mehrere Jahre und war daneben als philosophischer Mitarbeiter an der neugegründeten "Edinburgh Review" thätig. Im J. 1810 gab er seine ärztliche Praxis auf und wurde Dugald Stewarts Nachfolger auf dem Lehrstuhl der Moralphilosophie an der Edinburger Universität, den er bis zu seinem Tod, 1820, bekleidete. Er starb 1820 in Brompton bei London. Sein erstes Werk war eine "Review of Zoonomia of Erasmus Darwin", dem die "Inquiry into the relation of cause and effect" folgte. Seine Dichtungen: "The paradise of coquettes" (1814), "The wanderer of Norway" (1816), "The bower of spring" (1816) u. a. sind korrekt und elegant, aber ohne Tiefe und Originalität und jetzt vergessen. Dagegen fanden seine "Lectures on the philosophy of the human mind" (mit Biographie, hrsg. von Welsh, 1822, 4 Bde.; 21. Aufl. 1870) weite Verbreitung; die "Lectures on ethics" veröffentlichte Chalmers (1856).

6) Sir George, brit. General, geb. 1790 in Berwickshire, trat 1806 in den Militärdienst, focht vor Kopenhagen, in Spanien und in den Vereinigten Staaten und avancierte 1851 bis zum Generalleutnant. Im Krimkrieg führte er 1854 die sogen. leichte Division, befehligte an der Alma den linken Flügel