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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bruat; Bruce

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Bruat - Bruce.

von Lobkowitz besucht ihren Vater im Gefängnis, aus und setzte seine Studien in Dresden fort, wo er den Hochzeitszug Zavis' v. Falkenstein mit Kunigunde, Witwe des böhmischen Königs Przemysl Ottokar II. (nach Ostindien verkauft), malte, der besonders wegen seiner koloristischen Vorzüge gerühmt wurde. In demselben Jahr vollendete er seine gleichartige Komposition: Philippine Welser und begann 1872 den Abschied Ottokars II. von seiner Familie, den er 1874 in München, wohin er 1873 übergesiedelt war, und wo er den Einfluß Pilotys erhielt, vollendete. Hier entstanden auch: die heil. Iria, die Exekution auf dem Weißen Berg; ihnen folgte 1875 der Hochzeitstag der Przemyslidentochter Dagmar mit dem dänischen König Waldemar II. 1204. Nach kurzem Aufenthalt in Prag ging er 1876 nach Paris, wo er noch jetzt thätig ist. 1877 stellte er das Hussitenmädchen aus, dem seine Hauptwerke: die Gesandtschaft des böhmischen Königs Wladislaw Posthumus an den Hof des Königs Heinrich VII. (1879, Berliner Nationalgalerie), Petrarca und Laura, ein Fest bei Rubens, Christoph Kolumbus am Hofe Ferdinands und Isabellas, der Balladensänger, Huß vor dem Konzil zu Konstanz, folgten; in den letztern machte sich der Einfluß von Laurens und Munkacsy bemerklich. Seine Gemälde zeichnen sich durch ein glänzendes Kolorit aus; es fehlt ihnen aber an Tiefe und Lebendigkeit der Charakteristik.

Bruat (spr. brüa), Armand Joseph, franz. Seemann, geb. 1796 zu Kolmar, trat 1811 in die französische Marine, diente 1815 in Brasilien und auf den Antillen, 1817-20 in der Levante, 1820-24 am Senegal und im Südmeer und zeichnete sich 1827 bei Navarino aus. 1830 kommandierte er vor Algier, litt Schiffbruch und wurde gefangen nach Algier gebracht, von wo es ihm gelang, dem Admiral Duperré einen Plan der Stadt zustellen zu lassen, wodurch er zur Eroberung derselben wesentlich beitrug. Später begleitete er den Prinzen von Joinville nach der Levante, war unter Turpin vor Lissabon und wurde hier 1838 Kapitän, im März 1843 Gouverneur der Markesasinseln und der französischen Niederlassungen in Ozeanien und wußte die Königin Pomare von Tahiti zur Unterwerfung unter das französische Protektorat zu bewegen. Seit 1846 Konteradmiral, ward er 1849 Gouverneur der Antillen, 1852 Vizeadmiral und kommandierte seit 1854 die französische Flotte im Schwarzen Meer, mit der er eine Expedition in das Asowsche Meer unternahm und 15. Okt. 1855 Kinburn nahm. Zum Admiral ernannt, starb er auf der Rückkehr nach Frankreich im November 1855. Im J. 1857 wurde ihm zu Kolmar ein Denkmal gesetzt.

Bruce (spr. bruhs), 1) Robert, Graf von Anandale in Schottland und von Cleveland in England, Sprößling eines alten schottischen Adelsgeschlechts, bewarb sich bei der Erledigung des schottischen Throns durch den Tod Alexanders III. (1286) als Verwandter des königlichen Hauses um den Thron. König Eduard I. von England aber setzte 1291 die Ernennung seines Nebenbuhlers, des schwachen John Baliol, durch, obwohl B. der ausgestorbenen Dynastie um einen Grad näher stand. B. weigerte sich, dem Baliol den Huldigungseid zu leisten, und starb 1294. Sein Sohn Robert fügte sich dagegen dem englischen König vollständig, aber erst der Enkel Robert B. (s. Robert) ward König von Schottland.

2) James, engl. Afrikareisender, geb. 14. Dez. 1730 zu Kinnaird in der schottischen Grafschaft Stirling, war anfangs in einem Londoner Handelsgeschäft angestellt, wurde dann nach den nötigen wissenschaftlichen und sprachlichen Vorstudien 1762 zum britischen Konsul in Algier ernannt und durchforschte von hier aus einen großen Teil Nordafrikas, die Küstenstädte der Berberei, Kreta und Rhodus, besuchte die Ruinen von Palmyra und Baalbek und begab sich im Juni 1768 von Sidon über Cypern nach Ägypten. Hier fuhr er auf dem Nil über Kairo und nach einem Besuch der Pyramiden bis Syene, von wo aus er sich einer Karawane nach Kosseir am Roten Meer anschloß. Nach manchen Querfahrten an die arabische Küste und die Meerenge des Roten Meers gelangte er aus einem überaus mühseligen und gefahrvollen Weg nach Gondar, der Hauptstadt Abessiniens, wo ihm seine ärztlichen Kenntnisse bald Ansehen sowie die Gunst des Hofs erwarben, da er den Verwüstungen der Blattern, welche Abessinien zum erstenmal heimsuchten, durch die europäische Behandlungsart ein Ziel zu setzen wußte. Während seines dortigen mehrjährigen Aufenthalts suchte er auch die Quellen des Blauen Nils, die er im Tanasee und jenseit desselben nachwies, und deren Höhe er annähernd bestimmte. Nach einer langen und gefährlichen Reise durch Nubien kam er Ende 1772 in Syene wieder an, von wo er über Alexandria und Marseille nach England zurückkehrte. Ein unglücklicher Sturz machte seinem Leben 27. April 1794 ein Ende. Sein Reisewerk, das unter dem Titel: "Travels into Abyssinia" (Edinb. 1790, 5 Bde.; neue Ausg. 1839 u. 1878; deutsch von Volkmann, mit Anmerkungen von J. F. ^[Johann Friedrich] Blumenbach, Leipz. 1790-92, 5 Bde.) erschien, wurde früher vielfach der Unzuverlässigkeit beschuldigt, jedoch durch das Zeugnis der neuesten Reisenden in Abessinien zu Ehren gebracht. Auch zeigt sich B. in seinen 1837 bekannt gewordenen Ansichten afrikanischer Städte und Ruinen zugleich als ausgezeichneter Skizzenmaler. Vgl. Head, Life of B. (neue Ausg., Lond. 1849).

3) John Collingwood, engl. Historiker und Archäolog, geb. 1805 zu Newcastle, studierte an der Universität Glasgow und wirkte dann an der Schule seines Vaters, dessen vielgebrauchtes Buch "Introduction to geography and astronomy" er wiederholt herausgab. Von seinen eignen Schriften sind zu erwähnen: "Handbook of English history" (neue Ausg. 1857); "Description of the Roman Wall" (3. Aufl. 1867); "Hadrian, the builder of the Roman Wall" (1853); "The Bayeux tapestry elucidated" (1856); "Wallet-book of the Roman Wall" (1863) und das "Lapidarium septentrionale" (1875), letzteres eine Darstellung sämtlicher römischer Denkmäler im Norden Englands, auf Veranlassung des Herzogs von Northumberland herausgegeben.

4) Sir Frederick William Adolphus, engl. Diplomat, geb. 14. April 1814 zu Elgin Castle, war 1842 Attaché bei Lord Ashburtons Gesandtschaft in Washington, 1844 Kolonialsekretär in Hongkong, 1846 stellvertretender Statthalter von Neufundland und bekleidete von 1847 bis 1851 verschiedene Konsularposten in Südamerika und Ägypten. Später begleitete er seinen Bruder, Lord Elgin, nach China, wo er beim Abschluß des Vertrags vom Juni 1857 eine große Thätigkeit entwickelte, und wurde infolgedessen zum Gesandten in China und zum Generalsuperintendenten des britischen Handels in jenem Land ernannt. 1865 wurde er der Nachfolger des Lords Lyons als britischer Gesandter in Nordamerika und wußte sich daselbst unter schwierigen Verhältnissen allseitige Anerkennung zu verschaffen. Er starb 19. Sept. 1867 zu Boston in Massachusetts.