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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bruch

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Bruch (Sumpfland; Provinzialismus; Personenname).

bestehen bleiben, angeführt worden sind. Sie erreichen aber oft eine ganz enorme Größe, und wenn Leistenbrüche in den Hodensack treten, wird dieser zuweilen bis zu der Größe eines Manneskopfs ausgedehnt. Für solche Brüche gibt es dann kein andres Mittel als Tragbeutel, welche mit breiten Riemen um die Lenden befestigt werden. Obgleich wahre Einklemmungen gerade bei diesen Brüchen am seltensten beobachtet werden, so kann doch Anhäufung von Kotmassen kolikartige Schmerzen und Austreibung durch Blähungen herbeiführen. Auch bei diesen Brüchen ist der Versuch, sie zurückzubringen, zu jeder Zeit geboten. Es bedarf hierzu aber stets längerer Zeit, während welcher der Patient in ruhiger Lage verharren muß. Gelingt die Reposition, so ist der Darm durch ein Bruchband zurückzuhalten; im andern Fall müssen Bruchbänder mit hohlen Pelotten (s. Bruchband) wenigstens das stärkere Vordringen des Darmes zu verhüten suchen.

Die Einklemmung oder Einschnürung (incarceratio, strangulatio) besteht darin, daß das ausgetretene Darmstück durch die Bruchöffnung derart umfaßt wird, daß sowohl der Darminhalt als auch und namentlich das Blut in seiner Fortbewegung mehr oder weniger vollkommen behindert wird. Der Bruchinhalt wird dunkelrot, seine Gefäße strotzen von Blut, das Bruchwasser ist vermehrt und von dem ausgeschwitzten aufgelösten Blutfarbstoff ebenfalls rötlich gefärbt, die Häute des Darmes schwellen an, auf der äußern Oberfläche setzen sich Gerinnsel ab; weiterhin und beim höchsten Grad wird der Darm brandig, wobei er grünliche, aschgraue oder rotgraue Flecke zeigt und sehr zerreißbar wird. Bei diesem Grad ist das Bruchwasser übelriechend, und wenn der Darm bereits durchbrochen ist, findet man deutlichen Kotgeruch. Selbst der Bruchsack und die äußere Haut können brandig werden, so daß der B. nach außen durchbricht und der Darminhalt sich durch eine abnorme Öffnung nach außen ergießt. Sobald sich der Darm eingeklemmt hat, ist die Bruchgeschwulst prall und schmerzhaft und die Zurückbringung für den Kranken unmöglich. Im Unterleib entsteht ein Gefühl von Zusammenschnürung und Kolikschmerzen, obgleich der Leib selbst anfänglich gegen Berührung nicht empfindlich ist. Bald darauf stellen sich Aufstoßen, Brechneigung und Erbrechen, zunächst der genossenen Speisen, ein. Gleichzeitig ist Verstopfung vorhanden. Der Kranke bekommt große Angst, seine Gesichtszüge entstellen sich, der Puls wird klein, härtlich, außerordentlich beschleunigt, und der Unterleib treibt sich auf. Währt die Einklemmung fort, so dehnt sich die Bruchgeschwulst aus, wird immer härter und schmerzhafter, namentlich um die Bruchpforte herum, es werden gallig gefärbte, schleimige Massen erbrochen, die Kräfte des Kranken sinken zusehends; noch später hört dann das Erbrechen aus, statt dessen stellt sich Schluchzen ein, der Puls wird kaum fühlbar, kalte Schweiße treten auf, das Gesicht ist in hohem Grad eingefallen, blaß, verzogen, die Augen werden glanzlos (facies hippocratica), die Geschwulst wird blaurot, knistert unter dem Fingerdruck, aus der Haut erheben sich Blasen, mit übelriechender Flüssigkeit gefüllt (s. Brand), und es entstehen Brandschorfe. Da die Schmerzen in diesem Stadium aufhören, der B. zuweilen sogar zurückgeht, so glaubt der Kranke, der sich sehr erleichtert fühlt und in der Regel bei klarem Bewußtsein bleibt, er befinde sich auf dem Weg der Besserung. Der Tod tritt aber gerade hier oft überraschend schnell ein. Nur selten stößt sich der Brandschorf los, während im Innern Verwachsungen sich einleiten, so daß der Darm sich nicht mehr zurückziehen, seinen Inhalt nicht in die Bauchhöhle, sondern nur nach außen ergießen kann, und es bildet sich dann der Zustand, welcher als widernatürlicher After (s. d.) bezeichnet zu werden pflegt, selten vollkommen heilt, immer aber längere Zeit eine Kotfistel zurückläßt. Zuweilen hebt sich jedoch die Einklemmung, zumal wenn sie nicht den höchsten Grad erreicht hat, einige Zeit nach ihrer Entstehung, ohne solche lebensgefährliche Zufälle hervorzurufen, und der B. geht zurück, oder es gelingt, ihn zu reponieren. Dies ist jedoch ein sehr seltener Ausgang, und in den meisten Fällen bedarf es, wenn die Reposition nicht bald gelingt, der Bruchoperation (Bruchschnitt, Herniotomie). Dieselbe beruht in Durchschneidung der Haut, Bloßlegung des Bruchsackes und Eröffnung desselben, Spaltung des einklemmenden Ringes und Zurückbringung der Eingeweide. Nachdem dies gelungen, wird die Wunde mit Scharpie ausgefüllt, über den Verband eine Binde angelegt und die Heilung der Wunde durch Eiterung erzielt. In der Folge ist es geraten, ein Bruchband zu tragen, da die Bruchpforte eine Nachgiebigkeit gegen die andringenden Eingeweide behält und der B. gern wiederkehrt. Der Patient muß außerdem noch einige Zeit lang in der Diät sehr vorsichtig sein, alle blähenden, schwerverdaulichen und den Darmkanal beschwerenden Speisen meiden und starke Anstrengungen noch Wochen hindurch unterlassen.

Bruch (Mehrzahl gewöhnlich Brücher; altdeutsch bruoch, am Niederrhein Pell, in Franken Lohr, im nordöstlichen Deutschland Luch, in Thüringen Ried, in Oberbayern Moos genannt), das in Niederungen gelegene Land, welches, gleichsam einen Übergang zwischen Sumpf und Moor bildend, zu naß ist, um zum Fruchtbau benutzt werden zu können. Viele Brücher werden sogar der Länge nach von klarem Wasser durchströmt. In den meisten Fällen sind diese Brücher Überreste von Seen oder solche Stellen großer Niederungen, welche früher mit Flüssen oder mit dem Meer oder einem großen fließenden Wasser in Verbindung standen. Ihre Gestalt erscheint in der Regel mehr lang, schmal und ausgezackt als rund. Außer der Eller (daher Ellernbruch) kommen nicht selten auch Pappeln, Eschen, Weiden, Birken und viele Gesträuche darauf vor. Solche Brücher, bei denen sich über weichem Schlamm, Morast oder Sumpf eine ziemlich starke Pflanzendecke gebildet hat, trocknen fast nie aus, tragen oft verkrüppeltes Nadelholz, zeigen auf der Oberfläche viele faulige Wasserpfützen und heißen Fern- oder Vehnenbrücher; Moorbrücher dagegen bestehen aus einer mit Bäumen und Gesträuchen stärker bewachsenen Moorerde, die sich jedoch nicht zum Brennen eignet. Der in den Brüchern häufig in großer Menge enthaltene Humus ist gewöhnlich sauer und gewährt den meisten Gewächsen keine gedeihliche Nahrung. Viele Brücher lassen durchaus keine völlige Entwässerung zu und können daher nur zu Weiden benutzt werden, welche besonders für Mastvieh geeignet sind. Diejenigen Brücher jedoch, welche entwässert und gegen Überschwemmungen gesichert werden können, bieten nach ihrer Abtrocknung oft sehr ergiebigen Boden dar. Die augenfälligsten Zeugnisse hierfür sind das Oder-, Netze-, Warthebruch und viele Brücher in Bayern (vgl. Bodenbearbeitung).

Bruch, in der ältern Sprache s. v. w. Hose, Unterhose; jetzt nur noch landschaftlich im Gebrauch.

Bruch, 1) Johann Friedrich, prot. Theolog, geb. 23. Dez. 1792 zu Pirmasens, studierte an der protestant. Akademie zu Straßburg, wurde Hauslehrer