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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Brüderschaft - Brüel.

Brüderschaft, zunächst die Übereinkunft von zwei Personen, sich als Brüder anzusehen, oft nur um einander mit "Du" anzureden (Dutzbrüder, B. machen). Die Sitte, B. zu trinken, beruht wohl darauf, daß der Genuß des gleichen Trankes als Symbol fester Vereinigung angesehen wurde. Eine besondere Bedeutung hat das Wort B. im Klosterwesen. Man versteht darunter das engere Verhältnis zwischen Klöstern, wonach sie sich zu gegenseitigen Diensten, zur Aufnahme und Verpflegung reisender Ordensbrüder u. dgl. verpflichten. - über B. als Gesellenverbindungen des Zunftwesens vgl. Zunft.

Brüderschaften, religiöse, fromme Vereinigungen zu wohlthätigen oder religiösen Zwecken. Wo die Formen des eigentlichen Mönchslebens zu eng und streng erschienen, begünstigte die römische Kirche eine weitere und losere Form des kirchlich geweihten Gemeinschaftslebens, bei dem das religiöse Gelübde sich nur auf die Teilnahme und Hilfe bei einem guten Werk (s. Brückenbrüder) oder aus bestimmte Andachtsübungen beschränkte. Diese Brüderschaften (confraternitates) umfassen in der Regel Laien verschiedenen Standes. Dergleichen Brüderschaften sind: die dem Jesuitenorden nahestehende Marianische Sodalität, die Brüderschaft vom allerheiligsten Herzen Jesu, dann die Skapulier- und die Rosenkranzbrüderschaft, die Brüderschaft von der christlichen Lehre (Frères ignorantins) mit dem ausgesprochenen praktischen Zweck des Volksunterrichts, die Brüderschaft vom allerheiligsten und unbefleckten Herzen Mariä zur Bekehrung der Sünder, die Franz-Xaverius- oder Missionsbrüderschaft etc. Auch in die evangelische Kirche sind durch die innere Mission Brüderschaften eingeführt worden. Die in bestimmten Anstalten, namentlich in dem Rauhen Haus (s. d.) bei Hamburg, ausgebildeten Sendboten und Arbeiter derselben bilden eine bleibende Brüderschaft. Über die Ähnlichkeit derselben mit den katholischen Orden vgl. v. Holtzendorff, Die Brüderschaft des Rauhen Hauses, ein protestantischer Orden im Staatsdienst (4. Aufl., Berl. 1861); Derselbe, Der Brüderorden des Rauhen Hauses und sein Wirken in den Strafanstalten (2. Aufl., das. 1862). Dagegen Oldenberg, Die Brüder des Rauhen Hauses (2. Aufl., Berl. 1861).

Brüderschaft guter Werke, die Verbindung zwischen einem Mönchsverein und einzelnen Laien, welche als Mitbrüder gegen eine Schenkung von Geld oder Gut Anteil an den Verdiensten des Ordens erhalten sollten. Die Filiationsbriefe waren eine bedeutende Quelle des Reichtums der Klöster, womit die Bettelmönche förmlichen Handel trieben; der Preis steigerte sich mit dem Ansehen des Klosters.

Brüder und Schwestern des freien Geistes, eine Religionssekte, welche im 13. u. 14. Jahrh. in Deutschland, Frankreich und Italien auftrat, wahrscheinlich hervorgegangen aus der Schule Amalrichs von Bena (s. d.). Nach ihren pantheistischen Grundsätzen verwarfen sie nicht bloß die Hierarchie und das äußere Kirchenwesen überhaupt, sondern auch jedes Gesetz und verfielen infolgedessen vielfach in unsittliches Wesen. Von den Päpsten und der Inquisition mit Strenge verfolgt, verschwanden sie im 15. Jahrh.

Brüder von der Gesellschaft des Heiligen Geistes, s. Kalandsbrüder.

Brueghel (spr. brügel, Breughel), 1) Pieter der ältere, genannt der Bauernbrueghel, Stammhaupt einer niederländischen Malerfamilie, geboren um 1520 in dem Dorf Breugel bei Breda, lernte zu Antwerpen bei Pieter Coecke und Hieronymus Cock, trat 1551 in die Antwerpener Malergilde und besuchte Frankreich und Italien, wo er 1553 in Rom verweilte. Nach seiner Rückkehr hielt er sich in Antwerpen auf und siedelte 1563 nach Brüssel über, wo er 1569 starb. B. hat sich weniger nach seinen Lehrern als nach Hieronymus Bosch gebildet, dessen spukhafte Szenen des Jüngsten Gerichts, der Hölle und sittenbildliche Darstellungen aus dem Bauernleben mit moralisierender Tendenz er nachahmte und mit größerer Lebenswahrheit bei gleich glänzendem Kolorit erfüllte. Auch seine Bilder aus der heiligen Geschichte tragen einen genrehaften Charakter. Er war der Begründer der niederländischen Bauernmalerei. Die bedeutendsten seiner Bilder besitzt das Belvedere in Wien, andre sind in München, Schleißheim, Dresden, Amsterdam u. a. O. Es ist sehr viel, namentlich im Verlag des H. Cock, nach ihm gestochen worden.

2) Pieter der jüngere, gewöhnlich Höllenbrueghel genannt, obwohl die ihm zugeschriebenen Darstellungen von Höllenszenen nicht von ihm herrühren, sondern Kopien nach seinem Vater sind, Sohn des vorigen, geboren um 1564 zu Brüssel, trat 1585 in die Malergilde zu Antwerpen und starb um 1637-1638 daselbst. Er folgte der Weise seines Vaters, aber mit minderm Talent.

3) Jan, genannt der Samtbrueghel, Bruder des vorigen, geb. 1568 zu Brüssel, Schüler von Goetkindt in Antwerpen, ging nach Italien, wo er 1593 in Rom verweilte und den Erzbischof Federigo Borromeo von Mailand kennen lernte, mit welchem er sich nach Mailand begab. 1596 kehrte er nach Antwerpen zurück und ließ sich als Freimeister in die Lukasgilde aufnehmen. Er entfaltete bald eine so umfangreiche Thätigkeit, daß er schnell zu Ansehen und Wohlstand gelangte. Mit seinem mailändischen Gönner stand er bis an sein Lebensende in brieflichem und geschäftlichem Verkehr. Erzherzog Albert und Kaiser Rudolf erteilten ihm zahlreiche Aufträge. Trotz seiner großen Beschäftigung verlor er sich aber niemals in Flüchtigkeit, sondern führte seine Bilder auf Holz und Kupfer stets mit der Gewissenhaftigkeit und Feinheit eines Miniaturmalers aus. Er war vorzugsweise Landschafts- und Blumenmaler, staffierte aber seine Landschaften gewöhnlich mit einer großen Fülle von Figuren aus der heiligen Geschichte, der Mythologie und dem Bauernleben und mit einer Unzahl von Tieren, welche ebenso wie die Blumen von einem eindringenden Naturstudium zeugen. Sein Kolorit ist frisch und glänzend, bisweilen etwas hart und bunt bei überwiegend blauen und grünen Tönen in den Fernsichten. Seine Bilder sind oft von van Balen und Rubens staffiert, mit welchen er in innigster Freundschaft verbunden war. Bei seiner großen Produktivität besitzen fast alle Galerien Gemälde von ihm, die besten die Ambrosianische Bibliothek in Mailand, die Museen von Madrid, Brüssel, Berlin, Dresden, Wien, München und das Louvre. In den Darstellungen des Paradieses, der vier Elemente und der Schmiede des Vulkan dokumentiert sich seine Begabung für die Kleinmalerei am glänzendsten. Er starb 13. Jan. 1625 in Antwerpen. Vgl. Crivelli, Giovanni B., pittore fiammingo (Mail. 1868). - Sein Sohn Jan B. der jüngere (1601-78) hat ganz in der Weise seines Vaters gemalt.

Brüel, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, 4 km südlich von der Station Blankenburg (Linie Lübeck-Stettin), mit Amtsgericht und (1880) 2277 Einw.

Brüel, Ludwig August, Politiker, geb. 20. Dez. 1818, studierte Rechtswissenschaft, trat in den hannöverschen Staatsdienst und wurde 1863 General-^[folgende Seite]