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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bruhns; Bruhrain; Bruin; Bruit de diable; Bruit de la bourse; Bruit du pot fêlé

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Bruhns - Bruit du pot fêlé.

Haushalt, der an Pracht dem des Königs wenig nachstand. Während Sachsen im ersten Schlesischen Krieg auf Preußens Seite getreten war, nahm B. seit Ausbruch des zweiten, durch die ihm von Friedrich d. Gr. gezeigte Verachtung zu tödlichem Haß gereizt, an allen gegen denselben gerichteten Ränken den lebhaftesten Anteil, ließ aber trotzdem das sächsische Heer am Nötigsten Mangel leiden. Als hierauf Friedrich II., seinen Gegnern zuvorkommend, in Sachsen einrückte (August 1756), flüchtete B. mit dem König zuerst auf den Königstein, dann nach Polen. Nach dem Hubertsburger Frieden kam er (30. März 1763) mit seinem König nach Dresden zurück, stellte hier auf Staatskosten seine Paläste wieder her und erneuerte seine Verschwendung, obschon das Land aus tausend Wunden blutete. Als der König 5. Okt. starb, hielt es B. für geraten, sogleich seine Stelle niederzulegen, und starb zu seinem Glück schon drei Wochen später, 28. Okt. 1763. Die angestellte Untersuchung ergab, daß er, nach Abzug seiner Schulden, ein Vermögen von 1½ Mill. Thlr. hinterlassen, aber mehr als 5,300,000 Thlr. veruntreut hatte. Doch schlug der Administrator, Prinz Xaver, nach dem baldigen Tode des Kurfürsten Friedrich Christian (17. Dez. 1763) die Untersuchung nieder, und da B. alle seine Anordnungen durch die Unterschrift des Kurfürsten hatte autorisieren lassen, so erbten seine Söhne die Güter des Vaters. Vgl. (v. Justi?), Leben und Charakter des Grafen von B. (Götting. 1760-61, 3 Bde.); "Zuverlässige Lebensbeschreibung des Grafen von B. und des Kabinettsministers A. J. ^[Alexander Joseph] Fürsten von Sulkowski" (Frankf. u. Leipz. 1766).

2) Karl Friedrich Moritz Paul, Graf von, Enkel des vorigen, geb. 18. Mai 1772 zu Pförten in der Niederlausitz, erhielt eine sorgfältige Erziehung und inmitten theatralischer und musikalischer Kunstübungen, die auf dem zu Pförten errichteten Familientheater stattfanden, und an denen er selbst frühzeitig Anteil nahm, die mannigfachste Anregung für seine Neigung zur Bühne. Erst Eleve beim Bergwesen, wurde B. 1790 Jagdjunker am Berliner Hof und 1796 Forstreferendar bei der kurmärkischen Kammer. Nachdem er sich ein Jahr in Weimar aufgehalten und unter anderm als Paläophron auf dem Hoftheater aufgetreten war, ernannte ihn 1800 der Prinz Heinrich von Preußen zum Kammerherrn. Später bekleidete B. bei der Königin-Mutter, dann bei der Königin Luise dieselbe Charge, machte hierauf den Feldzug von 1813 als Major im Generalstab mit und fungierte, nachdem er einige Zeit Militärkommandant in Neuchâtel gewesen, 1815-28 als Generalintendant der königlichen Schauspiele zu Berlin. In dieser Stellung wirkte er mit großem Eifer für die Realisierung einer deutschen klassischen Bühne, unterstützte die Produktion, gewann vortreffliche Kräfte und suchte in der Ausstattung historische Treue mit Schönheit zu verbinden. Auch begründete er aus eigne Kosten ein "Dramaturgisches Wochenblatt" und schrieb Vorreden zu Werken über Kostüme und Dekorationen des Berliner Theaters. Mit Spiker verfaßte B. die "Darstellung des Festspiels Lalla Rookh, welches auf dem am 27. Jan. 1821 im königlichen Schloß veranstalteten Maskenball gegeben wurde" (Berl. 1822, mit 23 Kupfern). Nachdem er 1828 seine Entlassung genommen, wurde er 1830 Generalintendant der königlichen Museen, in welcher Stellung er ausgezeichneten Kunstsinn bewies, und starb 9. Aug. 1837 in Berlin als Wirklicher Geheimrat.

Bruhns, Karl Christian, Astronom, geb. 22. Nov. 1830 zu Plön in Holstein, wandte sich dem Beruf seines Vaters, der praktischen Mechanik, zu und ging 1851 nach Berlin. Er hatte sich lebhaft mit höherer Mathematik und astronomischen Studien beschäftigt, kam mit Encke, dem Direktor der Berliner Sternwarte, in Verbindung und wurde 1852 als Assistent an derselben angestellt, besuchte aber dabei die Universität bis zu seiner Promotion 1856. Im J. 1859 habilitierte er sich als Privatdozent und ward 1860 als Professor der Astronomie und Direktor der neu zu erbauenden Sternwarte nach Leipzig berufen. Hier wirkte er teils als praktischer Beobachter, teils als Lehrer mit glücklichem Erfolg bis zu seinem Tod 25. Juni 1881. Außer der Entdeckung von 6 neuen Kometen und seinen Zonenbeobachtungen lieferte er zahlreiche Bahnberechnungen, eine wichtige Abhandlung über die astronomische Strahlenbrechung (Leipz. 1861), eine gehaltvolle Biographie J. F. ^[Johann Franz] Enckes (das. 1869) und im Verein mit andern Gelehrten (Avé-Lallemant, Dove, Grisebach, Peschel u. a.) eine Geschichte des Lebens und der wissenschaftlichen Bedeutung A. v. Humboldts in 3 Bänden (das. 1872). Als Mitglied der Europäischen Gradmessungs-Kommission leitete er die astronomisch-geodätischen Arbeiten in Sachsen, und als Chef der astronomischen Sektion im preußischen Geodätischen Institut gab er mehrere Bände der "Astronomisch-geodätischen Arbeiten, Publikationen des preußischen Geodätischen Instituts" (Leipz. 1865-74) heraus. Er war auch Mitglied der permanenten Kommission der Europäischen Gradmessung, beteiligte sich an der Bearbeitung der Mecklenburger Gradmessung und publizierte eine Reihe von Längendifferenzbestimmungen. Im J. 1863 errichtete er in Sachsen 24 meteorologische Stationen und publizierte in der Folge 11 Jahrgänge meteorologischer Beobachtungsresultate. 1878 begründete er in Leipzig ein Büreau für Wetterprognosen als eins der ersten in Deutschland. Mit Buys-Ballot und andern rief er das Internationale Meteorologische Komitee ins Leben und wurde Mitglied desselben. Ebenso war er Mitbegründer der Astronomischen Gesellschaft, Mitglied des Vorstandes derselben und des engern Ausschusses der Kommission zur Beobachtung des Venusvorübergangs 1874. Auch rühren von ihm die besten siebenstelligen Logarithmentafeln (Leipz. 1869, 2. Aufl. 1881) her.

Bruhrain (Bruchrhein), Landstrich im ehemaligen bad. Mittelrheinkreis, machte früher den nordöstlichen Teil des Kraichgaus aus und umfaßte das hoch liegende Hügelland von Bruchsal bis gegen Wiesloch hin. Der Name bedeutet eine hoch liegende, von tief liegenden Sumpfwiesen begrenzte Gegend und kommt zuerst 1281 vor.

Bruin (spr. breun), Cornelis de, niederländ. Maler, aber berühmter als Reisender, geb. 1652 im Haag, bereiste seit 1676 Italien, Kleinasien, Ägypten und die Inseln des Griechischen Archipels, kehrte 1693 zurück und gab nun die Beschreibung seiner Reise heraus (Delft 1698 ff.). Von einer zweiten Reise nach Rußland, Persien, Indien, Ceylon, Batavia etc. kehrte er 1708 zurück und machte die malerische Ausbeute 1714 bekannt. Seit dieser Zeit lebte B. bald in Amsterdam, bald im Haag. Er starb 1726 oder 1727 in der Nähe von Utrecht.

Bruit de diable (franz.), s. Nonnengeräusch.

Bruit de la bourse (franz.), alarmierendes Börsengerücht.

Bruit du pot fêlé (franz.), "Geräusch des gesprungenen Topfes", ein Klang, welchen man bei der Perkussion des Brustkorbes wahrnimmt, wenn in den Lungen Höhlen sind, z. B. bei Schwindsucht.