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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bruniersalz; Brunierstahl; Brünig; Bruniinsel; Brünings

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Bruniersalz - Brünings.

B. besteht in der Hervorbringung einer dünnen, gleichförmigen Lage Rost auf dem Eisen, welche durch Einreiben mit Wachs oder durch überziehen mit Schellackfirnis glänzend gemacht wird. Das gewöhnlichste Mittel zum B. ist das Chlorantimon (Bronziersalz, Bruniersalz), von welchem man 2 g mit 8-10 Tropfen Öl innig mischt. Mit dieser Mischung reibt man das schwach erwärmte Eisen wiederholt dünn und möglichst gleichförmig ein, indem man es nach jeder Einreibung einige Zeit der Luft aussetzt. Ein darauf folgendes Anstreichen mit Scheidewasser, in welchem Kupfer aufgelöst ist, soll den Vorgang des Rostens noch befördern. Der braun gewordene Lauf wird gereinigt, mit kaltem Wasser sorgfältig abgewaschen, abgetrocknet und endlich entweder bloß mit dem Polierstahl poliert, oder mit weißem Wachs eingerieben, oder mit einer Auflösung von 60 g Schellack und 11 g Drachenblut in 2 Lit. Weingeist gefirnißt. Nach einem andern Verfahren löst man 1 Teil Salpetersäure, 1 Teil versüßten Salpetergeist, 2 Teile Weingeist, 3 Teile Kupfervitriol in 64 Teilen Wasser und setzt 2 Teile Eisenchloridlösung von 1,5 spez. Gew. hinzu. Man trägt diese Flüssigkeit auf den mit Kalk gut abgeriebenen Lauf, läßt ihn an der Luft trocknen, reibt ihn mit einer Kratzbürste aus Eisendraht kräftig ab, wiederholt das ganze Verfahren mehrere Male, wäscht zuletzt mit heißem Wasser ab, trocknet und poliert. Nach einem neuern Verfahren benetzt man die polierten Läufe schwach, aber gleichförmig mit sehr verdünnter Salpetersaure, trocknet sie im Sonnenschein und Luftzug, wiederholt dies dreimal, entfernt den lose anhängenden Rost mit einer Kratzbürste und wiederholt das Verfahren, bis man nach und nach eine schöne und feste braune Färbung erzielt hat. Um diese dunkler zu machen, arbeitet man in gleicher Weise mit einer Auslösung von salpetersaurem Silberoxyd in dem 500fachen Gewicht destillierten Wassers. Wenn man mehrere Anstriche dieser Silberlösung aufträgt, kann man nach Belieben die Farbe bis ins Schwarze steigern. Den Schluß dieses Verfahrens bildet das Reinigen mit der Kratzbürste und das Einreiben einer sehr kleinen Quantität Wachs. Pages Flüssigkeit zum B., mit welcher man die gelbliche, sogen. englische Farbe erzeugt, ist eine Lösung von Eisenvitriol in dem 22fachen Gewicht Wasser, die mit einigen Tropfen Salpeteräther und Schwefeläther versetzt wird; der Äther beschleunigt die Zersetzung des Eisenoxydulsalzes, aus welchem sich Eisenoxyd auf das zu brunierende Metall niederschlägt. Mit dieser Auflösung erzielt man zwar gute Resultate, doch dauert die Arbeit gewöhnlich einige Tage länger als bei den zuvor erwähnten Methoden. Um diesem Übelstand abzuhelfen, genügt es, die Auflösung von Eisenvitriol mit mehr Salpeteräther oder mit 7,5 g Salpetersäure von 36° Baumé zu versetzen. Schön mattgrau macht man Eisen und Stahl mit einer Lösung von 2 Teilen kristallisiertem Eisenchlorid, 2 Teilen fester Spießglanzbutter und 1 Teil Gallussäure in 4-5 Teilen Wasser. Man trägt dieselbe wiederholt auf, läßt jedesmal an der Luft trocknen, spült dann mit Wasser und reibt nach dem Trocknen das Metall mit Leinölfirnis ab. Um einen schönen schwarzen, sicher vor Rost schützenden Überzug zu erhalten, bestreicht man den gut entfetteten Lauf schwach mit einer Lösung von Quecksilbersublimat, reibt nach dem Trocknen mit zerstoßenem Hammerschlag, wischt mit Leinwand rein ab und wiederholt das Verfahren. Dann gibt man mehrere Anstriche mit einer Losung von Eisenchlorid und Kupfervitriol, gemischt mit Salpetersäure und Weingeist, und reibt nach jedem Anstrich und Trocknen mit zerstoßenem Hammerschlag. Nun folgt ein reichlicher Anstrich mit einer Lösung von Eisenchlorid und Eisenchlorür, gleichfalls mit Salpetersäure und Weingeist vermischt, und nach dem Trocknen desselben wird dann der Lauf 10 Minuten lang in kochendes Wasser getaucht, abgewischt, mehrmals mit der letztern Flüssigkeit angestrichen, dann einmal mit einer sehr verdünnten Lösung von Schwefelkalium bestrichen, getrocknet, wieder in kochendes Wasser getaucht, abgewischt, einige Male mit der dritten Flüssigkeit, die man stufenweise mehr mit Wasser verdünnt, benetzt, getrocknet, mit ein wenig Olivenöl überwischt, in Wasser von 60° getaucht, mit Wollzeug stark gerieben und schwach geölt. Vgl. Rosten des Eisens.

Bruniersalz, s. Brunieren.

Brunierstahl, Werkzeug zum Polieren von Stahlwaren.

Brünig, ein schweizer. Voralpenpaß (1035 m), die kürzeste und bequemste Verbindung zwischen den beiden Touristengebieten des Vierwaldstätter Sees und des Berner Oberlandes und namentlich seit dem Bau der Paßstraße (1857-62) ungemein stark frequentiert. Die Maximalsteigung beträgt 6-10 pro Mille. Von Alpnach nach Sarnen und Giswyl bloße Thalstraße, hat sie, um die Höhe von Lungern zu gewinnen, am "Kaiserstuhl" Serpentinen erfordert, und letztere wiederholen sich für die eigentliche Paßroute Lungern-Brienzwyler. Dieser Teil, wo der Ausblick auf das Thal der Aare und die Schneeberge des Berner Oberlandes sich immer mehr aufrollt, ist für den Fußwanderer sehr genußreich. In Brienzwyler teilt sich die Straße: nach Brienz und Meiringen. Der starke Touristenzug führte zu dem Projekt einer Brünigbahn (s. Interlaken).

Bruniinsel, langgestreckte Insel an der Südostküste Tasmanias, deren vielfach gegliederte Hälften (Nord- und Süd-B.) durch einen schmalen sandigen Isthmus miteinander verbunden sind, 385 qkm (7 QM.) groß, enthält Kohlenlager. Brüning, Adolf von, Industrieller, geb. 16. Jan. 1837 zu Ronsdorf bei Elberfeld, studierte 1854-56 Chemie in Wiesbaden bei Fresenius, 1856-57 in Christiania bei Strecker, promovierte 1857 in Heidelberg, diente dann in Berlin bei der Artillerie, nahm 1862 seinen Abschied und begründete in Höchst a. M. großartige Farbenwerke (Meister, Lucius u. B.), aus welchen eine Reihe der wertvollsten neuen Teerfarben hervorging. Regen Anteil nahm B. am politischen Leben, und 1874-80 war er Vertreter des ersten nassauischen Wahlkreises im Reichstag. 1876 siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wo er sich als Präsident des Mitteldeutschen Kunstgewerbevereins große Verdienste um die Hebung des Kunstgewerbes erwarb. Durch Erwerbung des "Frankfurter Journals" suchte er mit Erfolg auch hier die nationale Gesinnung zu fördern und zu verbreiten. 1882 wurde er bei Begründung des Deutschen Kolonialvereins zu dessen Vizepräsidenten erwählt, und 1883 verlieh ihm der Kaiser den erblichen Adel. Er starb 21. April 1884 in Frankfurt a. M.

Brünings, Christian, Wasserbaumeister, geb. 8. Nov. 1736 zu Neckarau in der Pfalz, widmete sich dem Baufach, war Einnehmer der Deichkontributionen, trat 1769 in holländische Dienste, wurde Generalflußinspektor, später Generaldirektor des holländischen Waterstaats; starb 16. Mai 1805. Unter seiner Leitung kamen bedeutende Bauten zu stande, wie die bessere Bedeichung und Abwässerung des Haarlemer Meers und des sogen. Oberwassers, die