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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brunn; Brünn

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Brunn - Brünn.

Umleitung des Waalstroms sowie des Kanals Pannerden etc. Sein Hauptwerk sind die "Berichte und Protokolle über das Wasser der Oberströme" (Amsterd. 1778, 2 Bde. mit Atlas).

Brunn, Heinrich, Archäolog, geb. 23. Jan. 1822 zu Wörlitz bei Dessau, besuchte seit Herbst 1839 die Universität Bonn, wo besonders Welcker und Ritschl anregend auf ihn wirkten, und begab sich 1843 nach Rom, wo er durch litterarische Arbeiten seinen Unterhalt fand. Im J. 1853 nach Deutschland zurückgekehrt, habilitierte er sich 1854 an der Universität Bonn für Archäologie; zugleich versah er an der Universitätsbibliothek die Stelle eines Kustos. Ende 1856 wurde er als Sekretär des Archäologischen Instituts nach Rom berufen, wo er höchst fördernd wirkte, bis er Ostern 1865 einem Ruf als Professor der Archäologie nach München folgte, wo er zugleich Konservator des Münzkabinetts wurde. Seit 1867 ist er hier auch Konservator der Vasensammlung. Unter seinen Schriften sind besonders hervorzuheben: "Geschichte der griechischen Künstler" (Stuttg. 1853-1859, 2 Bde.); "Die Philostratischen Gemälde gegen K. Friederichs verteidigt" (Leipz. 1861), dazu: zweite Verteidigung in den "Jahrbüchern für klassische Philologie" (das. 1871); "Beschreibung der Glyptothek zu München" (3. Aufl., Münch. 1873); "I rilievi delle urne etrusche; I. Ciclo troico" (Rom 1870); "Probleme in der Geschichte der Vasenmalerei" (Abhandl. der bayr. Akad. d. Wiss., I, XII, 2, Münch. 1871); "Über die kunstgeschichtliche Stellung der pergamenischen Gigantomachie" (Berl. 1884); außerdem zahlreiche Aufsätze und Rezensionen in den Schriften des Archäologischen Instituts zu Rom (darunter manches über etruskische Kunst), in Paulys "Realencyklopädie" (2. Aufl., Bd. 1) und Meyers "Künstler-Lexikon", in verschiedenen philologischen Zeitschriften und in den Schriften der Münchener Akademie. B. ist als der Begründer der modernen Archäologie zu bezeichnen, welche, ausgehend von der Deutung der künstlerischen Motive und genauer stilistischer Analyse, den geistigen Gehalt und die historische Stellung der Kunstdenkmäler festzustellen sucht. Seine Arbeiten zeichnen sich durch feinen künstlerischen Sinn, Schärfe der Methode und Klarheit der Darstellung aus. Die Geschichte der griechischen Malerei und der etruskischen Kunst ist fast ausschließlich sein Werk.

Brünn (tschech. Brno), Hauptstadt des österreich. Kronlandes Mähren, liegt zwischen dem Schwarzawa- und Zwittawafluß in fruchtbarer Gegend, am Fuß des 300 m ü. M. hohen Spielbergs (s. unten) sowie im Kreuzungspunkt der Österreichischen Staatsbahn (Wien-B.-Prag), der Kaiser Ferdinands-Nordbahn (B.-Wien), der Mährisch-Schlesischen Nordbahn (B.-Olmütz), der Mährischen Transversalbahn (Wlarapaß-B.-Iglau) u. der Lokalbahn nach Tischnowitz. Die bis 1860 befestigt gewesene Stadt ist ihrer Mauern und Wälle entkleidet, an deren Stelle sich eine breite Gürtelstraße, mit schönen neuen Gebäuden eingerahmt, und Promenadenanlagen befinden, so daß die innere Stadt mit den außerhalb der frühern Mauern gelegenen 30 ehemaligen Vorstädten vollständig verbunden ist. B. zerfällt gegenwärtig in vier Bezirke. Unter den öffentlichen Plätzen sind der Große Platz mit einer Mariensäule, der Krautmarkt mit schönem Springbrunnen und der Dominikanerplatz bemerkenswert. B. hat 17 Kirchen und 6 Kapellen; von erstern sind hervorzuheben: die Kathedralkirche zu St. Peter (aus dem 15. Jahrh.) mit schönen Altarblättern, guter Orgel und steinerner Kanzel an der nördlichen Außenseite; die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob (aus dem 14. Jahrh.), eins der schönsten Denkmäler der gotischen Baukunst im Land, in neuester Zeit restauriert, mit 93 m hohem, kühn zugespitztem Turm, schönen Gemälden und Glasmalereien; die Stadtpfarrkirche zu St. Johann oder Minoritenkirche mit Freskomalereien, schönen Altarblättern, Skulpturen und trefflicher Orgel; die Augustiner-Pfarrkirche zur Himmelfahrt der Mutter Gottes in Alt-B., ein gotischer Bau aus dem 14. Jahrh., mit einem Hochaltarbild von Rotter; die Pfarrkirche in Obrowitz, mit schönen Skulpturen und Fresken; die Kapuzinerkirche (1651 begonnen) mit Hochaltarbild von Sandrart und dem Grabmal des bekannten Pandurenobersten v. d. Trenck; die Garnisonkirche (1602 vollendet) mit schönen Stuckarbeiten und Fresken und die neue, im gotischen Stil aufgeführte evang. Christuskirche; endlich die prachtvolle Synagoge. Unter den sonstigen Gebäuden sind bemerkenswert: das Statthaltereigebäude (ehemals Augustinerkloster) mit Gartenanlagen; das 1878 vollendete prachtvolle Landhaus, Sitzungslokal des mährischen Landtags; das gotische Rathaus (1511 vollendet) mit reichem Portal und Antiquitäten; das Militärmonturdepot; die sogen. Jesuitenkaserne (ehemals Jesuitenkloster); das Gebäude des adligen Damenstifts zu Mariaschul; das Augustinerkloster in Altbrünn; die neuen Gebäude des Polytechnikums, der städtischen Oberrealschule und des deutschen Gymnasiums; das Gebäude des Landesgerichts; die höhere Töchterschule; der Stadthof; das 1882 eröffnete neue Stadttheater (das erste Theater auf dem Kontinent mit elektrischer Beleuchtung) etc. Die Zahl der Einwohner betrug Ende 1880 mit der 3440 Mann starken Garnison 82,660, darunter 60 Proz. Deutsche, 40 Proz. Tschechen und 5498 Juden. B. ist eine der bedeutendsten Fabrikstädte der österreichischen Monarchie und behauptet insbesondere einen sehr hohen Rang in der Schafwollindustrie, welche in mehr als 100 Fabriken (Spinnereien und Webereien) jährlich etwa 100,000 metr. Ztr. Wolle verarbeitet und ca. 90 Dampfmaschinen mit 2300 Pferdekräften in Thätigkeit setzt; die Zahl der in den einschlägigen Etablissements beschäftigten Personen beläuft sich auf etwa 20,000. Außerdem produziert die Stadt in größern Mengen Leder, Handschuhe, Hüte, Maschinen (9 Fabriken), Eisengeschirr, Kratzen und Webekämme, Zuckerformen und Eisenblech, musikalische Instrumente, Chemikalien, insbesondere Kali, fette, ätherische und Extraktöle, Leim, Stärke, Zucker, Malz, Spiritus, Kaffeesurrogate, Likör und Rosoglio, Leinenwaren, künstliche Blumen, Wagen, Galanteriewaren, Dachpappe, Papier, Bretter, Bau- und Möbeltischlerarbeiten. Auch sind zahlreiche Färbereien, Appreturanstalten, Farbholzschneide- und Stampfwerke, Dampfmühlen, mehrere Bierbrauereien, Branntweinbrennereien und Ziegeleien im Betrieb. Im ganzen stehen etwa 200 Dampfmaschinen mit 4500 Pferdekräften der Industrie zu Gebote. Die Stadt hat eine Wasserleitung, eine Gasanstalt und Dampftramway. Die Jahrmärkte der Stadt (vier im Innern der Stadt, drei in Alt-B.) gehören zu den bedeutendsten Österreichs. An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt eine theologische Lehranstalt, eine technische Hochschule, 3 Obergymnasien (2 mit deutscher, 1 mit

^[Abb.: Wappen von Brünn.]