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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brunst; Brunswick; Brunswigia toxicaria; Brüsk; Brusquembille; Brussa

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Brunst - Brussa.

Abhandlungen in Zeitschriften: "Quid conferant Vaticana fragmenta ad melius cognoscendum jus romanum" (Tübing. 1838); "Fontes juris romani antiqui" (4. Aufl., das. 1860; mit Supplement von Th. Mommsen, Freiburg 1881); "Das Wesen der bona fides bei der Ersitzung" (Berl. 1872); "Die Besitzklagen des römischen und heutigen Rechts" (Weim. 1874). Auch begründete er 1861 mit Böhlau, Rudorff u. a. die "Zeitschrift für Rechtsgeschichte". Mit E. Sachau veröffentlichte er ein "Syrisch-Römisches Rechtsbuch aus dem 5. Jahrhundert" (Leipz. 1880). Nach seinem Tod erschienen von ihm: "Kleinere Schriften" (Weim. 1882, 2 Bde.). Vgl. Degenkolb, Karl Georg B. (Freiburg 1881).

3) Ernst Heinrich, Astronom, geb. 4. Sept. 1848 zu Berlin, studierte daselbst Mathematik, Astronomie, Physik, wurde 1872 Rechner an der Sternwarte zu Pulkowa, 1873 Observator an der Sternwarte zu Dorpat und Dozent an der dortigen Universität, ging 1876 als außerordentlicher Professor der Mathematik nach Berlin und 1882 als Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte nach Leipzig. Er schrieb: "Über die Perioden der elliptischen Integrale erster und zweiter Gattung" (Dorpat 1875); "Die Figur der Erde" (Berl. 1878).

Brunst (v. altd. brinnan, ursprünglich s. v. w. Brand), die Äußerung des Geschlechtstriebes bei weiblichen Tieren, wobei die Geschlechtsteile durch vermehrten Blutzufluß nach denselben anschwellen und in einen leichten entzündungsartigen Zustand geraten. Während dieser Zeit findet Abgang von Schleim und Blut aus den Genitalien des Weibchens statt. Erst wenn die Höhe dieser Periode vorüber ist, nehmen die Weibchen die Männchen an. Diese Zeiten kehren bei vielen Tieren mehrmals des Jahrs, bei manchen sogleich, nachdem sie geboren haben, wieder, bei andern, besonders bei den größern Tieren, jedoch nur einmal im Jahr. Vgl. Brunft.

Brunswick, plattdeutscher, englischer und französischer Name für Braunschweig.

Brunswick, 1) Stadt im nordamerikan. Staat Maine, an den untersten Fällen des Androscoggin River, 10 km westlich von Bath, mit Sägemühlen und (1880) 5384 Einw. Dabei Bowdoin College, eine 1794 gegründete blühende Hochschule mit Bibliothek, Museum und Gemäldegalerie. - 2) Stadt im nordamerik. Staat Georgia, am St. Simon's Sound, hat einen vortrefflichen Hafen, Ausfuhr von Baumwolle und (1880) 2891 Einw. Einfuhr (1883-81) 3521 Doll., Ausfuhr 1,611,490 Doll.

Brunswigia toxicaria, s. Haemanthus.

Brüsk (franz. brusque), auffahrend, ungestüm, hitzig; daher Brüskerie, barsches Wesen; brüskieren, anfahren, barsch behandeln. In der Kriegskunst heißt ein Angriff ein brüsker oder brüskierter, wenn er ohne methodische Einleitung durch Feuer den Erfolg durch gewaltsames Vorgehen erzwingen will.

Brusquembille (franz., spr. brüskangbij; Briscambille), Art Kartenspiel mit Pikettkarten unter 2-5 Personen; auch die Hauptarten darin (As und Zehn).

Brussa (türk. Bursa, das alte Prusa), Hauptstadt des türk. Wilajets Chodawendikjâr in Kleinasien, liegt malerisch am Nordfuß des mysischen Olympos (jetzt Keschisch Dagh), etwa 20 km vom Marmara-Meer, und bildet einen 4 km langen, aber meist kaum 20 Minuten breiten Häusergürtel. Die eigentliche Stadt liegt zum Teil aus senkrecht abgeschnittenem Felsen, ist mit Mauern und Wällen umgeben und wird von einem alten Kastell beherrscht. Die Häuser und Straßen Brussas sind in besserm Zustand als in den übrigen Orten Kleinasiens; die Bazare stehen zum Teil denen in Konstantinopel nicht nach, und die Garten, Bäder, Kioske etc., die aus dem die Ebene nördlich der Stadt bedeckenden Wald von Maulbeerbäumen hervortauchen, vollenden das schöne landschaftliche Bild des Ganzen. B. zählt nahe an 200 Moscheen, wovon freilich einige nur wenig mehr als Ruinen sind. Die ausgezeichnetsten Moscheen sind die Oli Dschami ("die Prächtige"), ein massives, von den Sultanen Murad I., Bajesid I. und Mohammed I. errichtetes Gebäude mit Minarets und 16 kleinern Kuppeln, welche die mit farbigem Porzellan gedeckte Hauptkuppel umgeben, und die Moschee Jeschil Imaret. Ferner hat B. 3 griech. Kirchen, 1 protest. und 1 armenische sowie mehrere Synagogen, ist Sitz eines Paschas, eines Richters (Mollas), der als dritter Richter des Reichs nur von denen zu Adrianopel und Konstantinopel überragt wird, ferner des Muftis und Vorstehers der Emire, eines deutschen Konsuls sowie eines griechischen und armenischen Erzbischofs. Von ganz besonderer Bedeutung ist die Stadt den Türken als Ausgangspunkt des osmanischen Reichs und durch die vielen berühmten und prachtvollen Grabmäler. Es ruhen hier nämlich die sechs ersten Sultane: Osman, Urchan, Bajesid, Murad I., Murad II. und Mohammed I.; dann die ersten Wesire, Beglerbegs und Muftis des Reichs, und um deren Mausoleen gruppiert sich noch ein halbes Tausend von Gräbern berühmter Wesire, Paschas, Scheichs, Lehrer, Redner, Dichter, Ärzte und Musiker. Viele dieser Denkmäler sowie an fast 80 Moscheen haben durch das Erdbeben, welches 1855 vier Monate lang die Stadt heimsuchte, sehr gelitten. An den Abhängen des Olymps bei B. entspringen berühmte warme Quellen, unter denen das große und kleine Schwefelbad (Böjük und Kütschük Kökürdli) am besuchtesten und für die kleinasiatischen Griechen zugleich Wallfahrtsorte sind, weil der heil. Patricius hier den Märtyrertod fand. Das Wasser ist klar, lichtgelb gefärbt und hat eine Temperatur von 66° R. Die Ärzte empfehlen den Gebrauch bei allerlei chronischen Hautkrankheiten und Rheumatismen. In großem Ruf stehen auch die Quellen von Kara Mustafa (35°) und Jeni Kaplidschah (65½°), obwohl ihr geringer Gehalt an Gas und mineralischen Bestandteilen ihnen in Bezug auf therapeutische Wirksamkeit einen sehr niedrigen Platz anweist. Die Zahl der Bevölkerung betrug 1882 nur wenig über 37,000 (darunter 4292 Griechen, ferner Armenier, spanische Juden, einige Hundert Franken). Von dem blühenden Handel und der Gewerbsthätigkeit des 16. Jahrh. ist in B. jetzt nur noch ein schwacher Abglanz vorhanden. Die von Schweizern und Franzosen eingeführte Seidenzucht ist jetzt bedeutend herabgekommen; der Import bedruckter Baumwollstoffe lohnt nicht mehr wegen der Verarmung des Landes. Eine Bahn nach dem Hafen Mudania ist zwar 1874 begonnen, aber nie in Betrieb gesetzt worden. Von Bedeutung ist die Weinproduktion (sogen. "Olympwein", der nördlich von B. bei dem von Griechen bewohnten Demirtasch, am Südabhang des Höhenzugs Katürli Dagh wächst und in Masse nach Rußland geht). Auch Rosinen, Maulbeeren, Aprikosen etc. werden viel ausgeführt. - B. gehörte als Prusa zum Königreich Bithynien und wurde von König Prusias II. nach den Plänen des zu ihm geflüchteten Hannibal erbaut. Um 950 ward es von den Arabern zerstört und erst von den byzantinischen Kaisern wieder ausgebaut und befestigt. Osman belagerte B. von 1317 an, nach zehnjähriger Belagerung