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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brutus, schläfst du?; Brutzellen; Bruun; Brüx; Bruxelles; Bruyère; Bruyère-Holz; Bruyn; Bruyne

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Brutus, schläfst du? - Bruyne.

Verschwörung gegen Cäsar bei. In der nach dem Mord entstandenen Verwirrung eilte B. in seine Provinz Gallien, um dieselbe gegen Antonius zu behaupten. In Mutina hart bedrängt, hielt er tapfer aus, bis die Stadt von den Konsuln Hirtius und Pansa und von Oktavian entsetzt wurde. Der Senat übertrug ihm darauf den Oberbefehl über das konsularische Heer und die Führung des Kriegs gegen Antonius. Doch der Abfall Oktavians von der Sache des Senats hinderte schnelle Benutzung seiner Vorteile; bald fühlte er sich dem durch die Vereinigung mit Lepidus verstärkten Antonius nicht mehr gewachsen und wollte nach Makedonien zu Marcus Brutus und Cassius ziehen, ward aber von seinen Legionen verlassen, auf seiner Flucht in den Alpen gefangen und durch Reiter, welche Antonius auf die Nachricht davon hinschickte, getötet.

Brutus, schläfst du? Worte, welche Marcus Junius Brutus neben andern geheimnisvollen Mahnungen auf Zetteln an seinem Sitz im Senat u. a. O. fand, wodurch er zur Befreiung Roms von Cäsars Herrschaft angespornt werden sollte; jetzt häufig im übertragenen Sinn als Aufforderung zur Thätigkeit angewandt.

Brutzellen, einzelne von der Mutterpflanze bei vielen Kryptogamen sich loslösende, unbewegliche Zellen, welche im stande sind, auf ungeschlechtlichem Weg den ursprünglichen Organismus zu reproduzieren, wie die Konidien vieler Pilze, die Tetrasporen bei den Florideen unter den Algen, die Soredien der Flechten u. a.

Bruun, Philipp, russ. Archäolog und Historiker, geb. 18. Aug. 1804 zu Fredriksham, studierte in Dorpat, unternahm Reisen ins Ausland, widmete sich anfangs dem Studium der Nationalökonomie und Statistik, bekleidete lange Zeit die Professur der Geschichte und Staatswissenschaften am Lyceum Richelieu in Odessa und wirkte seit 1866 an der neurussischen Universität daselbst. Er starb 15. Juni 1880. Seine ungemein fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit richtete sich insbesondere auf das Gebiet der historischen Geographie und Ethnographie. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen seine "Notices historiques et topographiques concernant les colonies italiennes en Gazarie" (Petersb. 1866) und sein "Essai de concordance entre les opinions contradictoires relatives à la Scythie d'Hérodote et aux contrées limitrophes" (das. 1873). Auch gab er mehrere ältere Reiseberichte, wie z. B. die Reise des Guillebert de Lannoy in Südrußland 1421, die Reise des Johann Schiltberger u. a., heraus. Seine kleinern Schriften sammelte er in einem zweibändigen Werk in russischer Sprache: "Tschernomorje" (1880), welches von der Akademie der Wissenschaften gekrönt wurde.

Brüx, Stadt im nördlichen Böhmen, am Fuß des Schloßbergs und an der Biela, Kreuzungspunkt der Aussig-Teplitz-Komotauer, Pilsen-Priesener und Prag-Duxer Eisenbahn, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts und eines Revierbergamtes, hat eine gotische Dechanteikirche, ein neues Justizgebäude, Trümmer eines alten Schlosses, schöne Anlagen (mit Kaiser Joseph-Denkmal), ein Piaristen-, Kapuziner- und Minoritenkloster, ein städtisches Obergymnasium, gewerbliche Fortbildungsschule, Sparkasse (4 Mill. Gulden Einlagen), zwei Zuckerfabriken und eine Zuckerraffinerie, Fabrikation von landwirtschaftl. Maschinen, Spiritus und Pottasche, Getreidemärkte, Gasbeleuchtung, Wasserleitung und (1880) 10,136 Einw. Im Zentrum der ausgedehntesten und mächtigsten Braunkohlenablagerung Böhmens gelegen, betreibt B. auch Kohlenbergbau in großem Maßstab (1883 über 38 Mill. metr. Ztr. Braunkohle). Unfern sind die Dörfer Sedlitz, Püllna und Saidschitz mit dem weltbekannten Bitterwasser. In B. trat im J. 1876 ein Sprudel (alkalische Therme von 22° C.) zu Tage, der aber wieder verschwunden ist.

Bruxelles (spr. brussähl), franz. Name von Brüssel.

Bruyère (spr. bruijähr), s. La Bruyère.

Bruyère-Holz (Heidekrautwurzel), Wurzelholz von Erica arborea L. aus den Pyrenäen, auch aus Algerien und Corsica, ein sehr schönes, hartes, feinmaseriges Holz, wird beim Liegen an der Luft dunkler, zuletzt schwarzbraun und ist als Material zu Tabakspfeifen besonders in Frankreich sehr geschätzt.

Bruyn (spr. breun), 1) Bartholomäus, Maler, geb. 1493 zu Köln, bildete sich nach dem Kölner Meister vom Tod Mariä, dann nach den Italienern, besonders nach Michelangelo, war schon in den 20er Jahren des 16. Jahrh. thätig und starb 1556 oder 1557 in Köln. Sein Hauptwerk sind die Gemälde des Hochaltars von St. Viktor zu Xanten, die zwischen 1529 und 1536 ausgeführt wurden. Die Anzahl seiner Werke ist groß. Verdienstvoller aber als seine Altarbilder sind seine zahlreichen auch kulturgeschichtlich wichtigen Bildnisse, welche sich durch Naturwahrheit der Auffassung und kraftvolle Breite der Behandlung auszeichnen. In Köln und München befinden sich die meisten seiner Bilder. Er war der angesehenste kölnische Maler des 16. Jahrh.

2) Abraham de, niederländ. Zeichner und Kupferstecher, geboren zu Antwerpen, scheint 1577 und 1578 in Köln gelebt zu haben, hielt sich jedoch 1581 wieder in Antwerpen auf. Unter seinen Kupferstichen, die sich durch Sauberkeit und sichere Hand auszeichnen, sind außer Porträten und einigen biblischen Darstellungen kleine Friese, Jagden mit Hunden und Vögeln darstellend (1565), eine Folge von Tieren (12 Blätter, 1583), die Planeten (7 Blätter), eine Folge von Arabesken und die Werke: "Imperii ac sacerdotii ornatus, diversarum gentium vestitus" (1578), "Diversarum gentium armatura equestris" (1577) und "Omnium paene gentium imagines" (1581) zu nennen.

3) Nicolaus de, Zeichner und Kupferstecher, Sohn des vorigen, geboren um 1570 zu Antwerpen, lebte zumeist in Amsterdam und starb um 1652. Er war ein tüchtiger Künstler, wenn auch von einer gewissen Trockenheit nicht frei, und stach nach A. Bloemaert (das goldene Zeitalter), L. van Leiden, Martin de Vos, Egid. van Coninxloo, D. Vinckboons (Landschaften und Märkte) u. a. eine beträchtliche Anzahl von Blättern. In seinen eignen Zeichnungen suchte er die Manier des Lukas van Leiden nachzuahmen.

4) Cornelis de, Maler, s. Bruin.

Bruyne (spr. braune), Anton de, niederländ. Reisender, geb. 1840 zu Middelburg, Offizier in der holländischen Marine, unternahm 1878 mit den Offizieren Koolemans Beijnen und H. M. Speelman auf dem Schiff Willem Barents eine Reise nach Spitzbergen und von da in das Sibirische Meer, wo er bis 55° östl. L. und 78° nördl. Br. vordrang. Eine zweite Fahrt trat er 1879 an, um in dem ehemaligen Winterlager Barents' am Ostende von Nowaja Semlja ein Denkmal zu errichten und einen weitern Vorstoß in das Sibirische Meer zu versuchen. Das Schiff erreichte, nachdem es seine nächste Aufgabe erfüllt hatte, in der That das Franz Joseph-Land wieder, was A. H. Markham damals nicht gelang, und kehrte wohlbehalten nach Holland zurück.