Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bryozoen

537

Bryozoen.

Zaun- oder Gichtrübe, Hundsrübe, Tollrübe), mit fünflappigen, gezahnten, mit schwieligen Punkten und scharfen Haaren besetzten Blättern, unscheinbaren, einhäusigen Blüten und schwarzen Beeren, findet sich an Zäunen durch ganz Europa, doch häufiger in den nördlichen Gegenden als in den südlichen. B. dioica Jacq. (rotfrüchtige Zaunrübe), mit fast handförmigen, fünflappigen, schwielig rauhen Blättern, zweihäusigen Blüten und roten Beeren, wächst an gleichen Stellen wie die vorige Art, doch häufiger in England und im südlichen Europa. Die sehr großen, ziemlich einfachen, fleischigen Wurzeln beider Arten (Teufelskirschen-, Faulrübenwurzel) sind im frischen Zustand etwas milchend, schmecken scharf bitter, riechen nach frisch gebackenem Brot, wirken drastisch purgierend und harntreibend, in größern Dosen auch brechenerregend, waren früher offizinell und wurden namentlich gegen Gicht angewandt; sie enthalten außer den gewöhnlichen Bestandteilen ein farbloses, amorphes, sehr bitter schmeckendes Glykosid, das Bryonin.

Bryozoen (Moostierchen, Bryozoa Ehrbg., Polyzoa Thomps.), mikroskopisch kleine, aber meist zu ansehnlichen Kolonien vereinigte Tiere, welche früher gewöhnlich zu den Mollusken, später zu den Würmern gestellt wurden, am besten jedoch als eine selbständige Gruppe betrachtet werden (vgl. Würmer). Das Einzeltier besteht aus einer oft verkalkten Kapsel mit einer Öffnung, aus welcher der weiche Vorderleib hervorgestreckt werden kann. Letzterer trägt an seiner Spitze einen ganz oder nur teilweise geschlossenen Kranz von Tentakeln, Te (Fig. 1, 2, 3), die einen Strudel im Wasser zur Herbeischaffung der Nahrung erregen und zugleich mit dem Reste des weichen Vorderleibes die Atmung vermitteln. Der Mund O liegt innerhalb der Tentakeln und kann bei einem Teil der B. durch einen Deckel geschlossen werden; er führt durch die Speiseröhre (Oes) in einen geräumigen Darm D, welcher durch den After A in der Nähe des Mundes endigt. Herz und Gefäßsystem fehlen. Oberhalb des Schlundes zwischen Mund und After liegt ein Ganglion G. Ein Kolonialnervensystem, welches nach älterer Annahme den ganzen Tierstock durchziehen und die Bewegungen der Einzeltiere regeln sollte, scheint den neuesten Forschungen zufolge nicht zu existieren. Indessen sind die Individuen meist in bestimmter Ordnung miteinander verbunden; überdies herrscht eine Art Arbeitsteilung. In vielen Fällen nämlich dient eine Anzahl Individuen nur als Unterlage für diejenigen, welche die Ernährung des ganzen Stockes besorgen; andre (die sogen. Avikularien, Av) bilden sich zu Greiforganen in Gestalt eines Vogelkopfes aus, schnappen fortwährend nach Beute und halten sie bis zu deren Absterben fest, so daß die verwesende Materie durch die von den Tentakeln erregte Strömung den Nährtieren zugeführt wird etc. - Die Fortpflanzung der B. ist teils ungeschlechtlich, teils geschlechtlich. Erstere geschieht entweder durch Knospen und führt dann zur Koloniebildung, ist also für viele Arten von großer Bedeutung, oder durch die sogen. Statoblasten, d. h. abfallende und überwinternde Keime, welche sich im Frühjahr zu einem neuen Einzeltier entwickeln. Die Produkte der geschlechtlichen Fortpflanzung, Eier und Samen, entstehen einfach an bestimmten Stellen der Leibeswandung (Ov in Fig. 1). Obwohl die meisten B. ihrem Bau nach Zwitter sind, findet doch, wie es scheint, gewöhnlich keine Selbstbefruchtung statt. Bei manchen B. gelangen die Eier in besondere Kapseln (Ovizellen, Ovz) und machen hier ihre Entwickelung durch. Die aus dem Ei ausschlüpfenden Larven sind mit einem Wimperkranz versehen und schwärmen, bevor sie sich festsetzen, eine Zeitlang frei umher; sie unterliegen vielfach einer bedeutenden Metamorphose. - Von den gegen 2000 bekannten Arten B. leben in der Gegenwart nur etwa noch 600. Diese sind bis auf reichlich 30 Arten Bewohner des Meers und überziehen dort Korallen, Steine, Muscheln etc. mit ihren oft zu den zierlichsten Netzen angeordneten Kolonien, während sie im Süßwasser Stengel und Blätter von Pflanzen bekleiden. Einige Formen leben einzeln. Die systematische Einteilung geschieht vorzugsweise nach der Anordnung der Tentakeln und nach der Form der Öffnung in der Kapsel. Fossil finden sich die B. schon im Silur vor, sind jedoch in der Kreideformation am meisten vertreten (s. die Abbildung von Fenestella auf Tafel "Dyasformation"). Vgl. Allman, Monograph of the fresh water polyzoa (Lond. 1857),

^[Abb.: Fig. 1. Pedicellina echinata.]

^[Abb.: Fig. 2. Bugula avicularia.]

^[Abb.: Fig. 3. Plumatella repens.]