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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buchbinderleinwand; Buchdrucker; Buchdruckerkunst

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Buchbinderleinwand - Buchdruckerkunst.

Moden in Umlauf gebracht, welche selten Billigung verdienen. Die Benutzung des gerippten Kalikos, welcher haltbarer als der Papierüberzug und weniger kostspielig als Leder ist, hat wesentlich dazu beigetragen, die Buchverzierung stilistisch vom Buch selbst loszulösen, und zur Produktion von allerlei Geschmacklosigkeiten und Bizarrerien geführt. In Hinsicht auf Solidität stehen die deutschen Einbände im allgemeinen noch gegen die englischen und französischen zurück, und zwar beginnt der Unterschied bereits bei den broschierten Büchern. Als Regel sollte gelten, daß der Einband auch in seiner Verzierung in Harmonie mit dem Inhalt des Buches steht, insbesondere auch der Stil sich der Zeit anpaßt, welcher das Buch angehört. Der Gebrauch, die Heftbänder (franz. les nerfs, "die Sehnen"), über welche die Heftfäden hinlaufen, und die daher den Buchblock zusammenhalten, auch äußerlich hervortreten zu lassen, sollte allgemein wieder angenommen werden, weil es stilgemäß ist, die Struktur nicht zu maskieren, und weil die Querwülste zugleich den Buchrücken auf das angemessenste in Felder teilen. Die Dekoration der Deckel muß in jedem Fall durch eine Bordüre begrenzt werden; im übrigen ist ein Flächenornament, welches in der Art der Tapetenmuster den ganzen Raum mit einem regelmäßig wiederkehrenden Motiv bedeckt, vollauf berechtigt, vorzuziehen aber eine Disposition, welche symmetrisch Mitte und Ecken auszeichnet. Bei dem Anbringen von Metallbeschlägen, Knöpfen u. dgl. darf nie die eigentliche Funktion derselben außer acht gelassen, dieselben dürfen nicht als bedeutungsloser Zierat behandelt werden. Der Geschmacksrichtung unsrer Zeit sagen Einbände in der Art der Grolierschen am meisten zu, welche unendliche Abwechselung in den Verschlingungen der Arabesken, symmetrische Anordnung, schildförmige Räume für Schriftdruck ganz nach Bedarf und die Anwendung des Gold-, Schwarz- und Blinddruckes, der Ledermosaik etc. ermöglichen. Dieser Stil wird daher auch von den tüchtigsten Buchbindern, wie Rollinger, Groner, Berg in Wien, Fritzsche, Herzog in Leipzig, Vogt in Berlin, Andersen in Rom u. a., mit Vorliebe gepflegt. Vgl. Brade, Illustriertes Buchbinderbuch (3. Aufl., Leipz. 1882); Bauer, Handbuch der Buchbinderei (Weim. 1881); Fritzsche, Moderne Bucheinbände (Leipz. 1878 ff.); "Abbildungen zu Mustereinbänden aus der Blütezeit der Buchbinderkunst" (40 Tafeln mit Text von Stockbauer, das. 1884); Lähnsdorf, Art of bookbinding (Lond. 1880); Cundall, On bookbinding ancient and modern (das. 1881); Michel, La reliure française (Par. 1880); "Illustrierte Zeitung für Buchbinderei" (17. Jahrg. 1884, Dresden).

Buchbinderleinwand, zum Überziehen von Bücherdeckeln, Kartonagearbeiten u. dgl., wird aus leichtem, aber dicht geschlagenem Baumwollgewebe (Kaliko) hergestellt, das man in gewöhnlicher Weise färbt oder bedruckt und dann, um ihm größere Steifigkeit, auf einer Seite einen starken Glanz und einen hohen Grad von Widerstandsfähigkeit gegen Aufnahme von Wasser zu verleihen, mit einer eigentümlichen Appreturmasse behandelt. Man löst 100 Chlormagnesium in so viel Wasser, als zur Lösung von 100 Stärke erforderlich ist, setzt 1 Salzsäure hinzu und erhitzt die Lösung eine Stunde lang auf 90°. Hierauf wird sie mit Kalkwasser neutralisiert, einmal aufgekocht und mit einem Schwamm oder einer Appreturmaschine auf das Gewebe aufgetragen. Nachdem dieses in gespanntem Zustand (auf Spannrahmen oder Spannmaschinen) getrocknet ist, wird es auf Walzenglättmaschinen kalandriert, geglättet, auch wohl sogleich gaufriert, um ihm ein eigentümliches Muster zu geben. Besser fällt das Fabrikat aus, wenn es erst kalandriert wird und dann, schwach angefeuchtet, durch die Preßwalzen läuft. Die B. ist auf der Oberfläche entweder matt oder gewöhnlicher stark glänzend. Die matten Sorten sind nach dem beschriebenen Vorgang fertig. Die glänzenden werden vor dem Gaufrieren noch mit hellem, sehr reinem Leinwasser überstrichen. Dieser Überzug ist jedoch nicht gehörig wasserdicht, selbst wenn Alaun zugesetzt wird, so daß beim Gebrauch eines in Kaliko gebundenen Buches jeder darauf fallende Wassertropfen Spuren zurückläßt. Geeigneter erscheint daher ein nicht brüchiger Schellackfirnis (bereitet durch Kochen von 10 Borax mit 30 Schellack in 200 Wasser bis zur Lösung und gefärbt mit dauernden Anilinfarben) oder ein Überzug von Aluminiumpalmitat. Für besondere Fälle, z. B. wenn die mit B. gebundenen Bücher zum Gebrauch in chemischen Laboratorien u. dgl. bestimmt sind, wird sogar die eine Seite mit Kautschuk imprägniert oder nach Art des Wachstuchs präpariert.

Buchdrucker, Käferart, s. Borkenkäfer.

Buchdruckerkunst (Typographie), die Kunst, den durch die Schrift zu sichtbarem Ausdruck gelangten Gedanken durch Zusammensetzung einzelner, in einer mechanischen Vorrichtung (Presse, Maschine) zum farbigen Abdruck zu bringender Typen (s. d.) zu vervielfältigen. In dieser das Wesen der B. feststellenden Erläuterung ist zugleich die Grundbedingung enthalten für den Beginn von deren Geschichte: erst von dem Zeitpunkt, an welchem es gelang, die einzelnen Buchstaben, die Lettern oder Typen, durch Schnitt und Guß in einer Gestalt herzustellen, die ihre beliebige Zusammensetzung zu einem den Abdruck mit Farbe zulassenden, regelmäßigen Ganzen ermöglichte, erst von dem Zeitpunkt, von welchem nachgewiesen ist, daß solche Herstellung und Zusammensetzung mit nachfolgendem Abdruck auch wirklich erfolgten, datieren Erfindung und Geschichte der eigentlichen B.

I. Geschichte der Buchdruckerkunst.

(Hierzu Tafel "Faksimile von Gutenbergs 42zeiliger lat. Bibel".)

Der Bücherdruck in der Weise, wie er nach Stanislas Julien ("Documents sur l'art d'imprimerie") schon im J. 581 n. Chr. von den Chinesen erfunden worden sein soll und größtenteils auch noch heute geübt wird, kann somit als Buchdruck in unserm Sinne nicht angesehen werden; er steht nur mit den Vorläufern desselben, den Holztafeldrucken, auf einer Stufe und möge deshalb hier sofort näher erwähnt werden. Julien nennt vorstehend erwähntes Jahr nach einer chinesischen Quelle als das der Erfindung des Bücherdrucks in China; 593 habe bereits der damals regierende Kaiser Wenti befohlen, alle noch nicht veröffentlichten Schriften zu sammeln, in Holz zu schneiden und herauszugeben; andre chinesische Quellen verlegen den Zeitpunkt der Erfindung in das 10. Jahrh. unsrer Zeitrechnung (zwischen 936 und 993) und haben hierbei, da von frühern Drucken sich nichts mit Sicherheit nachweisen läßt, die größere Wahrscheinlichkeit für sich. Ein Schmied, Piching, soll sogar zwischen 1041 und 1049 den Druck mit beweglichen, d. h. in beliebiger Ordnung zusammenstellbaren und nach dem gemachten Abdruck wieder auseinander zu nehmenden, Wortbildern ersonnen haben, indem er die Schrift- oder Wortzeichen in dünne Tafeln weichen Thons grub, diese zerschnitt, im Feuer härtete und dann je nach Bedarf auf eisernen, schon mit den im Chi-^[folgende Seite]